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Ausstellung - Jeanette Franza

Kunst im Austausch der Kontinente

"Ein Teil unserer Geschichte": Die Bundeskunsthalle zeigt moderne Kunst aus Lateinamerika.


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Ubi Bava: Circulos Estático-Dynâmicos (Zirkel Statisch Dynamisch), 1955, Öl auf Leinwand. (Foto: Romulo Fialdini, Courtesy Paulo Kuczynski and The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Annemarie Heinrich: Paralelas (Pinacoteca de Munich) (Parallelen – Die Pinakothek in München), 1954, Vintage, Gelatinesilberprint. (Courtesy Alicia y Ricardo Sanguinetti and The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Martín Blaszko: El Gran Ritmo (Großer Rhythmus), 1949, Öl auf Pappe. (Foto: Oriol Tarridas, Courtesy the artist and The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Carmen Herrera: Untitled (Red and White), Ohne Titel (Rot und Weiß), 1966, Öl auf Leinwand. (Foto: Oriol Tarridas, Courtesy The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Annemarie Heinrich: Brasilia, 1954, Vintage, Gelatinesilberprint. (Courtesy Alicia y Ricardo Sanguinetti and The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Hélio Oiticica: Metaesquema, no. 225 (Metaschema, Nr. 225), 1957, Gouache auf Karton. (Foto: Oriol Tarridas, Courtesy Projeto Hélio Oiticica, Rio de Janeiro, Brazil and The Cisneros Fontanals Art Foundation)

Weg einer Anekdote, Kanten, Schwarz und Weiß- so lauten die deutschen Übersetzungen der Titel einiger abstrakter Kunstwerke, wie sie zurzeit im Rahmen der Ausstellung „Vibración“ in der Kunst- und Ausstellungshalle präsentiert werden. Die Schöpfer dieser Werke – Tomás Maldonado, José Yalenti und Hércules Barsotti – sind hierzulande weitestgehend unbekannt. Denkt man an lateinamerikanische Kunst, fallen einem statt abstrakt arbeitenden Künstlern zunächst eher indianische Landschaftsbilder oder Künstler des Surrealismus ein.

„Lateinamerika ist für uns ein Wirkungsraum, der noch zu entdecken ist“, so Robert Fleck, Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle. Der Besucher soll mit über 200 Werken der Malerei, Skulptur, Zeichnung und Fotografie einen direkten Zugang zur modernen lateinamerikanischen Kunst bekommen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Argentinien, Brasilien, Uruguay und Venezuela.

Die abstrakte Kunst Lateinamerikas entstand in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, in einer Zeit, die durch Umbrüche und Umwandlungen, bedingt durch die voranschreitende Modernisierung Lateinamerikas geprägt war. Eine wichtige Bedeutung kommt vor diesem Hintergrund dem Thema „Stadt“ zu, die der abstrakt arbeitende lateinamerikanische Künstler als einen Ort neuer Formen visueller Erfahrungen betrachtet, erklärt Ausstellungskurator Juan Ledezma. Die Kunstrichtung fordert als Schule des Neuen Sehens eine neuartige Wahrnehmung der Wirklichkeit durch Struktur, Farbe, Form und Rhythmus.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Ella-Fontanals-Cisneros-Collection. Ella Fontanals-Cisneros begann in den 70er Jahren, auf Reisen durch Lateinamerika abstrakte Kunst zu sammeln. Später erweiterte sie ihre auf Malerei beschränkte Sammlung um abstrakte Fotographie.

Im Jahr 2003 gründete sie die gleichnamige Stiftung in Miami. Diese hat den Auftrag, zeitgenössische Künstler aus Lateinamerika durch finanzielle Beihilfen zu unterstützen. Zudem werden die Werke regelmäßig an Museen verliehen. Wenn Ella Fontanals-Cisneros von ihrer Sammlung spricht, zeigt sie sich sichtlich gerührt: „Auf meinen Reisen habe ich gemerkt, dass Kunst Teil unseres täglichen Lebens ist. Kunst vereint die Welt in einer neuen Weise.“

Dies trifft insbesondere auf lateinamerikanische Kunst des 20. Jahrhunderts zu, als sie in vielfältiger Weise europäischem Einfluss ausgesetzt war. „Obwohl viele die Namen der Künstler nicht kennen, kommt ihnen die abstrakte Kunst Lateinamerikas sehr vertraut vor“, schildert Ausstellungsleiterin Agnieszka Lulinska ihre Eindrücke über die Rezeption der Werke. „Das liegt an dem Einfluss europäischer Kunstbewegungen, die diese Kunstrichtung erfahren hat.“

Im Rahmen der Ausstellung kommt insbesondere dem Einfluss der europäischen Künstler Bedeutung zu, die zur Zeit des Nationalsozialismus nach Lateinamerika emigrierten. Mit der Bildhauerin Gertrud Goldschmidt, der Malerin Mira Schendel und der Fotografin Grete Stern werden exemplarisch die Werke dreier jüdischer Emigrantinnen vorgestellt, die sich in ihrer neuen Heimat integrierten und dort erfolgreich künstlerisch tätig waren.

Den Austausch zwischen den Kontinenten darzustellen, ist eines der wichtigsten Anliegen der Ausstellung. „Wir unterstreichen mit diesen drei Darstellungen den Anteil der deutschen Künstler im Rahmen der Ausstellung“, erklärt Fleck, “es ist ein Teil unserer Geschichte, die wir hier sehen.“

VIBRACIÓN. Moderne Kunst aus Lateinamerika. The Ella Fontanals-Cisneros Collection, bis 30.Januar 2011, Kunst- und Ausstellungshalle, Begleitbuch 7,90 Euro.


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