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Sonstiges - Julia-Rebecca Riedel

Vom Fischerdorf zur Weltausstellung

"Better City - Better Live": Die Expo 2010 findet in Shanghai statt.


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Banner des deutschen Pavillons "Balancity". (Foto: Deutscher Pavillon)

Der deutsche Pavillon im Februar. (Foto: Yovohagrafie)

Wohnviertel in Shanghai.

Die Verbindung zwischen Telefon, Lippenstift und elektrischem Stuhl ist nicht die eifersüchtige Ehefrau, die am Hemdkragen des ahnungslosen Ehemannes nestelnd Lippenstift entdeckt, diesen, indem sie zum Telefonhörer greift, beseitigen lässt – Mann, nicht Lippenstift – und deshalb den elektrischen Stuhl zu erwarten hat. Die Verbindung ist kein Verbrechen, sondern die Neuartigkeit dieser Gegenstände und die Faszination, die bei ihrer Präsentation von ihnen ausging. 1876 wurde bei der Weltausstellung in Philadelphia das Telefon vorgestellt, 1883 in Amsterdam der Lippenstift und in Chicago 1893 der elektrische Stuhl.

Neben der technischen Faszination, die die fortschreitende Industrialisierung auf Gesellschaft und Wirtschaft ausübte, war es wohl auch der Jahrmarktcharakter, das zur Schaustellen des Besonderen in Verbindung mit Vergnügen, das Flanieren zwischen Kuriositäten, das dem Konzept „Weltausstellung“ Beständigkeit verschaffte. Die erste Weltausstellung wurde 1851 von Queen Victoria im Hyde Park, London, eröffnet und vereinte noch alle Aussteller unter einem Dach, dem Crystal Palace, erbaut von Joseph Paxton. Seit der Weltausstellung 1867 in Paris etablierte sich das Konzept der Länderpavilions, das sich bis heute erhalten hat.

Seit 1928 bestimmt das Bureau International de Exhibitions das Gastgeberland der Weltausstellung. Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2010 wird nun schon die 2. Weltausstellung im 21. Jahrhundert in einem asiatischen Land stattfinden. Nach Japan, 2005 in Aichi, ist nun China Gastgeber der Expo, genauer Shanghai.

An den großen Flüssen Chinas, dem Gelben Fluss (Huanghe), dem Langen Fluss (Yangzi) und dem Perlfluss (Zhujiang) bildeten sich früh Siedlungen, die noch heute Basis des urbanen Chinas sind. Der Anteil der Stadtbevölkerung liegt im "Land der Mitte" bei etwa 36 Prozent und damit etwa 20 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt, doch gibt es in China mehr als 170 Millionenstädte. Shanghai: Die „Stadt über dem Meer“ zählt mit mehr als 18 Millionen Einwohnern zu den zehn größten Städten weltweit.

Shanghai als Urban Dream: 1267 im heutigen Stadtteil Puxi gegründet, bis weit ins 19. Jahrhundert nicht mehr als ein günstig gelegenes Fischerdörfchen, avancierte Shanghai ab 1842 – infolge der Opiumkriege von Großbritannien im Vertrag von Nanking zur Öffnung des Handels mit Europa gezwungen – zum Paris des Ostens, zu einem der wichtigsten Marktplätze Südostasiens.

Shanghai ist eine Reise wert, dennoch gehen die inzwischen über 240 ausstellenden Nationen und Organisationen der EXPO 2010 davon aus, dass unter den 70 Millionen zu erwartenden Besuchern nur etwa 3,5 Millionen internationale Gäste sein werden. Das Expo-Gelände zu beiden Seiten des Huanghe erstreckt sich über 5,28 Quadratkilometer. Die Hauptattraktion der Expo 2010 wird die aus Stuttgart stammende Expo-Achse, ein 1000 Meter langer Boulevard mit der weltgrößten Membranstruktur sein.

Die Weltausstellung unter dem Motto „Better City – Better Life“ fokussiert vor allem die städtische Entwicklung und hat mit fünf Pavilions zu den Themen Urban Footprints, Urban Planet, Urban Dwellers, Urban Beings und Urban Dreams beispielgebende Überlegungen zum Lebensraum und zum Lebenstraum „Stadt“ angestellt.

Urban Footprints beschäftigt sich mit dem Wachsen der Städte als Faktor des Fortschrittes in der Geschichte, Urban Planet mit der Frage: Wie in Zukunft leben? Urban Dwellers sieht die Bedürfnisse der Menschen als Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt, Urban Beings widmet sich dem städtischen Organismus, der Infrastruktur. In einem umgebauten Kraftwerk aus dem 20 Jahrhundert wird mit Urban Dreams ein optimistischer Blick in die Zukunft geworfen. „Better City, Better Life“ soll den Wunsch nach einem besseren Leben in den Städten der Zukunft symbolisieren und fordert Konzepte zur nachhaltigen, integrierten Stadtentwicklung. „Better City – Better Life“ ist ein ebenso spannender, wie konfliktreicher Stoff.  Während um 1800 etwa zwei Prozent der Bevölkerung eines Landes in Städten lebte, lebt man heute mehrheitlich urban, Tendenz steigend.

Der Deutsche Pavillon – Balancity – nimmt das EXPO-Motto „Better City – Better Life“ als Reise durch eine Stadt der Ideen auf. Kernaussage ist die Suche nach Gleichgewicht – Balance – und Ausgeglichenheit der unterschiedlichen Gesichter einer Stadt. Vom Hafen in den Stadtpark, von der Fabrik ins Museum. Der Besucher von Balancity bewegt sich in einer realen Stadt durch unterschiedlich inszenierte Stadtträume, zwischen Erneuerung und Restauration.

Expo 2010


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