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Musik, Kulturarbeit - 09. November 2011 - Klaus Torsy

Rheinkultur sagt tschüss

Das europaweit namhafte, eintrittsfreie Festival gibt auf - trotz ausgeglichener Finanzlage. Die organisatorischen und personellen Anforderungen sind zu hoch, andere Widerstände wie die „ständige Frustration“ über die Stadt Bonn zu groß.


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Bilder auf vergangene Zeiten: Blick auf die Blaue Bühne und
von oben. (Fotos: Marc Nowak, o., Volker Lannert, u.)

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Bonn ist um eine Attraktion ärmer: Die 29. Ausgabe der Rheinkultur in diesem Sommer ist zugleich die letzte des „umsonst und draußen“-Festivals in der Bonner Rheinaue gewesen. Dies gaben heute die Gesellschafter der Rheinkultur GmbH in Bonn bekannt.

Ausschlaggebend für diesen Schritt war eine Reihe von Widrigkeiten, denen sich die Macher zuletzt Jahr für Jahr ausgesetzt sah. Der Elan, ein 30. Festival 2012 auf die Beine zu stellen, sei erloschen, erklärte Geschäftsführer Holger Jan Schmidt.

Allerdings seien es keine finanziellen Schwierigkeiten gewesen, wie man es nach der Retteraktion des vergangenen Jahres hätte vermuten können, stellte Schmidt klar. Dank geschickter Verhandlungen, guter Kontakte und vor allem viel persönlichem Einsatz sei es nach dem Abgang des Vereins Bonner Rockmusiker 2003 Jahr für Jahr gelungen, ein Festival für weit weniger als die Hälfte des marktüblichen Budgets zu organisieren.


Mangelnde Wertschätzung durch die Stadt Bonn

Die Schere zwischen „Risiko und getragener Verantwortung einerseits und dem persönlichen Resultat andererseits“ sei aber immer weiter auseinandergegangen. Als weitere Gründe nannte Schmidt insbesondere auch die mangelnde Wertschätzung seitens der Stadt Bonn. Die Bedeutung des Festivals, das Jahr für Jahr bis zu 170.000 Zuschauer angezogen hat, sei von der städtischen Verwaltung, Politik und den angeschlossenen Betrieben „weit unterschätzt“ worden.

In diesem Zusammenhang wies Schmidt darauf hin, dass die Stadt einerseits in ihrem Imagefilm gern mit dem Festival werbe, andererseits die Zusammenarbeit mit der Rheinkultur – bis auf die Retteraktion – eher mangelhaft gewesen sei. Als Beispiel nannte Geschäftsführerin Sabine Funk die fehlende Einbindung etwa bei Infrastruktur-Maßnahmen in der Rheinaue. Zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung auf dem Gelände etwa sei ein Wasseranschluss mitten vor einer Bühne aufgestellt worden, was dem Festival mehr Probleme als Nutzen bereitet habe.


„Kontinuierliche Ungleichbehandlung“

Überdies beklagten die Festivalmacher eine „kontinuierliche Ungleichbehandlung“ gegenüber anderen Großveranstaltungen in Bonn. Schmidt nannte hier Auflagen und Anforderungen im Bereich des ÖPNV oder bei der Lautstärke. Gerne habe man Vorreiter in diesen Bereichen sein wollen – so, wie sich das Festival seit Jahren als Wegweiser in Sachen Umweltschutz profiliert hat. Würde jedoch mit „zweierlei Maß“ gemessen, sei dies frustrierend.

Auch andere Gesellschafter stellten der Stadt ein ernüchterndes Zeugnis in Sachen Kulturpolitik aus. Ernst-Ludwig Hartz erklärte: „Die freie Kultur hat in Bonn kaum eine Chance.“ Sein Kollege Martin Nötzel kritisierte, dass von den rund 50 Millionen Euro des jährlichen Bonner Kulturetats 95 Prozent in Veranstaltungen flössen, die nur 5 Prozent aller Besucher von Kulturveranstaltungen anzögen. Hartz und Nötzel gehören auch zum Veranstalter- und Betreiber-Netzwerk KultEvent, das sich jüngst aus den Ausschreibungen um die Konzerte auf dem Museumsplatz zurückgezogen hatte.

Darüber hinaus waren es gesellschaftliche Entwicklungen, die das Ende der Rheinkultur beflügelt haben. So habe man einen Anstieg an alkoholisierten und aggressiven Jugendlichen bei der Anreise und auf dem Festivalgelände verzeichnet. Gründe hierfür sei der freie Eintritt ebenso wie ein „Facebook-Publikum“, so Sabine Funk, das auf der Suche nach Massenpartys in der Rheinaue lande. Dies beträfe bislang zwar nur eine kleine Minderheit des Publikums. Aber man sei nicht bereit, dies einfach hinzunehmen. Andererseits fehlten als eintrittsfreies Festival die Mittel, solchen Entwicklungen entgegenzuarbeiten.


„Rheinkultur gehört nach Bonn“

Alternativen, das Festival in anderer Form zu retten, seien ebenfalls reichlich erwogen, aber allesamt verworfen worden. So habe man einen weiteren Großsponsor, der eine Perspektive geboten hätte, nicht gefunden. Ebenso sei die Einführung eines Eintritts nicht infrage gekommen. Ein solcher, wie auch nur eine Registrierung für einen geregelten Einlass, hätte dem Charakter des Festivals widersprochen, meinte Funk. Schließlich habe man sich Offenheit, Zugänglichkeit und ein Angebot für möglichst viele Menschen auf die Fahnen geschrieben.

Abgesehen vom Anspruch, einen Gegenpol zu den ausufernden Preisen anderer Festivals zu bieten, hätten sich mit einem Eintritt außerdem zahlreiche Zusatzkosten ergeben, allein durch Vorverkauf, Abwicklung und Kontrolle. Ebenso wären die Gema-Kosten um ein Vielfaches gestiegen und die Freundschaftspreise bei Zulieferern und Künstlern hätten auf der Kippe gestanden.

Auch die Frage nach einem alternativen Standort habe man letztendlich nicht ernsthaft verfolgt. „Die Rheinkultur gehört nach Bonn“, brachte Holger Jan Schmidt die Verbundenheit auf den Punkt.

Und was, wenn noch jemand käme, der dem Festival helfen wolle? „Wir sprechen mit jedem“, so Schmidt, „aber ergebnisoffen.“


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