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Ausstellung - Lena Kißmer

Neues von der Bandkeramikerin

Begegnung mit einer Vorfahrin der Rheinländer. Lillith bei den Restauratoren des Landesmuseums Bonn.


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Das Skelett von Lillith. (Foto: Lena Kißmer)

Gabriele Uelsberg, Georg Hartke und Ralf Schmitz begutachten Lillith. (Foto: Lena Kißmer)

Restauratorin Ute Knipprath bei der Arbeit. (Foto: Lena Kißmer)

Lillith aus der Nähe. (Foto: Lena Kißmer)

In friedlicher Schlafposition, mit angewinkelten Beinen liegt ein die Forschung begeisternder „Beleg einer Zeit von vor über 7000 Jahren“ zu Füßen von Gabriele Uelsberg. Die Direktorin des LVR-Landesmuseums Bonn stellt in der Restaurationswerkstatt stolz „Lillith“ vor. Lillith ist die älteste rheinländische Ackerbauerin aus dem jungsteinzeitlichen Düren-Arnoldsweiler. Seit ihrer Bergung im September 2010 genießt sie täglich eine intensive Betreuung und Pflege durch die Bonner Restauratoren, damit sie in nicht allzu ferner Zeit von den Museumsbesuchern dauerhaft als ihre älteste bekannte Vorfahrin bewundert werden kann.

„Wir sprechen hier nicht von einem Ausstellungsstück, sondern von den sterblichen Überresten eines Menschen“, erklärt Ralf Schmitz, Referent für Vorgeschichte, die notwendig hohe Respekterweisung gegenüber dem Skelett aus der Zeit der Bandkeramiker, der ältesten mitteleuropäischen Bauernkultur. „Es sind die drittältesten Skelettreste des Rheinlandes überhaupt, deshalb waren wir auch so aufgeregt“, so Schmitz.

Zuvor befand sich Lillith’s letzte Ruhestätte an einem Platz unterhalb der zukünftigen Trasse der Autobahn 4 bei Arnoldsweiler. Im Sommer 2010 wurde bei archäologischen Ausgrabungen nicht nur Lillith, sondern ein ganzes Gräberfeld mit rund 200 Gräbern samt dem dazugehörigen Dorf von vor 7100 Jahren entdeckt.

Eine so große Zahl an Gräbern spricht schon „für eine Besiedlung, die über mehrere Jahrzehnte Bestand hatte“, erläutert Schmitz. Auch Brunnen sind aufgedeckt worden, aus deren Holzüberbleibseln das Alter der Siedlung recht genau bestimmt werden konnte. Demnach blühte das Dorf in der neolithischen Revolution, das heißt zu der Zeit, in der ein Fortschreiten des Ackerbaus mit gezielter Landnahme zu beobachten ist.

Lillith’s Zeitgenossen, die Bandkeramiker, kamen aus dem Donaugebiet und siedelten sich im Rheinland an. Auch Zeugnisse der namensgebenden typischen Keramikverzierung in linienförmigen Bandmustern konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden. Die vielen zu analysierenden Scherben der „tollen Gefäße“ versprechen der Wissenschaft neue Erkenntnise zu dieser Kunst.

Das Leben zu jener Zeit war „nicht unangenehm“, erzählt Ralf Schmitz und kann sich eine Reise in die Bandkeramikzeit gut vorstellen. Das damals im Vergleich zu heute etwas wärmere Klima begünstigte die Erträge des Ackerbaus. Auch Viehzucht war gut möglich. Also ernährte sich schon die älteste rheinländische Bäuerin von Feldfrüchten und Fleisch.   

„Es wurden mehrere Skelette gefunden, aber das von Lillith war in dem besten Erhaltungszustand“, berichtet Direktorin Gabriele Uelsberg. Trotzdem musste das Skelett zur Sicherheit in einem ganzen Erdblock geborgen werden, der 1,9 Tonnen auf die Waage brachte. Dass es sich bei dem Fund um eine Frau handelt, fand ein Anthropologe anhand bestimmter Schädel- und Beckenknochenmerkmale heraus. Über das Lebensalter ist man sich jedoch noch nicht schlüssig. Gesichert scheint den Restauratoren vor allem die grobe Alterseinschätzung zwischen 18 und 40 Jahren. Plausibel sei aber auch eine engere Eingrenzung von 20 bis 35 Jahren. Mangels Knochensubstanz sind DNA-Untersuchungen jedoch ausgeschlossen.


Restauratorisches Neuland

Lillith fordert einen hohen Einsatz von dem Bonner Restauratoren-Team. Momentan geht es ihr gut und dennoch befindet sie sich in ständiger Bedrohung von der Erdmasse, die sie umgibt. Restaurator Georg Hartke erläutert, dass diese bei zu schneller Austrocknung  immer größere Risse bildet, die das fragile Skelett auseinanderbrechen könnten. Daher setzt das Team nun auf einen sehr langwierigen, behutsamen Trocknungsprozess. Hierbei wird der gesamte Block, von dem schon so viel Erdmasse wie möglich entfernt wurde, unter einer Haube aufbewahrt. Es bedarf einer ständigen Regulierung für die richtige Luftfeuchtigkeit, jedoch parallel hierzu auch einer geeigneten Stabilisierungsmethode.

„Der Ton in der Erdschicht gestattet uns nicht, wässrige Stabilisierungsmittel zwischen die Knochensubstanz einzubringen“, erklärt Ute Knipprath, Leiterin des Teams. Herkömmliche Methoden scheiden daher aus. Doch das Wandeln auf restauratorischem Neuland hat Früchte getragen, denn nun gibt es für Lillith ein speziell entwickeltes festigendes Bindemittel, das sie vor dem Auseinanderbersten retten soll.

Wenn dieses Konservierungskonzept funktioniert, kann die „junge Dame“ vielleicht schon in einem halben Jahr in die Vorgeschichtsabteilung des LVR-Landesmuseums einziehen, meint Ralf Schmitz. Dort gebe es eine schöne Lücke, wo sie zudem auch Gesellschaft von dem ein oder anderen eigenen Vorfahren bekäme. Da ja nicht nur das Skelett gefunden wurde, wird auch „sicherlich eine solche Siedlung“ gezeigt werden, um exemplarisch einen Eindruck von dem Leben der Bandkeramiker zu vermitteln.


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