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Theater, Musik - Christiane Wiegand
Kultur als Bürgerrecht
Die Spielzeit 2010/11 wartet in der Oper mit einer Mischung aus Altbewährtem, vielversprechenden Gastspielen und einigen interessanten Experimenten auf.
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Der Bonner Bürger, so Klaus Weise bei der Programmvorstellung der Oper, habe ein Anrecht auf ganzjährliche kulturelle Versorgung. Diese will der Generalintendant des Theater Bonn trotz des omnipräsenten Sparzwangs auch in der kommende Spielzeit 2010/11 sichern. Dass dabei nicht nur einige wenige Events mit prominenten Gästen, sondern ein kontinuierlicher Spielbetrieb mit Mitgliedern des eigenen Ensembles im Vordergrund steht, liegt ihm besonders am Herzen, denn mit jährlich rund 180 Veranstaltungen sei beispielsweise das Bonner Opernhaus längst nicht optimal ausgelastet. Angesichts der Diskussion um die Schaffung einer weiteren Spielstätte Beethoven-Festspielhaus bezweifelte der bekennende Festspielhausgegner Weise allerdings, dass sich daran in der kommenden Spielzeit etwas ändern werde.
Mit sieben Premieren im Opernhaus, der deutschen Erstaufführung eines neuen Auftragswerks in der Reihe bonn chance!, zwei Premieren im Bereich Kinder- und Jugendoper sowie zahlreichen Konzerten und Gastspielen hochkarätiger internationaler Tanzcompagnien will Weise auch in der Spielzeit 2010/11 gegen das Abrutschen seines Hauses ins kulturpolitische Abseits ankämpfen. Auch die erfolgreiche Reihe „Quatsch keine Oper!“ wird mit alten Bekannter und neuen Gesichtern fortgesetzt.
Den Auftakt der neuen Spielzeit markiert nach dem traditionellen Theaterfest am 19. September die Premiere von Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ am 26. September. Der rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete inszenierte an der Bonner Oper bereits mit großem Erfolg Werke wie „Lucia di Lammermoor“, „Satyagraha“ oder „A Midsummer Night's Dream“ und nimmt sich nun der Geschichte um die schöne aber grausame Prinzessin Turandot und den Prinzen Calaf an. In der gesanglich enorm fordernden Titelpartie wird die britische Sopranistin Rachael Tovey zu sehen und zu hören sein.
Mut zum Experiment beweist das Theater Bonn auch in der kommenden Spielzeit. Nach seiner gefeierten Wiederentdeckung von Eugene D'Alberts "Golem" in der laufenden Spielzeit, nimmt Generalmusikdirektor Stefan Blunier mit Franz Schrekers "Irrelohe" eine weitere musikalische Rarität ins Programm. Premiere der selten gespielten Oper unter Regie von Klaus Weise ist am 7. November.
Am 5. Dezember steht dann einer der Dauerbrenner der Operngeschichte auf dem Programm: “Carmen“ von Georges Bizet . Nach seiner Inszenierung der bonn chance! Produktion „Des Landes verwiesen“ inszeniert der junge Regisseur Florian Lutz nun erstmals eine Produktion im Opernhaus. Die Titelpartie ist mit Susanne Blattert und Anjara I. Bartz mit zwei langjährigen Mitgliedern des Bonner Ensembles besetzt. In der Rolle des Don José alternieren George Oniani und Mirko Roschkowski.
Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“ kehrt Philipp Himmelmann mit Georg Friedrich Händels „Tamerlano“ an die Bonner Oper zurück. Premiere ist am 27. Februar. In der Titelpartie ist Mariselle Martinez zu sehen, der international erfolgreiche Countertenor Antonio Giovannini gibt den Andronico.
Mit Antonín Dvořáks Märchenoper „Rusalka“ steht neben der Wiederaufnahme der „Liebe zu den drei Orangen“ ab dem 3. April eine weitere Familienoper auf dem Programm. Kinder- und familienfreundliche Nachmittagsvorstellungen sollen vor allem junge Theaterbesucher und ihre Eltern ins Opernhaus locken.
Für das jüngste Publikum ab drei Jahren ist Gennadi Gladkows „Himmelblauer Welpe“ gedacht, eine Geschichte aus dem Tierreich, in der es um die Entdeckung der eigenen Individualität geht. Nach der „Chinesischen Nachtigall“ präsentiert der Vorchor des Theater Bonn unter der Leitung von Ekaterina Klewitz seine zweite Produktion im Foyer des Opernhauses. Die Premiere findet am 20. November statt.
Neben den Wiederaufnahmen von Judith Weirs „Die schwarze Spinne“ und Grigori Frids Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“, feiert mit Karl Jenkins „Eloise“ im Sommer 2011 eine weitere Kinder- und Jugendoper im Beueler Malersaal Premiere. Außerdem wird die erfolgreiche Kinderkonzertreihe „Professor Florestan und Maestro Eusebius packen aus“ fortgesetzt. Am 16. Januar steht dort die Musik Joseph Haydns im Mittelpunkt.
Die Zeiten des Sparzwangs sind auch die Zeiten der Theaterkooperationen. In Zusammenarbeit mit dem Theater Chemnitz inszeniert Dietrich Hilsdorf Albert Lortzings "Wildschütz". Hilsdorf dürfte dem Bonner Publikum durch seine umjubelten Händel-Inszenierungen und zuletzt durch „La Bohème“ in guter Erinnerung geblieben sein. Premiere des "Wildschütz" ist am 8. Mai im Opernhaus. Im Austausch wird in Chemnitz die Bonner „Bohème“ zu sehen sein.
In Kooperation mit dem Theater Luzern entsteht für die experimentelle Musiktheaterreihe bonn chance! ein Auftragswerk des Komponisten Georg Graewe. In "Barbara Strozzi oder Die Avantagarde der Liebe" beschäftigt er sich mit einer Sängerin, Komponistin und Kurtisane aus dem 17. Jahrhundert. Das musikalisches Kammerspiel für eine Sopranistin und drei Männerstimmen ist bereits in dieser Spielzeit in Luzern zu sehen.
Als letzte Opernpremiere der Spielzeit ist ab dem 3. Juli Bellinis „La Sonnambula“ in einer Inszenierung von Roland Schwab zu sehen. In der Rolle der Amina ist neben der preisgekrönten Sopranistin Julia Novikova mit Emiliya Ivanova ein neues Bonner Ensemblemitglied zu erleben.
Wieder aufgenommen werden 2010/11 außerdem Leoš Janáčeks „Katja Kabanowa“, Mozarts „Don Giovanni“ und pünktlich zur Weihnachtszeit Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“.
Tanzcompagnien aus der ganzen Welt sind im Rahmen der Reihe „Highlights des Internationalen Tanzes“ auch in der kommenden Spielzeit in Bonn zu Gast. Das Atlantic Ballet Theatre of Canada beschäftigt sich zu Beginn der Spielzeit mit Beethovens Fidelio, die Compagnie Jant-Bi aus dem Senegal tanzt in ihrer Produktion „Waxtaan“ im Januar zu Live-Percussionrhythmen und das Bayerische Staatsballett München präsentiert im Sommer 2011 Mats Eks Choreographie zu Adolphe Adams „Giselle“.
In der Reihe „Quatsch keine Oper!“ darf sich das Bonner Publikum auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Volker Pispers und Hagen Rether, aber auch auf neue Gesichter freuen. Am 2. Oktober gastiert Gayle Tufts mit Orchester in Bonn, am 12. November ist Katharina Thalbachs musikalisch-humoristisches Kammerspiel „Zwei auf einer Bank“ zu sehen und am 11. Februar geht es bei Marlene Jaschke dem Wagnerschen „Ring des Nibelungen“ an den Kragen.
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