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Theater - Christiane Wiegand
Lasst euch überraschen!
Im Schauspielprogramm der Spielzeit 2010/11 treffen am Theater Bonn erneut Dramenklassiker und modernes Theater aufeinander. Auch zwei Auftragswerke stehen auf dem Spielplan.
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Ein Theaterspielplan ist nicht bloß die Summe seiner Teile. Er bedürfe, so Generalintendant Klaus Weise, vielmehr einer abstrakten Architektur, einer Gesamtstruktur und eines durchdachten Konzepts, um zu funktionieren und zu überzeugen. So steht die Beschäftigung mit den Unterdrückten, den gesellschaftlichen Außenseitern, den unbequemen Idealisten und Nonkonformisten in der kommenden Spielzeit im Zentrum des Schauspielprogramms des Theater Bonn.
Den Anfang macht Sophokles „Antigone“ in einer Inszenierung des jungen Regisseurs Jan Stephan Schmieding, der zuletzt mit beträchtlichem Erfolg Fritz Katers „Heaven (zu tristan)“ in der Werkstatt auf die Bühne brachte. Mit „Antigone“ setzt das Theater Bonn nach „Ion oder Der neue Sohn“ seine Beschäftigung mit der Antike fort. Premiere ist am 17. September in der Halle Beuel.
Nach Schillers „Don Karlos“ und der Uraufführung von Lothar Kittsteins „Haus des Friedens“ inszeniert Stefan Heiseke in der kommenden Spielzeit Heinrich von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“. Wie Sophokles' Antigone, so widersetzt sich auch der Prinz von Homburg den Konventionen seiner Zeit und Gesellschaft; wie Antigone ist auch Homburg in seinem ausgeprägten Streben nach Gerechtigkeit, seinem emotionalen Idealismus und Individualismus ein Außenseiter. Heisekes Neuinszenierung des Kleistschen Dramas feiert am 24. September in den Kammerspielen Premiere.
Ab dem 22. September ist Gotthold Ephraim Lessings letztes Drama „Nathan der Weise“ in der Werkstatt zu sehen. Franziska Marie Gramss inszeniert die Geschichte um Toleranz, Freiheit und Wahrheit in der Religion, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
Im Anschluss an die drei Klassiker zu Beginn der Spielzeit gastiert am 7. und 8. Oktober mit Alain Platels „Gardenia“ eine ungewöhnliche moderne Produktion in den Godesberger Kammerspielen. In dem in Kooperation mit Les Ballets C de la B entstandenen Stück erforscht Platel den Grenzbereich zwischen Schauspiel und Tanz. Mehrere Schauspieler und ein Tänzer stehen mit alternden Transsexuellen in einer Performance um Hoffnung, Illusion und das Älterwerden auf der Bühne
Nach einem nur bedingt erfolgreichen Abstecher nach Beuel in der laufenden Spielzeit, ist das traditionelle Familienstück in der kommenden Spielzeit wieder in den Kammerspielen zu sehen. In einer Inszenierung von Frank Heuel feiert eine Bühnenfassung von Erich Kästners Kinderbuchklassiker „Pünktchen und Anton“ am 6. November in Bad Godesberg Premiere.
In Kooperation mit dem Théâtre National du Luxembourg entsteht eine Inszenierung von Henrik Ibsense „Hedda Gabler“. Regie führt Klaus Weise, Premiere ist am 13. November, ebenfalls in den Kammerspielen.
Unter dem (Arbeits-)Titel „Lasst euch überraschen“ steht ab dem 3. Dezember pünktlich zur Adventszeit ein Weihnachtsstück von Sibylle Berg in Bad Godesberg auf dem Programm. Die niederländische Regisseurin Maaike van Langen inszeniert das Auftragswerk der Autorin, die zuletzt mit den „Goldenen Letzten Jahren“ in Bonn Erfolge feierte. Van Langen dürfte dem Bonner Publikum durch ihre Inszenierung von Ibsens „John Gabriel Borkman“ in Erinnerung geblieben sein.
Nach „In Marmor“ präsentiert Generalintendant Weise mit Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ auch in der kommenden Spielzeit eine deutschsprachige Erstaufführung eines zeitgenössischen Stücks. Die verworrene Familiengeschichte, die sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckt, hat am 10. Dezember in der Halle Beuel Premiere.
Neben Sibylle Berg schreibt auch Lothar Kittstein ein neues Stück für das Theater Bonn. Zuletzt beschäftigte er sich in „Haus des Friedens“ mit deutschen Soldaten im Auslandseinsatz. Worum es in seinem neuen Stück gehen wird, ist noch nicht bekannt. Fest steht jedoch der Termin der Premiere: das Auftragswerk wird am 26. Januar 2011 in der Werkstatt uraufgeführt.
Nachdem sie in der laufenden Spielzeit mit „Das Mädchen“ neue Formen des schauspielerischen Ausdrucks erprobten, gastieren Richard Maxwell und seine New York City Players auch in der kommenden Spielzeit wieder in Bonn. Am 28. Januar präsentiert Maxwell in Beuel mit „Ode to the Man Who Kneels“ eine Geschichte aus dem wilden Westen mit musikalischer Untermalung.
Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ feiert am 5. Februar 2011 in den Kammerspielen Premiere. Wer für die Inszenierung verantwortlich zeichnen wird, steht jedoch noch nicht fest.
Johannes Lepper beschäftigt sich im März in den Kammerspielen mit Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“. Lepper, der in der Vergangenheit bereits als Schauspieler auf der Bühne des Bonner Theaters stand, arbeitet seit 1993 als Regisseur und war unter anderem Intendant am Schlosstheater Moers und am Theater Oberhausen.
Mit Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wienerwald“ übernimmt Klaus Weise im April eine dritte Schauspielinszenierung. Horváths 1931 uraufgeführtes brutal-realistisches „Volksstück“ hat am 1. April in der Halle Beuel Premiere.
Nach Alban Bergs Oper „Lulu“ ist in der kommenden Spielzeit Frank Wedekinds der Oper zugrunde liegendes Drama gleichen Namens zu sehen. Markus Dietz inszenierte zuletzt Mozarts „Entführung aus dem Serail“ im Opernhaus und nimmt sich in der kommenden Spielzeit Wedekinds Femme fatale an. Premiere ist am 27. März in den Kammerspielen.
Als letzte Premiere der Spielzeit 2010/11 ist am 15. Juni „Eine Familie“ von Tracy Letts zu sehen. Mit dem Drama um einen alkoholsüchtigen Vater, eine tablettenabhängige Mutter und ihre drei Töchter schließt Regisseur Ingo Berk seine Trilogie amerikanischer Familiengeschichten ab. Zuvor inszenierte Berk in Bonn bereits O'Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ und in der laufenden Spielzeit Tennessee Williams' „Katze auf dem heißen Blechdach“.
Berks „Katze“ wird in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen, ebenso Klaus Weises Inszenierung von Marina Carrs „In Marmor“, David Mouchtar-Samorais Interpretation von Tankred Dorsts „Merlin oder Das wüste Land“ und Molières „Geiziger“ in der Inszenierung von Patricia Benecke. Auch Peter Handkes „Kaspar“ unter Regie von Alexander Riemenschneider und Jens Kerbels Inszenierung der deutschsprachigen Erstaufführung von Polly Stenhams „That Face – Szenen einer Familie“ werden 2010/11 wieder zu sehen sein.
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