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Theater – 13. Oktober 2017 – Thomas Glahn

Mit Penthesilea in die neue Saison

Außenseiter in einer manipulativen Welt: Im Kampf ... (Bild: Thilo Beu)

... der Geschlechter tötet Penthesilea Achilles. (Bild: Thilo Beu)

Zwei Außenseiter in einer militaristischen und manipulativen Welt: Zur Eröffnung der Bonner Opernspielzeit inszeniert Peter Konwitschny Kleists „Penthesilea“ von Othmar Schoeck. Dirk Kaftan stellt sich als neuer Generalmusikdirektor vor.
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Am Sonntag feiert im Bonner Opernhaus „Penthesilea“ von Othmar Schoeck in der Regie von Peter Konwitschny Premiere. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Dirk Kaftan, der sich mit dieser Produktion dem Bonner Opernpublikum als neuer Generalmusikdirektor vorstellt.

Seit der Uraufführung 1928 an der Dresdner Semperoper hat dieses Stück nach dem Trauerspiel von Heinrich von Kleist Dirigenten, Regisseure und Publikum immer wieder fasziniert. Die Partitur ist reich an markanten Klängen und gleichzeitig eine Herausforderung an Orchester, Chor und Solisten.

Ungewöhnlich ist die Dauer: 75 Minuten ohne Pause. Ungewöhnlich ist auch, dass das Liebespaar diesmal nicht von einer Sopranistin und einem Tenor gesungen wird, sondern von einer Mezzosopranistin (Dshamilja Kaiser) und einem Bariton (Christian Miedl). So versteht man sofort, dass es sich hier um Außenseiter handelt.

Die sie umgebende Gesellschaft ist vom Autor Heinrich von Kleist ebenso wie vom Komponisten Schoeck als militaristisch und manipulativ gezeichnet. Die entsprechend überhitzte, oftmals explosive Sprache von Kleist wird hochdramatisch vertont und das Publikum in einem Wechselbad der Gefühle mitgerissen.

Bei Homer nur angedeutet, hat die Legende vom griechischen Helden Achilles, der sich in eine Amazone verliebt, nachdem er sie tödlich verwundet hat, den jungen Dichter Heinrich von Kleist angeregt zu einem großen dramatischen Wurf über den Kampf der Geschlechter.

Bei ihm ist es nicht Achilles, der die Geliebte tötet, sondern umgekehrt Penthesilea, deren fehlgeleitete Liebesenergie in mörderischen Wahnsinn umschlägt. Schonungslos legt Kleist religiöse Propaganda-Mechanismen bloß, die sehr aktuell wirken.

Tragik und Komik verschwimmen wie in unserer heutigen medialen Überflutung. In der Inszenierung von Peter Konwitschny sitzt das Publikum wie bei einem Wettkampf in der Arena und kann unmittelbar teilnehmen an dieser Auseinandersetzung über die Welt, in der wir leben.

Penthesilea – Sonntag, 15. Oktober 2017, 18 Uhr, Opernhaus Bonn, Tickets im Vorverkauf bei Bonnticket, weitere Spieltermine: 20., 29. Okt., 12., 19. Nov.
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