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Kulturarbeit - Wolfgang Guting

"Kein Abbau der sonstigen Kultureinrichtungen"

Kommunalwahl (IV): Interview mit Barbara Wrany, kulturpolitische Sprecherin der FDP, zur künftigen Kulturpolitik.


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Barbara Wrany (FDP)

Die Kommunalwahl steht vor der Tür. Was haben die im Bonner Rat vertretenen Parteien und Gruppen in der lokalen Kulturpolitik vor? Was tun sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn und wie ist ihre Stellung zum Festspielhaus?  

Kultur-in-Bonn.de hat dazu fünf Fragen formuliert und die Politiker um Stellungnahme gebeten. In den nächsten Wochen veröffentlichen wir jeweils donnerstags hier die Antworten. Diese Woche beantwortet Barbara Wrany, kulturpolitische Sprecherin der FDP, die Fragen.



Kultur-in-Bonn.de: Was sind die konkreten Schwerpunkte der lokalen Kulturpolitik Ihrer Partei?

Barbara Wrany: Unser vorrangiges Ziel ist ganz eindeutig, die Kulturarbeit für Kinder und Jugendliche zu intensivieren. Da fordern wir pädagogische Konzepte und die Weiterentwicklung der Konzepte in den Museen, im Theater oder beim Beethovenfest. Dazu gehört natürlich auch das internationale Bonn, was bisher noch nicht so einbezogen worden ist. Es gehört auch ein Erlernen des verantwortlichen Umgangs mit Medien dazu, damit man die Kinder und Jugendlichen in die wirkliche Kulturarbeit hineinholt. Wir fordern auch eine Konzeption der städtischen Kultureinrichtungen für die Arbeit in den Ganztagsschulen. Wir meinen, dass die Information für Kinder erleichtert werden muss, dass ein wirklich guter Kinder- und Jugendkalender vorhanden ist. Der wird von der Stadt zwar im Internet angeboten, aber es wäre sicherlich auch gut, den schriftlich in der Hand zu haben. Wir fordern weiter, dass in den städtischen Museen der Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren kostenlos ist. Einen entsprechenden Antrag haben wir gestellt. Wir meinen, dass jeder Euro, der für Kinder und Jugendliche in der Kultur eingesetzt wird, eine Investition für die Zukunft ist. Sie sind unsere zukünftigen Besucher in den Galerien, in den Museen, in den Theatern. Das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist der, dass der Bildungsanspruch, den wir auch haben, damit erfüllt wird.

Kultur-in-Bonn.de: Was tun Sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn?

Barbara Wrany: Wir haben in der letzten Legislaturperiode zahlreiche Anträge und Anfragen gestellt. Das fing mit den baulichen Veränderungen der Beethovenhalle als Konzertsaal an, dann aber auch zum Kunstmuseum oder zum 100-jährigen Jubiläum des Beethoven-Orchesters. Insgesamt haben wir in der Legislaturperiode 27 Anträge und Anfragen gestellt. Wir haben auch bei der Beratung zur Umstrukturierung der Kammerspiele sehr intensiv eigene Vorschläge zur ihrer Rettung eingebracht. Der Vorschlag zum Beispiel, dort En-suite-Theater zu spielen, um den ständigen Transport der Kulissen von Beuel zu vermindern, kam von uns. Wir haben auch Anträge zu unserem Kunstmuseum gestellt, das bei den anderen großen Museen hier immer noch ein bisschen untergeht. Wir haben ein hervorragendes Kunstmuseum, wir haben eine phantastische Sammlung. Das muss den Bürgern der Stadt Bonn noch verstärkt bewusst werden. Sie müssen sich noch verstärkt damit identifizieren. Diese Themen kann man nicht immer in Anträge fassen. Sie sind Gegenstand, wenn man Gespräche mit den Leitern führt: Wie kann man noch mehr Besucher anziehen? Wie erreicht an das? Da ich eine leidenschaftliche Theatergängerin und Musikliebhaberin bin und auch häufig die Museen besuche, bringe ich mich da natürlich richtig ein, auch mit Gesprächen.

Kultur-in-Bonn.de: Was muss Ihrer Meinung nach konkret zur Förderung freier und alternativer Kulturprojekte vorgenommen werden?

Barbara Wrany: Hier ist wichtig, dass keine weiteren Kürzungen erfolgen. Wenn Kürzungen erfolgen, darf das nicht nach dem Rasenmäherprinzip erfolgen, sondern nach der Leistung. Wir meinen auch, dass leicht verstärkt auf Projektförderung umgestellt werden muss. Wenn man schon sagt, irgendwo muss Geld gespart werden, muss das nach Qualität gehen. Die Projektmittel sollten nach unserer Ansicht erhöht werden, solange wir Geld haben. Die freien alternativen Kulturprojekte, dazu gehören natürlich auch die ganzen Privattheater, sind eine Ergänzung zu unseren städtischen Einrichtungen. Das ist in anderen Städten auch so. Aber gerade in Bonn haben wir eine sehr lebhafte alternative Kulturszene, die das interessante Kulturbild hier ausmacht. Es gibt ein ganz bestimmtes Publikum, das vielleicht nur in die kleinen Theater geht, in die Zimmertheater. Ich persönlich bin zum Beispiel ein großer Förderer vom Eurotheater. Diese Zuschauer kann man natürlich auch in die großen Theater bringen. Aber wir sollen da nicht arrogant sein, auch die freien Gruppen tragen genauso zum Kulturleben bei, wie die großen Einrichtungen.

Kultur-in-Bonn.de: Wie ist Ihre Stellung zum Festspielhaus?

Barbara Wrany: Die FDP sieht es als unverzichtbare Aufgabe, das musikalische Erbe von Beethoven zu pflegen und auszubauen. Wir haben das einmalige Glück, die einzige Beethovenstadt in Deutschland zu sein, weil Bonn eben die Geburtsstadt ist. Darüber sollten wir eigentlich sehr glücklich sein. Auch in früheren Jahren war Musik für die Bürger in Bonn etwas ganz Wichtiges. Hierher kamen ganz berühmte Dirigenten. Zur Pflege von Beethovens Erbe gehören natürlich auch die internationalen Beethovenfeste und ein akustisch gutes Konzerthaus dazu. Die FDP bekennt sich voll und ganz zu dem Festspielhaus. Wir sollten schon dankbar sein, dass das Festspielhaus uns von den DAX-Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Es muss allerdings so sein, dass ganz klar ein Konzept vorliegt und dass auch die wirtschaftlichen Auswirkungen für die folgenden Jahre festgelegt werden. Das Festspielhaus muss noch verstärkt von Bund und Land gefördert werden. Beethoven ist eine nationale Aufgabe, nicht nur eine Bonner Aufgabe. Diese Fragen müssen möglichst schnell geklärt werden. Wir können nicht länger hin und her überlegen und sagen, wir bekommen ein Festspielhaus, wissen aber eigentlich nicht, was drin ist. Es muss ganz eindeutig die Heimstatt des Beethovenorchesters sein. Das Beethovenorchester ist unser A und O in Bonn. Wenn das Festspielhaus gebaut ist, darf es keinen Abbau der sonstigen Kultureinrichtungen in Bonn geben. Ganz wichtig ist natürlich das internationale Beethovenfest, das auch dort stattfindet, und es sollte dann eine Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Oper geben. Ich finde, dass das Festspielhaus an der richtigen Stelle geplant ist. Ich will mich nicht zu der Diskussion "Abriss und welches Modell jetzt nun das richtige und das schönste ist" äußern. Das bestimmen zum großen Teil ja doch die DAX-Unternehmen. Wichtig ist, dass der andere Kulturbetrieb nicht gekürzt werden darf. Denn Festspielhaus und unser sonstiges Kulturleben sind eine Einheit. Wir sollten auch nicht den Vergleich mit Salzburg oder mit Bayreuth suchen. Jede Stadt hat ihre eigene Atmosphäre, ihre eigene Stellung. Es ist einfach wichtig, dass wir Beethoven weiter pflegen.

Kultur-in-Bonn.de: Welche kulturelle Veranstaltung haben sie zuletzt in Bonn besucht?

Barbara Wrany: Wir haben hier eine Universität mit einem sehr, sehr aktiven kulturellen Engagement, mit sehr schönen Konzerten. Seltsamerweise sieht man da ein ganz anderes Publikum. Viele junge Menschen, die wir vielleicht noch in die anderen Häuser bringen müssen. Meine letzte besuchte Veranstaltung war in der Uni. Das war eine konzertante Aufführung von Glucks "Orpheus und Euridike".


Das Interview führte Wolfgang Guting. 
Lesen Sie nächste Woche das Interview mit Bärbel Richter, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und stellvertretende Fraktionsvorsitzende.


Diskutieren Sie mit: Bonner Kulturpolitiker im Interview


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