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Kulturarbeit - 02. Juli 2010 - Klaus Torsy

"Jeder in Kultur investierte Euro lohnt sich"

Die Initiative Bonner Kultureinrichtungen fordert den Erhalt der bestehenden Kulturszene. Offener Brief an die Mitglieder des Rats und des Kulturausschusses der Stadt Bonn.


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"Die Bonner Kultureinrichtungen sind alle unverzichtbar" – Die Initiative Bonner Kultureinrichtungen – ein Zusammenschluss namhafter Kulturträger in der Bundesstadt – appelliert heute in einem offenen Brief für den Erhalt der städtischen Kulturlandschaft und fordert Verwaltung und Politik auf, die angekündigten Kürzungspläne nicht umzusetzen.

Im April hatte der inzwischen in den Ruhestand verabschiedete Kulturdezernent Ludwig Krapf eine Streichliste für die freien Kultureinrichtungen vorgelegt. Damit wollte die Verwaltung nach eigener Darstellung ein Haushaltssicherungskonzept beziehungsweise einen Nothaushalt umgehen.

Die betroffenen Kultur-Einrichtungen fürchten seither um ihren Fortbestand, sollte die Streichliste Wirklichkeit werden. Der Kulturausschuss genehmigte bislang lediglich den Etat für das laufende Haushaltsjahr. Über die einzelnen Kürzungen für die folgenden Jahre will das Gremium im Herbst entscheiden.

Nachfolgend der offene Brief der Initiative Bonner Kultureinrichtungen im Wortlaut:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben mit Erschrecken die Pläne zu einschneidenden Kürzungen im Kulturhaushalt der Stadt Bonn zur Kenntnis genommen, insbesondere die vom Kulturamt vorgelegte Liste der Zuschüsse und Zuschusskürzungen bei den freien Kulturträgern bis 2013.

Ganz abgesehen davon, dass die von der Verwaltung vorgeschlagene Verteilung der Mittel im Einzelnen fragwürdig ist und dass die Summe der vorgesehenen Einsparungen nur einen geringen Teil zur notwendigen Haushaltskonsolidierung beiträgt, fürchten wir einen irreversiblen Schaden für die Kultur in Bonn. Viele Bonner Kultureinrichtungen haben bereits empfindliche Etatkürzungen hinnehmen müssen und bemühen sich, durch betriebliche Umstrukturierungen und Einsparungen trotzdem die Qualität ihres Angebots für die Bonner Bürgerinnen und Bürger aufrecht zu erhalten.

Es geht uns nicht darum, auf Kosten anderer wichtiger Leistungen der Stadt nur uns selbst von Sparmaßnahmen auszuschließen. Es geht uns um die Lebensqualität in einer glücklicherweise noch wachsenden Stadt, deren Profil als Bundes- und UN-Stadt, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort entscheidend mitgeprägt wird durch ihre vielfältige Kulturszene. In Bonn ist eine Mischung aus Traditionen und Innovationen mit großer Strahlkraft gewachsen, die nicht zerstört werden darf.

Wir fordern deshalb:

Die bestehenden Bonner Kultureinrichtungen dürfen keinesfalls auf ein künstlerisch nicht mehr zu verantwortendes Niveau heruntergespart oder ganz abgeschafft werden. Sie sind alle unverzichtbar, weil sie auf ganz unterschiedliche Weise

- hohe Bildungs- und Integrationsleistungen erbringen,
- eine urbane Atmosphäre herstellen, die die Stadt für Fach- und Führungskräfte attraktiv macht,
- soziale und ökonomische Werte schaffen, von denen die Stadt direkt profitiert.

Es wäre in einer schwierigen finanziellen Lage geradezu widersinnig, dieses kreative Potenzial zu vernichten. Zumal sich jeder in die Kultur investierte Euro lohnt, selbst wenn er nur einfach in den städtischen Etat zurückfließt und sich damit schon rentiert. Die meisten von der Stadt geförderten Kultureinrichtungen bringen mehr Geld ein, als sie kosten. Einige haben bereits Angebote von anderen Städten, die sich glücklich schätzen würden, einen solchen Zugewinn zu beherbergen.

Der Etatansatz für die Kultur in Bonn sollte deshalb bis 2013 mindestens auf dem Stand von 2010 bleiben und nicht weiter gekürzt werden. Sonst gehen der Stadt wichtige Einnahmen aus den Leistungen der Kultureinrichtungen verloren.

Die Stadt soll außerdem Bund und Land für Gesetze in die Pflicht nehmen, die aus kommunalen Mitteln nicht finanzierbar sind. Ein finanzieller ‚Rettungsschirm’ für die Kommunen ist notwendig.  
Für die Erfüllung von gesetzlichen Pflichtaufgaben braucht man keinen Stadtrat und keine hoch bezahlte Verwaltung. Dieser Apparat erfüllt seinen Sinn nur dann, wenn er im Interesse der Bürgerinnen und Bürger politisch handelt und deren Lebensqualität sichert. Spielräume dafür sind auch in der aktuellen Situation vorhanden.

Salz in der Suppe oder Rosinen im Teig – Bonn braucht den Biss und die Fantasie seiner Kulturschaffenden: Die Suppe und das Salz, das tägliche Brot und den Kuchen, die städtischen Kultureinrichtungen und die freien Kulturarbeiter. Wir alle sind Partner für die Zukunft von Bonn und wollen uns gemeinsam dafür engagieren.

Wir bitten Sie, sich für die angemessene Förderung der kulturellen Vielfalt in unserer Stadt einzusetzen und dafür zu sorgen, dass keine Kultureinrichtung in Bonn schließen muss.

Mit freundlichen Grüßen

Anjara I. Bartz, Ensemblesprecherin Oper Bonn
Jürgen Becker, Bühne in der Brotfabrik
Susannah Cremer-Bermbach, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung
Elisabeth Einecke-Klövekorn, Theatergemeinde Bonn
Rafaėle Giovanola und Rainald Endrass, CocoonDance / Theater im Ballsaal
Frank Heuel, Fringe-Ensemble / Theater im Ballsaal
Horst Johanning, Contra-Kreis-Theater
Tina Jücker und Klaus Overkamp, Theater Marabu
Gisela Pflugradt-Marteau, Euro Theater Central
Birte Schrein, Ensemblesprecherin Schauspiel Bonn
Moritz Seibert, Junges Theater Bonn
Walter Ullrich, Kleines Theater Bad Godesberg"


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