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Kino - Klaus Torsy

Schätze der Stummfilmzeit im Großformat

Beim Bonner Sommerkino kann man auch in diesem Jahr Film-Klassiker in einzigartiger Atmosphäre genießen: Im Arkadenhof der Universität, auf Großbildleinwand und mit Live-Musik.


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Kino im Arkadenhof der Universität. (Foto: Tina Behrendt, Bonn)

Christian Roderburg. (Foto: Nina Mews, Berlin)

Ausgerechnet Wolkenkratzer.

Sabrina Hausmann und ihr Vater Aljosha Zimmermann. (Foto: S. Hausmann)

Chicago.

Günter A. Buchwald. (Foto: Nina Mews, Berlin)

Das Fest des heiligen Jürgen.

Joachim Bärenz. (Foto: Nina Mews, Berlin)

Stephen Horne. (Foto: S. Horne)

Vom 14. bis 24. August ist es wieder soweit: Das Bonner Sommerkino lockt in seiner 24. Auflage mit den Internationalen Stummfilmtagen. Dass sich der Arkadenhof der Universität wieder in ein überdimensionales Kino verwandelt, dafür zeichnet der Förderverein Filmkultur Bonn e. V. verantwortlich.

Und wie in der Vergangenheit auch wird Kino hier zu einem Erlebnis an sich: Die Bilder auf der Großbildleinwand, der Veranstaltungsort, die Live-Musik, das Publikum und nicht zuletzt das Wetter verleihen jeder Vorführung eine eigene Atmosphäre. Um so besser, wenn dann auch noch jeder Film die Zuschauer in seinen Bann zieht – mal mit Slapstick, mal mit großem Drama.

Los geht es in diesem Jahr mit "Girl Shy" (Mädchenscheu, USA 1924) mit Harold Lloyd. Die Musiker des Eröffnungsabends sind Aljoscha Zimmermann (Flügel) und seine Tochter Sabrina Hausmann (Violine).

Weitere Höhepunkte des Festivals: In "Ausgerechnet Wolkenkratzer" zappelt Harold Lloyd an den Zeigern einer Hochhausuhr über einer tiefen Straßenschlucht – eine unvergessene Szene, die bereits vor 85 Jahren die Zuschauer amüsierte. Komisch und religionskritisch zugleich ist der sowjetische Film "Fest des heiligen Jürgen", gesellschaftskritisch und einer der erfolgreichsten Filme der 1920er Jahre war "The big Parade" von King Vidor, der die gerade einmal sieben Jahre zurückliegenden Schrecken des Ersten Weltkriegs auf die Kinoleinwand brachte.

Im Rahmenprogramm der Stummfilmtage gibt es an den beiden Sonntagen Vorträge im Rheinischen Landesmuseum. So spricht Neil Brand am Sonntag, 17. August, um 16.30 Uhr über seine Arbeit als Komponist, Autor, Pianist und Schauspieler: "Neil Brand, the Silent Pianist Speaks". Seit über 20 Jahren begleitet er Stummfilme auf Festivals in aller Welt. Seine Arbeiten für Theater, Radio und Fernsehen wurden mehrfach ausgezeichnet. Bei den Stummfilmtagen in Bonn ist er am Flügel zu hören: Gemeinsam mit Güther A. Buchwald begleitet er den Film "Chicago" (USA 1927).

Wie sehr das Bonner Sommerkino Veranstaltern und Künstlern eine Herzenssache und daher beim Publikum so erfolgreich ist, belegt ein Zitat von Neil Brand: "Ich spielte zum ersten Mal beim Sommerkino in einem völlig verregneten Sommer. Die Aussicht, nicht nur gegen meine eigenen Nerven, sondern auch gegen die Elemente ankämpfen zu müssen, machte mich ziemlich nervös. Aber nach einer halben Stunde blickte ich zum Himmel hinauf und sah, dass die Wolken sich verzogen hatten und die Sterne funkelten. Danach war es einer der seltenen und glücklichen Momente, in denen das Klavier von selbst zu spielen schien."

Und wie auch in der Vergangenheit gilt: Der Eintritt zu allen Vorführungen ist frei, die Veranstaltungen finden bei jedem Wetter statt.

Das Programm des Bonner Sommerkinos 2008 im Überblick:

Arkadenhof der Universität Bonn
Donnerstag, 14.8.
21.00 Uhr

DAS HERZ DER WELT
THE HEART OF THE WORLD
Kanada 2000, Guy Maddin, 6 Min., englische Titel
Tonspur
Vielfach preisgekrönter einfallsreich-fantastischer moderner Stummfilm

MÄDCHENSCHEU
GIRL SHY
USA 1924, Fred C. Newmeyer, Sam Taylor, mit Harold Lloyd, 82 Min.,
englische Titel
Begleitet von Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Rasante Slapstick-Komödie mit Harold Lloyd

Freitag, 15.8.
21.00 Uhr

DIE SPINNEN 1: DER GOLDENE SEE
Deutschland 1919, Fritz Lang, 71 Min., deutsche Titel
Begleitet von Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)

22.30 Uhr
DIE SPINNEN 2: DAS BRILLANTENSCHIFF
Deutschland 1920, Fritz Lang, 100 Min., deutsche Titel
Begleitet von Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Früher Abenteuerfilm von Meisterregisseur Fritz Lang

Samstag, 16.8.
21.00 Uhr

TRÄUME JEDER NACHT
YOGOTO NO YUME
Japan 1933, Mikio Naruse, 64 Min., englische Titel
Begleitet von Joachim Bärenz (Flügel)
Frühes Gesellschaftsdrama des japanischen Regieklassikers

22.30 Uhr
AUSGERECHNET WOLKENKRATZER
SAFETY LAST!
USA 1923, Fred C. Newmeyer, Sam Taylor, mit Harold Lloyd, 73 Min., englische Titel
Begleitet von Joachim Bärenz (Flügel) und Christian Roderburg (Schlagzeug)
Berühmte Slapstick-Komödie mit Harold Lloyd als Fassadenkletterer wider Willen (incl. Titelmotiv der diesjährigen Stummfilmtage).

Sonntag, 17.8.
21.00 Uhr

DAS LEBEN UND LEIDEN JESU
LA VIE ET LA PASSION DE JÉSUS CHRIST
Frankreich 1898, Georges Hatot, Louis Lumière, 11 Min., keine Titel
Begleitet von Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Einer der ersten Jesusfilme

DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN
PRASDNIK SWJATOGO JORGENA
UdSSR 1930, Jakow Protasanow, 102 Min., deutsche Titel
Begleitet von Aljoscha Zimmermann (Flügel) und Sabrina Hausmann (Violine)
Religionskritische sowjetische Komödie.

Montag, 18.8.
21.00 Uhr

DIE GROSSE PARADE
THE BIG PARADE
USA 1925, King Vidor, 143 Min., englische Titel
Begleitet von Neil Brand (Flügel)
Früher Meilenstein des Antikriegsfilms - einer der erfolgreichsten Filme der Stummfilmzeit.

Dienstag, 19.8.
21.00 Uhr

SMOKEY RAUCHT
SMOKEY SMOKES
USA 1920, Gregory LaCava, 6 Min., englische Titel
Begleitet von Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)
Nikotinhaltige Zeichentrickkomödie

CHICAGO
USA 1927, Frank Urson, 117 Min., englische Titel
Begleitet von Neil Brand (Flügel) und Günter A. Buchwald (Violine)
Satirisches Kriminaldrama - Vorlage für den Musicalfilm Chicago (2002).

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