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Klaus Torsy

Der Verlust


„Wenn ich die CDU anseh’, dann bedarf es nur noch eines kleinen Sprühens, sozusagen ... in die gludernde Lot ... in die gludernde Flut, dass wir das schaffen können, und deswegen, ... in die lodernde Flut, wenn ich das sagen darf, meine Damen, meine Herren ...“

Wer hat’s gesagt? Natürlich: Dr. Edmund Stoiber. Am vergangenen Aschermittwoch hat er in seiner als Abschiedsrede apostrophierten und als scharfe-Attacke-wie-in-besten-Zeiten gewerteten Rede in Passau zwar den amerikanischen Präsidenten Bush mit dem ehemaligen Sowjet-Chef Brechnew verwechselt. Aber was ist das schon gegen dieses Statement, das der WDR-Jugendsender EinsLive dankenswerterweise ausgegraben hat.

Der Kabarettist Thomas Freitag hat in den 80er Jahren in einer Parodie Herbert Wehners diesen über den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl sagen lassen, Kohl werfe mit jeder seiner Reden die deutsche Sprache weit hinter die Gebrüder Grimm zurück. Er bezog sich damit auf die typischen und allseits gefürchteten Kohl’schen Sprachbilder wie dem von der „Gnade der späten Geburt“.

Bei einem solch kruden Sprach- und damit Weltverständnis konnte es geschehen, dass sich Kohl mitunter selbst in die Falle ging: Wenn er etwa beim IT-Stichwort „Datenautobahn“ an echte Autobahnen dachte, auf denen echte Lastwagen die ungeheuren Datenmengen von einem Ort zum anderen fahren.

Das Sprachgenie Stoiber stolpert dagegen mehr über die Fallstricke des gesprochenen Wortes. Die Klassiker dieser Serie sind allseits bekannt: Sei es, dass er in der Talkshow auf dem Gipfel des Wahlkampfs Sabine Christiansen mit „Frau Merkel“ anspricht; sei es, dass er die Vorzüge des Transrapid in der ihm eigenen Art zunächst umständlichst erläutert, um sich dann immer tiefer im selbstgebastelten Sprachgestrüpp zu verirren. Da kann es schon mal passieren, dass man in einen Bahnhof einsteigt oder dieser an bayerische Städte heranwächst.

Mit Beginn seiner Abschiedstournee am Aschermittwoch steht fest, dass uns das Ende derartiger Bonmots aus dem Munde Stoibers bevorsteht. Der Öffentlichkeit wenigstens. Seine Lieben daheim und in der Partei sind da besser dran. Und Hand aufs Herz: Wie schwer dieser Verlust wirklich wiegen wird, das wollen wir uns doch noch gar nicht klar machen.

Nur eines scheint festzustehen: Dr. Edmund Stoiber wäre auch am Ende seiner Karriere in der ihm eigenen Art gnadenlos durch jeden Sprachtest zur Einbürgerung gerauscht.


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