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Kulturarbeit - 23. April 2010 - Klaus Torsy
Stadt streicht Kultur zusammen
Vorlage spricht von "Begradigungen". Heftige Kritik der Theatergemeinde. Dienstag öffentliche Diskussion des Kulturausschusses.
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Kulturdezernent Ludwig Krapf hat die Kürzungsliste für freie Kultureinrichtungen erstellt, mit der die Stadt Bonn ein Haushaltssicherungskonzept oder einen Nothaushalt in den kommenden Haushaltsjahren vermeiden will. Der Kulturausschuss soll am kommenden Dienstag darüber in öffentlicher Sitzung beraten.
Bei der Erstellung der Streichliste habe die Verwaltung ein Vorgehen nach dem "Rasenmäher-Prinzip" abgelehnt, heißt es in der Vorlage. Stattdessen sei die wirtschaftliche Situation der einzelnen Einrichtungen anhand der Verwendungsnachweise geprüft worden, um zum Beispiel auf "Begradigungen in der Szene" zu reagieren.
Laut der Sparliste werden die Zuschüsse für folgende Institutionen ab 2011 vollständig gestrichen: Robert Schuman Institut, Pantheon, Theater im Keller, Haus der Springmaus, Europäische Musikakademie, Europäischer Musikrat, Deutscher Musikwettbewerb, Kulturförderkreis Tannenbusch, Bonner Künstlergruppen, Europa Cantat, Universitäts-Museen, Geschichtswerkstatt, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Arbeitskreis Orgelstadt Bonn, Sängerkreis Bonn.
Folgende Einrichtungen sollen ab 2012 keine Fördermittel mehr erhalten: Euro-Theater-Central, Kleines Theater, Kulturzentrum Hardtberg.
Andere müssen mit zumeist drastischen Kürzungen rechnen. So verliert das Frauenmuseum ab 2011 zwei Drittel seiner bisherigen Zuschüsse, das Contra-Kreis-Theater rund ein Drittel; das Junge Theater Bonn fast ein Drittel, die Rheinkultur ein Viertel ihrer städtischen Fördermittel. Das Theater im Ballsaal muss mit 70.000 Euro jährlich weniger auskommen.
Klassische Philharmonie und Philharmonischer Chor müssen jeweils mit einem Drittel weniger auskommen, die Pflege des Andenkens an Clara und Robert Schumann mit knapp der Hälfte der bisherigen Hilfe.
Das Bonner Sommer Kino erhält nach bislang jährlich 40.000 Euro in den nächsten drei Jahren einmalig 30.000 Euro. Der Zuschuss für den Förderverein Filmkultur wird von 64.00 Euro auf 50.00 Euro gekürzt, der für das Haus der Sprache und Kultur von 70.000 Euro auf 50.000 Euro (2012) heruntergefahren.
Dagegen kann sich das Beethovenfest auf einen größeren Zuschuss freuen: Ab 2011 soll die städtische Finanzspritze von derzeit knapp 1,3 Millionen Euro auf 1,6 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden.
Theatergemeinde: "Geradezu widersinnig"
Heftige Kritik an den Sparplänen kam von der Theatergemeinde Bonn (TG). "Was das Kulturamt in seinen Kürzungsvorschlägen als 'Begradigung' bezeichnet, ist ein Kahlschlag, der den kulturellen Bildungsbedürfnissen der Bürger in Bonn und der Region Hohn spricht", erklärte die Vorsitzende Elisabeth Einecke-Klövekorn.
Zwar seien Kürzungen im städtischen Haushalt unvermeidlich, allerdings bedeute das Einsparvolumen von insgesamt rund 1 Million Euro das Aus für viele Kultureinrichtungen. Ebenso bemängelte Einecke-Klövekorn, dass nach der begrüßenswerten Entscheidung gegen das Festspielhaus Beethoven die Stadt nun den Bereich Jugend, Bildung und Soziales in den Blickpunkt ihrer Förderung rücke anstelle kultureller Projekte.
"Bonn hat in den letzten Jahren eine bundesweit beispielhafte Jugendkultur entwickelt, die nicht durch Sparmaßnahmen bei den Kulturinstitutionen gefährdet werden darf", erklärte die TG-Vorsitzende. Daher sei es "geradezu widersinnig", nun etwa die Zuschüsse für das Junge Theater derart zu kürzen.
Stattdessen schlägt Einecke-Klövekorn vor, die signalisierte Bereitschaft von Post, Telekom und Postbank zur Unterstützung wahrzunehmen. "Es gibt durchaus Möglichkeiten, den engen Sparspielraum nicht nur destruktiv zu nutzen", erklärte sie. "Die Stadt sollte schleunigst ein differenziertes Kulturkonzept auf den Weg bringen, das eine kulturelle Verwüstung verhindert."
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