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Kulturarbeit - Kommentar: Klaus Torsy

Lupenreiner Bankrott

So mutig und richtig die Entscheidung gegen das Festspielhaus war, so desaströs sind die Pläne der Stadtspitze, bei der Förderung der freien Kulturszene zu streichen.


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Noch hatte sich der Pulverdampf nach dem Aus für das Festspielhaus Beethoven nicht verzogen, da knallte es am Donnerstag erneut, nun aber richtig: Kulturdezernent Ludwig Krapf legte seine Sparliste als Vorlage für die Sitzung des Kulturausschusses am Dienstag vor. Demnach stehen zahlreiche Institutionen und gewachsene Strukturen der Kulturstadt Bonn vor dem Aus.

Die Entscheidung, das Projekt Festspielhaus auf Eis zu legen, war mutig und richtig. Jeder weiß, dass ein Bauvorhaben mit einem anvisierten Volumen von 75 Millionen Euro schnell das Doppelte oder gar Dreifache kostet. Dafür aber wären die Sponsoren nicht aufgekommen. Man hätte also vernünftigerweise von vornherein mit einem Bau von, sagen wir, 30 Millionen Euro kalkulieren müssen. Absurd!

Weitere Ungereimtheiten wie das Schicksal der Beethovenhalle und die jährlichen Kosten für den Unterhalt, anfangs auf rund eine Million Euro taxiert, zuletzt irgendwo zwischen vier und sechseinhalb Millionen angesetzt, brachten die Stadtspitze um Jürgen Nimptsch angesichts der Kassenlage dazu, nein zu sagen. Beim Thema Kostenexplosion haben uns übrigens die Kölner mit ihrem Schauspielhaus zuletzt gezeigt, wie man damit umgeht.

Bei Krapfs Streichliste verhält es sich jedoch anders. Sie listet rund 40 Projekte und Einrichtungen der freien Kulturszene auf, die von teilweise drastischen Kürzungen bis hin zum kompletten Verlust der bisherigen Förderung betroffen sind. Würde sie umgesetzt, könnte der Großteil nur eines tun: dichtmachen.

Als Begründung wird auch hier die klamme Haushaltslage angeführt. Außerdem die Angst, dass durch ein Haushaltssicherungskonzept oder gar einen Nothaushalt die Kulturförderung als sogenannte "freiwillige Leistung" insgesamt gefährdet wäre. Also handelt die Verwaltung frei nach dem Prinzip: Unsere Kulturlandschaft lassen wir uns von niemandem zerdeppern, das machen wir schon selbst.

Solle niemand sagen, es gäbe hierzu keine Alternative. Ohne den Gesamthaushalt der Stadt an dieser Stelle zu durchforsten: Die Wahl hat man immer – man muss aber auch wollen. Und am Willen mangelt es offenbar in der Bonner Verwaltung. Denn die Streichliste macht eines klar: Auch die Stadtspitze betrachtet Investitionen in Kultur letzten Endes nur als freiwilliges, nicht notwendiges Engagement.

Tränen schießen einem in die Augen – vor Weinen oder Lachen, man weiß es gar nicht – wenn man sich das angestrebte Einsparvolumen anschaut: Es geht um rund eine Million Euro pro Jahr – insgesamt! Die Entscheidung zum Festspielhaus war keine Bankrotterklärung, diese Sparrechnung ist eine lupenreine.

Eines jedenfalls hat Ludwig Krapf schon jetzt erreicht: Die Bonner sind aufgeschreckt. Und das nicht nur in den betroffenen Einrichtungen, die seit Donnerstag ihren Protest formulieren. Auch die Bürger machen ihrem Unmut Luft. Die auf Facebook ins Leben gerufene Gruppe "Bonn will seine Kultur behalten!!!" mit ihrem charmanten Slogan "City Kills Cultur! Bonn!" verzeichnet nach einem Tag mehr als 500 Mitglieder, Tendenz rasant steigend.

Und so blicken wir gespannt auf Dienstagabend. Dann berät der Kulturausschuss im Stadthaus öffentlich über die Bankrotterklärung der Verwaltung. Man kann nur hoffen, dass die Politik diesem gefährlichen Unsinn einen Riegel vorschiebt. Die Bonner jedenfalls werden ihr auf die Finger sehen.



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