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Ausstellung - 12. November 2009 - Klaus Torsy
Der Abriss gehört zum Konzept
"HB – Hotel Beethoven": Mit der Immobilie werden auch die Kunstwerke dem Erdboden gleichgemacht.
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Ein Ausstellungshaus, das nach Ende der Schau abgerissen wird – mitsamt den Installationen? Genau das geschieht bei der Ausstellung "fully booked" im Hotel Beethoven neben der Oper am Rhein. Ab Samstag stellen hier 50 internationale Künstler aus. Dazu haben sie sich im ehemaligen Hotel einquartiert und die Gästezimmer individuell gestaltet.
In seiner Glanzzeit beherbergte das Hotel Beethoven viele internationale Gäste aus Politik und Kultur und war jahrelang Treffpunkt des Oxford-Clubs. Nicht weit entfernt vom politischen Herzen der "Bonner Republik" und in Nachbarschaft von Oper und Universität, lag das Haus praktisch im Zentrum des Hauptstadt-Geschehens.
Seit rund einem Jahr steht es leer. Als eine der letzten Stationen der Metamorphose, die mit dem Mauerfall einsetzte, weicht das Hotel im Frühjahr 2010 einer Neubebauung: Zahlreiche terrassierte Wohnappartements, die in ihrer Architektur an eine Mini-Version der Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen erinnern, und ein Restaurant entstehen an seiner Stelle. Aus Stadtplaners Sicht öffnet sich hier die City hin zum Rheinufer.
Die mehr kleinstädtisch funktionale als repräsentative Architektur, welche die Immobilie als eines der letzten Relikte der Bonner Republik auszeichnet, gelangt damit an ihr Ende. Und eignet sich bis dahin ideal für das Thema "Wandel des Raums", für den das Kunstprojekt steht. Denn nun sind letztmalig alle 56 Zimmer des Hotels und die Pächterwohnung in der vierten Etage ausgebucht – fully booked.
Ideales Expermentierfeld und Zeitkapsel
"Das Hotel Beethoven ist ideales Experimentierfeld und Spielwiese, eine einmalige, vielleicht auch letztmalige Zeitkapsel, in der wir den Zeitenwechsel thematisieren können", erklärt Christine Rühmann. Mit Sjaak Beemsterboer hat sie die Ausstellung initiiert und kuratiert. Beide, selbst Künstler, gründeten hierfür den Verein "ML – Moving Locations e. V.", dessen Vorsitzende sie zugleich sind.
Seit 2005 realisieren die Schweizerin und der Holländer, die seit Langem in Bonn leben, neben Einzelarbeiten auch gemeinsame Projekte. Das Projekt "HB – Hotel Beethoven" ist ihr inzwischen drittes in der Reihe nach Stationen auf Mallorca und der niederländischen Nordseeinsel Schiermonnikoog und markiert den Abschluss der Hotel-Trilogie. Mit ihrem Verein haben sie eine Plattform geschaffen, um für die zeitlich begrenzten Arbeiten eine möglichst große Öffentlichkeit zu gewinnen.
Das Hotel Beethoven sei ihnen als Immobilie mit Abrissdatum praktisch zugefallen, berichtet Christine Rühmann. Die Baugesellschaft habe dem Plan des Künstlerduos zugestimmt und ihnen das Haus kostenlos bis zum Frühjahr überlassen. Da das Gebäude sich als zu groß erwies, um von zwei Künstlern allein gestaltet zu werden, gründeten Rühmann und Beemsterboer den Verein – als Basis für Künstler-Kontakte und nicht zuletzt auch, um Geldquellen zu erschließen.
Denn die laufenden Kosten und die Reparatur der Heizungsanlage wollen bezahlt werden. Neben der Stadt Bonn fanden sich auch Geldgeber aus der örtlichen Wirtschaft. Eine weitere Finanzquelle ist der Veranstaltungsbetrieb, der seit August läuft. Von Donnerstag bis Sonntag hat die Bar Ludwig geöffnet und lockt mit dem Interieur vergangener Jahrzehnte. Dazu gibt es immer wieder Live-Musik, Tanz-, Theater- und Filmveranstaltungen.
Ohne Rücksicht auf spätere Nutzungen
Schließlich übernahmen Rühmann und Beemsterboer auch noch die Rolle der Kuratoren. "Wir wollten ein offenes Konzept", begründet Beemsterboer diesen Schritt. "Daher finden sich in der Ausstellung auch keine Arbeiten mit Exponaten, die an der Wand aufgehängt werden, wie etwa in einer Malerei-Ausstellung."
Vielmehr ging es darum, den historischen Raum unmittelbar einzubeziehen. Dies spiegelt sich auch in der Vielzahl der künstlerischen Positionen: Das Spektrum reicht von Wandmalerei, Fotografie, Licht- und Videokunst bis hin zu raumfüllenden Objektinstallationen – jeweils ohne Rücksicht auf eine spätere Nutzung der Räumlichkeiten.
Für den Besucher gibt es daher viel zu entdecken: Historische Begebenheiten werden aufgegriffen und weiterentwickelt (Cony Theis: "Romeo"), Brachiales (Paul Schwer: "Wall Painting") steht neben Subtilem (Yvo Hartmann: "Cover 21"), Architektur wird selbst zum Thema (Jan von der Ploeg: "Wall Painting No. 272").
Das Allermeiste der Installationen wird mit dem Abriss des Gebäudes im Frühjahr vernichtet. "Der Abriss ist wichtig als Ausdruck des Vergänglichen und zugleich als Neuanfang", erläutert Christine Rühmann. "Erst durch das Temporäre wird das Projekt in sich stimmig."
Und was bleibt - neben ein paar neuen, modernen Wohnungen - für Bonn? "Unser Projekt zeigt, dass man mit Eigeninitiative viel erreichen kann", sagt Sjaak Beemsterboer. "Wir brauchen mehr Raum für freie Kunst, für junge Leute, für Theater und Tanz. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten."
"fully booked" – 14. November 2009 bis 28. Februar 2010, Hotel Beethoven, Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr: 15 – 19 Uhr, Sa, So: 14 – 19 Uhr.
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