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Musik – 24. Februar 2014 – Thomas Glahn

Entwicklung zum international führenden Beethoven-Zentrum

Älteste Darstellung des Beethoven-Hauses in der Bonngasse 20, um 1827; Aquatinta-Radierung von Conrad Caspar Rordorf (1800-1847). (Bild: Beethoven-Haus)

Originalhandschrift der 15 Variationen mit einer Fuge Es-Dur op. 35 "Prometheus-Variationen" von Beethoven, 1802. (Bild: Beethoven-Haus)

Brief des Kopisten Ferdinand Wolanek an Beethoven, Wien, zwischen dem 23. und 26. März 1825, mit Anmerkungen und einem Antwortentwurf Beethovens. (Bild: Beethoven-Haus)

Die Rückkehr der Sammlung des Beethoven-Hauses nach dem Ende des 2. Weltkriegs im Mai 1945. (Bild: Beethoven-Haus)

Feier von Beethovens 125. Todestag am 26. März 1952: Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer mit dem damaligen Vorsitzenden des Beethoven-Hauses, Theodor Wildeman, vor der Beethoven-Büste von Naoum Aronson im Garten des Beethoven-Hauses. (Bild: Beethoven-Haus)

„Bewegte und bewegende Geschichte“: Eine neue Sonderausstellung zum 125-jährigen Jubiläum beleuchtet die ereignisreiche Geschichte des Beethoven-Hauses.
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Im Rahmen eines Festakts zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins Beethoven-Haus wird am Montag die neue Sonderausstellung im Geburtshaus Beethovens eröffnet. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der Gründungszeit über die jüngste Vergangenheit bis zu den aktuellen Aktivitäten des Beethoven-Hauses im 21. Jahrhundert.

Zahlreiche Zeitdokumente, die nur selten öffentlich zu sehen sind, vermitteln einen Eindruck von der bewegten Geschichte der Kultureinrichtung. Die Ausstellung wurde von Michael Ladenburger, Leiter des Beethoven-Hauses und Kustos der Sammlung, und Nicole Kämpken, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, konzipiert.


Beethovens Werk lebendig halten

„Die Ausstellung zeichnet eindrucksvoll nach, wie sich das Beethoven-Haus über fünf Generationen zum international führenden Beethoven-Zentrum entwickelt hat“, so Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses. „Wir stehen in einer großen Tradition, und wir stehen in der Verantwortung, Beethovens Leben, Werk und Wirken auch zukünftig lebendig zu halten.“

Schon sehr bald nach seiner Gründung am 24. Februar 1889 durch zwölf angesehene Bonner Bürger – man wollte damit das Geburtshaus Beethovens vor dem drohenden Abriss bewahren –gelang es dem Verein, einen der exponiertesten Vertreter des deutschen Musiklebens der Zeit, den Geiger Joseph Joachim, als äußerst aktiven Ehrenpräsidenten zu gewinnen.

Prominente wie Reichskanzler Fürst Bismarck, Johannes Brahms und Giuseppe Verdi wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Dankschreiben von Brahms und Verdi sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie ein enthusiastischer Bericht des Korrespondenten der New York Daily Tribune.

Der Verein hatte bereits im zweiten Jahr seines Bestehens in Bonn ein erstes Kammermusikfest („a unique affair“) und eine einzigartige Beethoven-Ausstellung organisiert. Viele der damaligen Leihgaben aus Privatbesitz fanden im Laufe der Jahre ihren endgültigen Platz in der Sammlung des Beethoven-Hauses.


Sammlung auf einen Schlag verdoppelt

Einen herausragenden Anteil an der heutigen Qualität und Quantität der Sammlung hatte der Zürcher Hans Conrad Bodmer. Er widmete sein Leben dem Sammeln von Beethoveniana und vermachte seinen gesamten Bestand testamentarisch dem Beethoven-Haus. Damit verdoppelte sich die Sammlung 1956 schlagartig.

Anlässlich des 100. Todestags des Komponisten wurde 1927 das Beethoven-Archiv als wissenschaftliches Forschungs- und Dokumentationsinstitut gegründet. Nachdem alle verfügbaren Dokumente in mühevoller Grundlagenarbeit zusammengetragen worden waren (und weiterhin werden), konnten neue Editionsvorhaben wie die historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke, eine Skizzenausgabe und zahlreiche weitere Projekte in Angriff genommen werden, über die die Ausstellung informiert.

Den zweiten Weltkrieg überstand das Beethoven-Haus als eines von ganz wenigen Häusern in der Bonner Innenstadt nahezu unbeschadet. Die Brandbombe, die der damalige Hausmeister unter Lebensgefahr vom Dach entfernte, originale Filmszenen aus Wochenschau-Berichten sowie Fotos von der Rückholung der ausgelagerten Sammlung führen die damalige Bedrohung vor Augen.

1958 gab der damals bereits legendäre 81-jährige Cellist Pablo Casals gemeinsam mit Sándor Végh und Mieczys?aw Horszowski zwei Konzerte im Beethoven-Haus – nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturpolitisch eine Sensation. Da er das Beethoven-Haus als exterritoriales Gelände betrachtete, war es ihm möglich, hier aufzutreten, obwohl er es ansonsten verweigerte, in Ländern zu konzertieren, die das Franco-Regime tolerierten.

Eine elektronische Animation der Ehrengästebücher des Beethoven-Hauses zeigt ausgewählte Einträge der Prominenz aus Politik und Kultur. Der im Oktober 1999 erfolgte Eintrag des kürzlich verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado, der Ehrenmitglied des Beethoven-Hauses war, wird im Original präsentiert.

Mit der Eröffnung des Kammermusiksaals zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins 1989 konnte das Beethoven-Haus an seine alte kammermusikalische Tradition, die Joseph Joachim 1890 begründet hatte, anknüpfen.


Das digitale Beethoven-Haus

Inzwischen ist das reale Beethoven-Hauses um das „Digitale Beethoven-Haus“ erweitert. Dank des Internets ist die Sammlung für jedermann erreichbar: mit 37.600 hochwertigen Farbscans, 1.600 Audiodateien und 7.600 Textdateien.

Schließlich präsentiert die Ausstellung die in jüngster Vergangenheit gestarteten Aktivitäten des Beethoven-Hauses: von der gerade erfolgreich abgeschlossenen ersten Beethoven-Woche, die ab 2015 jährlich stattfinden soll, über Studienkollegs zur Nachwuchsförderung von Musikwissenschaftlern bis hin zur Mentoring Initiative, die dem Nachwuchs im künstlerischen Bereich einen kulturhistorischen Zugang zu Beethoven ermöglichen will.

Bewegte und bewegende Geschichte. 125 Jahre Beethoven-Haus Bonn – 24. Februar bis 17. August 2014, Beethoven-Haus, Öffnungszeiten: bis 31. März Mo-Sa 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr, ab 1. April Mo-So 10-18 Uhr.

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