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Kulturarbeit - 05. Mai 2010 - Klaus Torsy

Bedrohung der Demokratie

Die Intendanten der NRW-Theater fordern einen neuen Lastenausgleich zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie Kultur als Verfassungsziel. Deutsche Theaterlandschaft als Weltkulturerbe.


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Die ständige Konferenz der Intendanten in NRW hat in einer Resolution eine Aufstockung der Landesmittel auf "mindestens 20 Prozent des städtischen Zuschusses" gefordert. Außerdem forderte das Gremium einen mindestens fünfjährigen Pakt von Land und Städten mit den Theatern, um die notleidenden Schauspielhäuser zu retten. Ebenso mahnen die Intendanten einen "Städterettungsfonds" an zur Entschuldung der kommunalen Haushalte.

In ihrem Papier, das auch vom Bonner Intendanten Klaus Weise und seiner Kölner Kollegin Karin Beier verfasst wurde, beklagen die Theatermacher die "akute Bedrohung der Theaterlandschaft in NRW". Dies sei "ein Ausdruck der bereits laufenden Zerstörung der Städte in ihrer Substanz und damit eine nicht zu unterschätzende Bedrohung der Demokratie."

Mit dem dichten Netz von Stadttheatern habe sich in Deutschland ein einmaliges und höchst lebendiges Weltkulturerbe entwickelt. In den vergangenen Jahren habe es neben dem Repertoire ein enormes Angebot aufgebaut an künstlerisch ausgerichteten Sozialprojekten "gerade für junge Menschen, die tief in die Städte hineinwirken, Impulse geben, Anstöße liefern." Die Intendanten fordern daher die "Verteidigung der deutschen Theaterlandschaft durch die Ernennung zum Weltkulturerbe".

Der seit Jahren vorherrschende Sparzwang habe nun einen Punkt erreicht, "an dem die Einsparpotentiale vieler Theaterhäuser nachprüfbar erschöpft" seien. Die Theater in NRW seien mithin nicht mehr in der Lage, ihre gesellschaftliche Funktion als öffentliche Orte der Kommunikation auszufüllen.

Die Intendanten räumen ein, dass angesichts desaströser öffentlicher Kassen der Kommunalpolitik kein Handlungsspielraum bleibe. Kulturelle Einrichtungen, vom Gesetzgeber als "freiwillige Leistung" eingestuft, blieben oft der einzige Haushaltsbereich, in dem Einsparungen angeblich überhaupt noch möglich seien.

Dem wollen die Intendanten entgegentreten. Schließlich gäben die Theater "im Widerspiel mit den anderen Kultureinrichtungen den Städten ein Gesicht, stemmen sich gegen Verödung und Vereinzelung, weit über das konkrete Spielplanangebot für den Kreis des klassischen Theaterpublikums hinaus."

Ihre Forderung nach Bestandssicherung, die auch und wesentlich an die Länder und den Bund zu richten sei, verstehen sie als "Eintreten für eine spezifische, über lange Jahre erarbeitete Art des Miteinanderlebens in unseren Städten, deren Wegfall für jeden unmittelbar spürbar würde."

In Bonn ist die Kulturförderung zuletzt durch die Streichliste bei den freien Kulturprojekten und die Entscheidung gegen das Festspielhaus in den öffentlichen Fokus geraten. Die Diskussion kreiste dabei vornehmlich um die beiden Pole der unumgänglichen Haushaltskonsolidierung und des Kaputtsparens einer gewachsenen Kulturlandschaft.


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