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Kabarett - Julia Altenhoff

Voneinander lernen statt zu verurteilen

Sebastian Schnoy war wieder in Bonn. Modernes Kabarett wird von ihm mit einem Geschichtskurs Europas verbunden. Im Haus der Springmaus präsentierte er sein Programm „Hauptsache Europa“.


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Sebastian Schnoy.
(Foto: Marcel Schaar)

Er weiß wovon er spricht. Sebastian Schnoy war selbst in jedem Land in Europa, außer in Albanien, aber da ziehe ihn ja auch nichts hin, wie er meint.

Die anderen europäischen Länder  hat er bereits bereist und kann historisch genauestens dazu erzählen, was er leider aber nicht so oftmacht, wie man vermuten könnte, obwohl er eigentlich Historiker ist.  Zudem kann er  auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz an kleinen Anekdoten mit Europäern zurückblicken, die sehr gerne zum Besten gibt.

Vor allem über Franzosen erfuhren die Zuschauer einiges, da er mit einer Französin liiert ist und er so hautnah das deutsch-französische Verhältnis erlebt.
Er,  „der so deutsch vom Denken her ist, weil beide Elternteile deutsch sind“ ist so ordentlich, so organisiert, wie eigentlich alle Deutschen. Er muss die Gelassenheit und leichte Lebensart seiner Freundin „ertragen“. Sie fährt z.B. einfach schnurstracks auf Behindertenparkplätze, weil nichts anderes frei sei und es doch sowieso niemand anderen interessiere. Da war auch die Geschichte mit dem  Nachbarn der sich darüber aufregte, dass sie unerlaubterweise um Mitternacht ihren Müllsack in seine Mülltonne warf, obwohl sie doch gefälligst ihre Mülltonne hätte. Was sollte sie nur tun?! Mit einem liebreizenden Lächeln und charmantem versichern, sie wisse von nichts bekamen die beiden „Schwerverbrecher“ keinen polizeilichen Warnverweis.

Die Haupteigenschaft der Deutschen, Gewissenhaftigkeit und Organisation, hob der Hamburger Kabarettist  immer wieder hervor, als ob das die einzigen Tugenden der Deutschen wären. 

Schnoy meint sogar, wenn Al Quaida eine deutsche Organisation wäre, wäre sofort klar wo Osama Bin Laden wäre – man bräuchte nur in Listen nachzuschauen, wo alle Namen feinsäuberlich notiert wären. Da waren die Lacher der Zuschauer auf seiner Seite, die im ersten Teil eher verhalten waren.

Sebastian Schnoy gab diese europäischen Ungleichheiten herrlich pointenreich und mit einem Augenzwinkern wieder und der Zuschauer, egal ob deutsch oder ausländisch, kann sich in diesen, zugegebenermaßen manchmal pauschalisierten Beschreibungen, sehr gut widerfinden. Die Stimmung im Publikum stieg mit voranschreitender Zeit immer mehr.

Auch das Verhalten bei Streiks untersuchte Schnoy eingehend. Der Deutsche, der immer so gewissenhaft und „treu“ ist, wurde von dem Kabarettisten aufgefordert auch einmal „Nein“ zu sagen, wenn ihm etwas nicht passe. Im Gegensatz zu den Franzosen sei der Deutsche zu lasch, auch wenn es den  typischen „Warnstreik“ nur in Deutschland gebe. Dazu zog sich der Kabarettist eine echte „Verdi-Tüte“ an und  demonstrierte dann eindrucksvoll mit einer kleinen Trillerpfeife unsere Streiks, die leider kaum wahrgenommen werden. Also bezog er das Publikum mit ein um schon einmal den größeren Aufstand mit Sprechgesängen zu üben. Zusätzlich noch 2 Luftgitarren, mit denen laut zu AC/DC gespielt wurde um vollends aus sich rauszugehen. Da war die Stimmung des kleinen Saals am Siedepunkt.

Es mag vielleicht so klingen, als ob Schnoy die Deutschen nur in ihrer Spezies darstellte. Die weiteren europäischen Staaten wurden im ersten  Teil tatsächlich eher nur angerissen.

In der zweiten  Hälfte bekam aber jedes Land, welches auf der mitgebrachten Europakarte abgebildet war , sein Fett weg. Die Griechen, die einfach Ihre Waschmaschine in den Wald schmeißen und von Umweltgedanken noch nie was gehört haben und so die Waldbrände noch forcieren. Oder die Finnen, bei denen man aufpassen muss, dass sie nicht auf dem Touristenfoto sind, weil sie gerade vom vorherigen günstigen feiern im nahen Tallinn halbnackt ausnüchtern.

Teilweise parodierte er zu viel über das mittlerweile gute deutsch-französische Verhältnis und  hobvor allem die französische Küche in den Himmel (im Vergleich dazu wäre seiner Meinung nach Deutschland ein Lebensmittellager für Katastrophenfälle), auch wenn er dies mit jungenhaftem Charme und  gewitzten Anekdoten, verbunden mit seinem faktenreichen Geschichtsunterricht, präsentierte.

Er möchte mit seinem Programm bewirken, dass die Menschen das vereinte Europa, die Europäische Union, positiv sehen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln – trotz oder gerade wegen der Differenzen der Bevölkerungsgruppen in den einzelnen Länder-

Man kann von diesen vielen Unterschieden voneinander lernen – vom Temperament der Franzosen, der „Alles ist easy – Wozu diskutieren“ –Mentalität der Italiener, der Liberalität der Niederländer oder der drei nordischen Super-Staaten, die, bezogen auf die Bevölkerungsdichte, wie „Fruchtfleisch am Boden hängen“.

Einfach aufeinander zu gehen und das von Europa für sich mitnehmen, was einem angeboten wird. Europäer und ihre jeweiligen Charaktere und Eigenheiten sind sehr unterschiedlich, und das ist gut so. Denn wie wir aus Schnoys Programm  erfuhren, können wir alle davon nur profitieren.

Das aktuelle Buch von Sebastian Schnoy: 
Smørrebrød in Napoli: Ein vergnüglicher Streifzug durch Europa 
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