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Kulturarbeit - Wolfgang Guting

"Wo sollten wir die Milliönchen herbekommen?"

Kommunalwahl (I): Interview mit der Stadtverordneten Gisela Mengelberg (B90/Die Grünen) zur künftigen Kulturpolitik.


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Gisela Mengelberg
(B90/Die Grünen).

Die Kommunalwahl steht vor der Tür. Was haben die im Bonner Rat vertretenen Parteien und Gruppen in der lokalen Kulturpolitik vor? Was tun sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn und wie ist ihre Stellung zum Festspielhaus?

Kultur-in-Bonn.de hat dazu fünf Fragen formuliert und die Politiker um Stellungnahme gebeten. In den nächsten Wochen veröffentlichen wir jeweils donnerstags hier die Antworten. Den Auftakt macht die Stadtverordnete Gisela Mengelberg, Kultursprecherin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen.


Kultur-in-Bonn.de: Was sind die konkreten Schwerpunkte der lokalen Kulturpolitik Ihrer Partei?

Gisela Mengelberg: Wir Grüne haben uns schon seit Jahren schwerpunktmäßig für Kinder- und Jugendkultur eingesetzt und sehen auch kleine, zarte Schritte für diesen Ansatz in den unterschiedlichsten Kulturinstitutionen dieser Stadt. Es hat angefangen im sogenannten Alternativbereich. Ich selber komme aus der Brotfabrik und habe da schon vor 15 Jahren mit KünstlerInnen zusammen "Dance in education"-Programme entwickelt und durchgeführt. Ich habe mir damals schon gewünscht, dass sich Institutionen, egal, ob sie frei, unfrei, städtisch oder sonst was sind, das auf ihre Fahnen schreiben. Ich bin der Meinung, dass auch KünstlerInnen eine Verantwortung für das Publikum mittragen und habe das mal folgendermaßen ausgedrückt: "Verantwortlich für das Publikum vor und hinter der Theaterrampe." Das heißt: Die Institutionen und KünstlerInnen müssen mit dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche an Kultur herangeführt werden. Genauso sind sie dafür verantwortlich, dass der künstlerische Nachwuchs in Bonn tatsächlich gefördert wird. Was mir auch sehr am Herzen liegt: Wir sind eine internationale Stadt. Bonn hat Gott sei Dank nach Jahren eine Integrationsbeauftragte und ich finde, wir müssen noch sehr, sehr viel tun, damit der Integrationsaspekt, das internationale Bonn, in den unterschiedlichsten Programmen der Kulturinstitutionen auch wirklich seinen Eingang findet, zum Beispiel bei der Einbindung von internationalen KünstlerInnen vor Ort.

Kultur-in-Bonn.de: Was tun Sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn?

Mengelberg: Die Stärkung des Kulturstandortes Bonn muss immer in Verbindung mit dem Stadtmarketing stehen. Das, was Bonn an Kultur zu bieten hat, ist nicht gerade wenig. Dazu gehört natürlich an erster Stelle Bonn als die Geburtsstadt Beethovens. Dazu gehören aber auch die vielen anderen Kulturaktivitäten. Wir haben ja leider die dritte Sparte Tanz hier in Bonn abgeschafft. Ich halte das für eine katastrophale Entwicklung, die ich gerne zurücknehmen möchte. Ich halte das wirklich für einen Riesenfehler. Von daher kämpfe ich sehr darum, dass diese dritte Sparte Tanz wieder ein Teil unseres Theaters Bonn wird. Es gibt viele freie Institutionen hier in Bonn, die sich sehr etabliert haben. Sei es das Theater im Ballsaal, die Brotfabrik oder andere Institutionen. Nicht zu vergessen die Museumsmeile mit der Bundeskunsthalle und unserem Bonner Kunstmuseum. Diese gezielter mit ihren neuen Programmen vorzustellen, würde Bonn als Kulturstandort enorm stärken.

Kultur-in-Bonn.de: Was muss Ihrer Meinung nach konkret zur Förderung freier und alternativer Kulturprojekte vorgenommen werden?

Mengelberg: Ich komme aus dem Bereich und weiß natürlich sehr genau, wo die Defizite liegen. Als Allererstes muss ich sagen, dass im Projekttopf einfach zu wenig Geld für die Förderung der alternativen Projekte vorhanden ist. Alle Parteien sind der Meinung, dass der Projektmitteltopf erhöht werden soll. Und zwar nicht nur für Kinder- und Jugendkulturarbeit, sondern insgesamt für die Künstlerförderung vor Ort. Das ist das Eine. Das Andere ist die Art der Förderung. Da muss viel genauer unter dem Aspekt hingeguckt werden, was für diese Stadt mit ihrer kulturellen Vielfalt zielführend ist. Mir fehlt hier die Transparenz vonseiten der Fachverwaltung, hier konkret des Kulturamtes, die ihre Entscheidungen in Form einer Mitteilungsvorlage dem Kulturausschuss vorlegt. Ich bin der Meinung, dass ein Gremium von Fachleuten mit dem Fachmann des Kulturamtes zusammen über die Projekte entscheiden sollte, so wie es in vielen Städten bereits gehandhabt wird. Das ist eine Uraltforderung von mir und von den Grünen.

Kultur-in-Bonn.de: Wie ist Ihre Stellung zum Festspielhaus?

Mengelberg: Wir hatten jetzt vor Kurzem eine große Veranstaltung zum Festspielhaus. Die Grünen haben ganz klar gesagt: Wir finden es sehr gut, dass die DAXe - es sind ja nicht mehr alle DAXe - sich für Bonn als Beethovenstadt einsetzen. Das Verfahren an sich finde ich sehr problematisch. Im Grunde genommen werden europäische Ausschreibungen umgangen. Es ist überhaupt nicht klar, wie die Finanzierung des laufenden Betriebs erreicht werden soll. Wir Grünen wissen sehr genau, wie unser städtischer Haushalt aussieht. Professor Sander, unser Kämmerer, hat es uns in unserer letzten Ratssitzung sehr deutlich gesagt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Festspielhaus als Hülle da steht - es muss auch bespielt werden - und die Stadt Bonn ohne einen Beitrag dazu auskommt. So wurde uns das Projekt lange verkauft. Inzwischen sickert immer mehr durch, dass etwa ein Betrag von 3 bis 4 Millionen Euro von der Stadt Bonn erwartet wird. Ich weiß nicht, wo das Geld herkommen soll. Übrigens weiß das niemand in dieser Stadt, was ich sehr bedauerlich finde. Aber man plant tüchtig weiter. Das finde ich unverantwortlich. Was bedeutet das für die anderen Organisationen oder Institutionen in der Stadt? Die Oper bricht uns fast zusammen, die Schulen müssen renoviert werden. Ich weiß gar nicht, wo wir diese drei, vier, fünf Milliönchen mal gerade herbekommen sollten, um so einen Betrieb zu finanzieren. Auf dieser Basis kann man diesem Festspielhausgedanken überhaupt nicht zustimmen.


Kultur-in-Bonn.de: Welche kulturelle Veranstaltung haben sie zuletzt in Bonn besucht?

Mengelberg: Ach, das sind ganz viele. Ich bin ein Fan von Klassik und Moderner Musik, von unserem Beethoven-Orchester. Da habe ich diverse Veranstaltungen besucht. Daneben war ich Gast vieler Theater- und Tanzveranstaltungen der Brotfabrik, des Ballsaals und diverser Vernissagen. Ich behaupte, obwohl ich nicht immer Zeit habe, alle Premieren zu besuchen, über einen guten Überblick über alle Bereiche, sei es die sogenannte etablierte Kultur als auch den Alternativbereich, zu verfügen.


Das Interview führte Wolfgang Guting.
Lesen Sie nächste Woche das Interview mit Benedikt Hauser (CDU).

Diskutieren Sie mit: Bonner Kulturpolitiker im Interview

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