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Kulturarbeit, Musik - 01. April 2009 - H. H. Stuckenschmidt

Neues Bankhaus statt Festspielhaus

Dänische Bank will auf dem Areal der Beethovenhalle bauen. Suche nach Standort für Bonns künftige gute Stube beginnt von vorn. Andersen anstelle Beethovens.


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Muss nicht dem Festspielhaus, sondern einer
Bank weichen: die ehrwürdige Beethovenhalle.
(Foto: Presseamt)

Das Gerangel um das Festspielhaus Beethoven nimmt kein Ende: Gerade erst haben sich die Stadt Bonn und die drei Investoren - die in Bonn ansässigen DAX-Konzerne Telekom, Deutsche Post und Postbank - auf das Areal der Beethovenhalle als Standort geeinigt, bricht nun die Nachricht vom Bau eines neuen Bankhauses ebendort über die Bundesstadt herein.

Demnach plant das dänische Bankhaus "Danske ImmoHyp" (DHI) die Errichtung einer Geschäftsstelle, wo jetzt noch die Beethovenhalle steht. Auch die Wiese vor der Halle, bislang gerne für Zirkus-Veranstaltungen genutzt, soll dem Neubau zum Opfer fallen.

Vertreter der Stadtverwaltung und der im Rat vertretenen Parteien wollten sich nicht dazu äußern. Hinter vorgehaltener Hand hieß es gestern nur, die Bank biete einfach mehr als die drei Investoren des Festspielhauses, diesem Argument habe man sich nicht ohne Weiteres entziehen können.

Das Finanzinstitut habe sogar bereits konkrete Baupläne vorgelegt. Schließlich gelte es, nach dem Finanzfiasko auf Island möglichst schnell neues Vertrauen auch in skandinavische Banken zurückzugewinnen.

Die Pläne sähen vor, zur Rheinseite eine schicke, aber schlichte Glasfassade über sechs Stockwerke zu errichten. Damit wolle man der öffentlichen Forderung nach mehr Transparenz im Bankwesen nachkommen. Zur Innenstadt hin sei dagegen ein monumentales Relief des dänischen Flötisten, Dirigenten und Komponisten Carl Joachim Andersen vorgesehen.

"Sicher, Beethoven war kein Schlechter", hieß es dazu aus dem Umfeld von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. "Aber man darf auch nicht die Augen vor den Leistungen Andersens verschließen. Schließlich war er Gründungsmitglied des Berliner Philharmonischen Orchesters und ein bedeutender Flötist. Seine Etüden werden noch heute im Querflötenunterricht gepfiffen."

Nach dieser Äußerung hing offenbar auch der Segen im Rathaus quer: Dem Vernehmen nach soll Dieckmann außer sich gewesen sein. Mit ihr habe überhaupt niemand auch nur ein Wort über die ganze Sache gesprochen, wird sie im Rathaus von jemandem zitiert, der seinen Namen nicht online lesen möchte. Offensichtlich hat die Verwaltung mit der OB, die bei der Kommunalwahl nicht mehr antreten wird, schon abgeschlossen.

Vertreter der DHI waren für eine weitere Stellungnahme nicht zu erreichen - offenbar ist man dort vom aufkeimenden öffentlichen Rummel in der Bundesstadt überrascht. Auch Vertreter der Bonner DAX-Konzerne, die immerhin rund 75 Millionen Euro in das Festspielhaus investieren wollten und vom Angebot der Dänen einfach ausgestochen wurden, gaben sich bedeckt.

Jetzt helfe kein Jammern, lautete die Durchhalteparole unisono. Man wolle die neuerliche Suche nach einem Standort frischen Mutes angehen. Schließlich gäbe es interessante Alternativen, etwa am Friedensplatz, dort, wo noch die Sparkasse steht. Notfalls müsse man aber auch die "schäl Sick" am "Blauen Affen" in Erwägung ziehen.


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