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Theater - Lea Böttger

Shakespeare-Schock statt Popcorn?

Warum Theater gefährlicher als Kino ist! Ein Blick hinter die Kulissen der Theaterproduktion von “The Roman Actor” der Bonn University Shakespeare Company e.V.


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Szenen aus "The Roman Actor" ... (Foto: BUSC)

... inszeniert von der Bonn University Shakespeare Company e.V. (Foto: BUSC)

(Foto: BUSC)

(Foto: BUSC)

(Foto: BUSC)

Es ist ganz still. Vor ein paar Sekunden wurde noch geflachst und besprochen. Wir sind in einem Raum der Pestalozzi-Schule. Der Boden ist aus grünem Linoleum. Draußen ist es schon dunkel. Auf den Bänken an der Wand liegen Mäntel und Taschen. Alle sehen Lamia an. Ein kräftiger Mann mit dunklen Haaren. Ihm stehen Tränen in den Augen. Er hat gerade gezwungenermaßen seine Scheidung unterschrieben und sieht seine Frau zum letzten Mal, denn Caesar begehrt sie. Wird er sich auflehnen? Gibt es Unterstützer? Wie weit kann Caesar gehen?

Die Konzentration ist greifbar. Ich habe Gänsehaut. Dabei ist es nur die Probe einer vergleichbar harmlosen Szene. Am Ende applaudieren die Anderen und Lamia alias Chris Karpenchuk wischt sich die Lamia-Tränen ab.

„The Roman Actor“ von Philipp Massinger bringt in diesem Winter 18 Laienschauspieler der BUSC (Bonn University Shakespeare Company e. V.) an Samstagen, Sonntagen und diversen anderen Abenden zusammen. Manche kennen sich aus vorangegangenen Produktionen. Die meisten sind befreundet, man trifft sich nicht nur beim Theater. Der Spaßfaktor ist hoch, für Geld machen sie es jedenfalls nicht und viele wollten das auch gar nicht. Laien aus Leidenschaft. Es geht wirklich um Theater, nicht um Geldverdienen. Überlebt wird außerhalb.

Die Inszenierung der BUSC von „The Roman Actor“ unter der Regie von Hendrik Wevers stützt sich auf das Konzept des „Film Noir“. Dieses Filmgenre entstand in der US-Nachkriegszeit und konnte auf „The Roman Actor“ übertragen werden. Im Mittelpunkt steht der Zweifel und Konflikt um die eigene Identität.

 „The Roman Actor“ zählt zu den weniger bekannten Stücken aus der Zeit Shakespeares. Philip Massinger verfasste das Drama 1626 für die „King`s Men“, die Theatertruppe Shakespeares.

Massingers Drama handelt von der Tyrannei und Diktatur des römischen Caesar Domitianus. Diese historische Kulisse bietet Raum für Tragödien und Dramen des Lebens. Gibt es Widerstand gegen Caesar? Wie kann man seinem Wahnsinn entgegentreten? Wer durchbricht die Angst?

Die Themen des „Film Noir“ spiegeln sich in jedem einzelnen Charakter. Die brutale Herrschaft des Domitianus hinterlässt Spuren und stellt die Akteure vor existenzielle Fragen. Auch Caesar selbst verstrickt sich immer tiefer in seine seelischen Abgründe. Die Fragen sind keine harmlosen und das findet man in der Inszenierung wieder. Appetit und Muße für Popcorn wird gar nicht erst auftauchen. Obwohl kein Effekt- oder Schocktheater, sollten Kinder besser nicht im Saal sein. Durch seine emotionale Eindrücklichkeit macht das Drama es dem Zuschauer schwer, nicht innerlich involviert zu werden.

In der Garderobe der Brotfabrik werden Scheinwerfer installiert und Kameraeinstellungen geprobt. Das Licht ist eine schwierige und wichtige Komponente. Vor allem beim Film. Heute wird es wieder unzählige Takes geben, jede Szene wird aus verschiedenen Perspektiven gedreht und immer wieder muss die Konzentration voll da sein. „20 % Talent und 80 % Disziplin“ ist laut Wevers’ Erfahrung die Formel zum qualitativ hochwertigen Schauspiel. Viel Arbeit bleibt trotzdem immer für die Regie. Neben der Konzeption der Charaktere und der Adaption des Stückes gehören zu den Aufgaben des Regisseurs noch die Nachbearbeitung der Filmsequenzen, die Organisation diverser Kleinigkeiten und natürlich die Regiearbeit während der Proben.

Zur Umsetzung seines aktuellen Projektes greift Wevers zu raffiniert eindrücklichen Mitteln. Er verbindet für diese Produktion Film und Theater. Obwohl mittlerweile kein ungewöhnliches Stilmittel mehr, wird hier der Film auf eine ungewohnt spannende Art und Weise zum Einsatz gebracht. Für manchen Schauspieler war auch das ein Anreiz, für „The Roman Actor“ vorzusprechen.

Caesar tobt. Sein Blutdruck steigt deutlich. Man ihn verraten. Sie hat ihn verraten und sich von seinem Schauspieler Paris verführen lassen. Caesar kann es nicht fassen. Er windet sich am Boden und in seinem Blick spiegeln sich Schmerz und Wut. Was ist ihm wichtiger – Macht oder Geliebte? Wie wird er sich entscheiden? Wie wird seine Entscheidung ihn verändern?

Caesar in Trainingshose und Socken steht auf und bespricht sich mit der Regie. Sein Darsteller, Ingo Piess, ist einer der raren Nichtanglisten in der BUSC – er hat Germanistik studiert und arbeitet hier an seiner zweiten großen Rolle. Viel originalsprachlicher Text sei zu lernen, aber Caesar mit all seinem Wahnsinn, dem Machthunger und andererseits den kindischen Seiten sei eine dankbare Rolle. Als Schauspieler ist Einsatz gefragt. Nach einem Vorgespräch mit dem Regisseur, indem der Charakter grundlegend umrissen wird, ist es Aufgabe des Einzelnen, sich tiefergehend mit seinem Charakter zu beschäftigen. Gestik muss entwickelt werden, der Schauspieler muss sich in seinen Charakter hineinversetzen und aus seiner Sicht agieren und reagieren.

Wegen seiner hohen Aktualität durch menschliche Tragik im Mittelpunkt verspricht „The Roman Actor“, trotz eines Alters von fast 400 Jahren und im Englisch des 17. Jahrhunderts verfasst, durch die Inszenierung der BUSC ein spannendes und eindrückliches Theaterereignis zu werden. Wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, wird der Handlung mühelos folgen können. Am 14. Januar 2009 ist Premiere in der Brotfabrik in Beuel.


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