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Ausstellung - 15. September 2010 - Klaus Torsy

Umbruchzeiten am Rhein

Die Sonderausstellung "Renaissance am Rhein" im LVR-Landesmuseum zeigt, wie der Humanismus ins Rheinland kam. Exponate auch aus Paris, Wien und London.


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Umkreis Joos van Cleve, Triptychon, Detail mit
Heiliger Barbara. (Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)

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Handtuchhalter mit Liebespaar, Arnt van Tricht, um
1535. (Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)

Vom morgigen Donnerstag bis 6. Februar 2011 präsentiert das Landesmuseum Bonn rund 350 Ausstellungsstücke von über 120 Leihgebern aus dem In- und Ausland, darunter dem Louvre in Paris, der Albertina und dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Victoria & Albert Museum London. Unter dem Titel "Renaissance am Rhein" lassen sie das lange 16. Jahrhundert am Rhein auferstehen.

Die Ausstellung nimmt den Rhein als zentrale europäische Achse und widmet sich den angrenzenden Ländern vom Zufluss der Mosel bis hinter Kleve. Aber sie bleibt nicht auf diesen engeren Raum beschränkt: auch die historischen und kulturellen Bezüge Richtung Westen (burgundische bzw. habsburgische Niederlande) und Osten (Westfalen) werden umfassend berücksichtigt.

Am Beispiel des Rheinlandes wird der Zeitraum von 1450 bis 1600 beleuchtet als eine der großen Umbruchzeiten der europäischen Kultur. Die Bedeutung der neuen, von Italien geprägten Geistesströmung des Humanismus tritt ebenso hervor wie die Konflikte um Reformation und Gegenreformation.

Die schnelle Verbreitung neuer Ideen durch den Buchdruck wirkte sich auf alle Lebens- und Kulturbereiche aus. Der Beginn globaler Vernetzung durch Entdeckungsfahrten und intensivierte Kommunikation veränderte Leben und Denken der Menschen dauerhaft. So stehen die Menschen im Mittelpunkt der Ausstellung: vom Fürsten und Gelehrten über den Künstler bis zum Bürger und Bauern.

Anhand von zehn "Leitthemen" erläutert die Ausstellung Phänomene des kulturellen Innovationsprozesses und seine Auswirkungen: von der Entdeckung der Perspektive und des neuen Bildes vom Menschen über die militärische und die Medienrevolution bis zur Schaffung kartografischer Meisterwerke, die den erweiterten Blick auf die Welt infolge der Entdeckungsfahrten anzeigen.

Ein weiterer Abschnitt wendet sich genauer der Welt am Rhein in der Zeit des Umbruchs zu – mit der zeitgenössischen gesellschaftlichen Hierarchisierung nach Ständen. In zwei Zeitschnitten mit Gemälden, Skulpturen, und Goldschmiedearbeiten werden Stiftungstätigkeit und Kunstpatronage der Kurfürsten von Köln, Mainz und Trier sowie des Fürstbischofs von Lüttich im Vergleich betrachtet: unter dem Eindruck der beginnenden Reformation und vor dem Hintergrund von Konfessionalisierung und katholischer Reform.

In der "Fürstlich Jülichschen etc. Hochzeit von 1585", die durch eine zeitgenössische Beschreibung in Wort und Bild umfassend dokumentiert ist, findet die Repräsentationskultur der Vereinigten Herzogtümer ihren Höhepunkt. Die Welt des niederen Adels wird am Beispiel des Rutger von der Horst und seines ambitionierten Schlossbaus im Emscherbruch vor Augen geführt. Zahlreiche Exponate zeigen das hohe Niveau niederadeliger Ausstattungs- und Wohnkultur.

Als Zentren der Erneuerung vor dem Hintergrund der reformatorischen Herausforderung werden Klöster und Stifte vorgeführt. Der im Auftrag des Deutschen Ordens erstellte Lettnerbogen der Kirche von Siersdorf bei Aachen ist mit über sechs Metern Höhe ein Hauptwerk der Schnitzkunst der Renaissance und wurde eigens für die Ausstellung umfassend restauriert.


Die Metropole Köln

Für die Rheinlande von zentraler Bedeutung war die Metropole Köln. In diesem urbanen Kommunikationszentrum verdichteten sich die geistigen und künstlerischen Phänomene der Zeit. Die im Auftrag der Stadt Köln 1571 von Arnold Mercator geschaffene Vogelflugansicht der Stadt Köln ist eine der bedeutendsten Stadtansichten der Frühen Neuzeit. Sie erlaubt – in der Ausstellung unterstützt durch eine multimediale Präsentation – einen einzigartigen Einblick in die Lebenswelt des 16. Jahrhunderts.

Die zwischen 1569 und 1573 nach einem Entwurf von Cornelis Floris entstandene Renaissance-Rathauslaube wird in der Ausstellung als das Ergebnis kultureller und künstlerischer Austauschprozesse sowie eines intensiven Antikenstudiums vorgestellt. Weitere Aspekte sind "Köln als Bildungs- und Handelszentrum" "Das wehrhafte Köln" und schließlich "Der Alltag in der Stadt".

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog für 29,80 Euro in der Ausstellung (mit CD 39,80 Euro). Begleitend erscheint zur Buchmesse im Verlag Verlag Schnell & Steiner ein Aufsatzband (49,90 Euro). In der Reihe "Rheinische Kunststätten des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz" erscheint ein Wegweiser zu den Orten der Renaissance im Rheinland (5 Euro).

Eigens für die Ausstellung wurde mit dem international renommierten Vokalensemble "Singer Pur" eine CD mit teilweise bislang unveröffentlichter Musik der Renaissance aus dem Rheinland eingespielt, erhältlich im Museum für 12,90 Euro.

Renaissance am Rhein – 16. September 2010 bis 6. Februar 2011, LVR-Landesmuseum.


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