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Medien – 03. September 2007 – Anina Valle Thiele
KRITIK

?Das Wunder von Mogadischu?

Die entführte "Landshut". (Foto: ZDF/picture-alliance/dpa)

Daniela Voß als Stewardess Gabi Dillmann.
(Foto: ZDF/Nikolaus Summerer)

Das ZDF startet in dieser Woche mit ?Das Wunder von Mogadischu? eine neue Serie von Dokumentationen ? dramatische Krisendiplomatie vor der Kulisse der ehemaligen Bundeshauptstadt.
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Deutsche Wunder häufen sich besonders in der historischen Retrospektive.
War es vor vier Jahren noch der Kinofilm ?das Wunder von Bern?, der den glorreichen Sieg Deutschlands bei der Fußball-WM 1954 zeigt, so serviert das ZDF pünktlich zur Jährung der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer vor 30 Jahren nun ?das Wunder von Mogadischu?, eine 45-minütige Dokumentation zur Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine Landshut am 13. Oktober 1977.

Die Doku zeigt erstmalig den Zusammenhang zwischen deutscher RAF und der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas), einem radikalen Zweig der palästinensischen PLO. Denn mit der Entführung des Flugzeugs durch vier palästinensische Terroristen sollte die Befreiung der in Stammheim inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe erwirkt werden.

Die ZDF-Produktion beleuchtet jedoch weniger das Geschehen in Stammheim als vielmehr einige der Hintergründe der Flugzeugentführung. Im Mittelpunkt stehen dabei die persönlichen Erfahrungen der einzelnen, bis heute traumatisierten Entführten.

Mithilfe von Zeugenaussagen taucht der Zuschauer in das Geschehen ein und erlebt einen Teil der Beklemmung mit. Es saßen überwiegend Mallorca-Urlauber in der Maschine, die nur ahnen konnten, dass die Entführung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Geschehen in der Bundesrepublik stand.

Die damalige Stewardess Gaby Lutzau und der Co-Pilot der Boeing 737, Jürgen Vietor, berichten von ihren Erinnerungen. Vietor erzählt in einer Episode über den Zorn, den seine Armbanduhr mit einem großen J auf dem Ziffernblatt bei dem Kopf der Entführer hervorrief. Er musste sie vor seinen Augen zertrampeln, weil sie für jüdisch gehalten wurde.

Lutzau setzt sich für die Passagiere ein und appelliert in Mogadischu an die Bundesregierung. Ihr damaliger Freund Rüdiger von Lutzau flog den Sonderbeauftragten Hans-Jürgen Wischnewski nach Somalia und machte seiner Freundin nach der Befreiung einen Heiratsantrag.

Die Filmemacher zeichnen in der Dokumentation das Schicksal der Entführten vor dem Hintergrund der politischen Vorgänge nach und lassen hinter die Kulissen blicken: Zu Tage treten auch bislang unveröffentlichte Informationen über den GSG 9-Einsatz. Zudem erhält der Zuschauer Einblick in bis dato verschlüsselte Dokumente des Auswärtigen Amtes.

So erfährt man, dass ein Funker in Tel Aviv durch Zufall Wind von der streng geheim gehaltenen (GSG 9-)Befreiungs-Aktion bekam, von dort aus verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer, oder dass Bundeskanzler Helmut Schmidt für den Fall des Scheiterns der Aktion seine Rücktrittserklärung bereits vorformuliert in der Schublade hatte. Für das Filmprojekt erstmals freigegebene Dokumente bestätigen, dass während der Entführung sowohl Ost-Berlin als auch Moskau Schritte unternahmen, um der Bonner Regierung zu helfen.

In der Tat glich die Befreiung der Geiseln aus der gekaperten Lufthansa-Maschine durch die Einsatzgruppe GSG 9 einem Wunder. Der Irrflug der Landshut war eine dramatische Odyssee, hatte sie doch bereits fünf Flughäfen angesteuert und war in Aden notgelandet, bevor sie in Mogadischu endgültig zum Stillstand kam. Die Maschine hatte kaum Sprit mehr und die Passagiere waren ausgelaugt und an ihre physischen wie psychischen Grenzen gelangt. Die Befreiungsaktion drohte aufzufliegen und hing an einem seidenen Faden.

Der 45-minütigen Dokumentation gelingt eine recht detaillierte Rekonstruktion der Ereignisse der Flugzeugentführung ? jedoch wenig mehr. Sie speist sich im Wesentlichen aus den subjektiven Erfahrungen der Interviewten nach alt bewährter Machart der ZDF-Produktionen Guido Knopps.

Knopps NS-Doku-Dramen ? stets platziert zur besten Sendezeit ? machten deutsche Fernsehfilmgeschichte der zwiespältigen Art. Sein Stil des ?Historytainment?, eine Vermengung von historischen Informationen und Unterhaltung, ist vor allem unter Historikern umstritten: Historytainment à la Knopp setzt weniger auf Nachdenken, als vielmehr auf Nacherleben und Nachempfinden des Gezeigten. Inwiefern so die kritische Reflexion von Zeitgeschichte befördert wird, ist zumindest fraglich.

Das ZDF setzt seine dreiteilige Reihe fort mit einer Dokumentation zum 11.September, die am entsprechenden Abend (11.9.) ausgestrahlt wird. Die dritte Neu-Produktion zeichnet den Mord an J. F. Kennedy nach und wird am 18.09. gezeigt.

"Das Wunder von Mogadischu", Länge: 45 Min., Autoren: Stefan Brauburger, Oliver Hamburger, Stephan Vogel, Dokumentation, Deutschland, 2007
Sendetermin: Dienstag, 04.09.2007, 20.15-21.00 Uhr, ZDF (VPS 04.09.2007 20:15).

Links: Karl-Heinz Dellwo: Das Projektil sind wir
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