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Sonstiges - Klaus Torsy

Gedenken an die Opfer des November-Pogroms

"Erinnere dich und halte das Gedenken lebendig" – In Bonn, Beuel und Bad Godesberg finden zahlreiche öffentliche Gedenkveranstaltungen statt.


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Die Synagoge (re.) am heutigen Erzbergerufer.
(Fotos: Presseamt)

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Die brennende Synagoge.

Siebzig Jahre ist es inzwischen her, dass am Vormittag des 10. November 1938 die alte Bonner Synagoge in der ehemaligen Tempelstraße am Rheinufer in Flammen aufging. Sie war eine von insgesamt fünf jüdischen Gotteshäusern, die in Bonn, Beuel und Bad Godesberg in Brand gesteckt wurden.

Zeitzeuge Otto Neugebauer berichtet in seiner, dem Bonner Stadtarchiv vorliegenden Abhandlung, zwei Anläufe seien unternommen worden, um die Bonner Synagoge am Rheinufer zu zerstören. Außerdem hätten vornehmlich auswärtige SS-Männer ihr Unwesen an diesem Tag in Bonn getrieben.

"Unbekannte Männer von auswärts waren es auch, die zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr den ersten Versuch machten, durch Übergießen der Bänke des Betsaals mit Benzin die Synagoge in Brand zu setzen. Doch entwickelte sich das Feuer nur sehr zögernd. Von einem Unbekannten wurde um 11.29 Uhr die Feuerwehr alarmiert, die mit einem Löschzug unter Leitung des Feuerwehr-Ingenieurs Josef E. das Feuer rasch eindämmte. Der Polizeidezernent, Standartenführer R., der bald darauf eintraf, stellte den Einsatzleiter der Feuerwehr deshalb zur Rede und befahl ihm, sich auf den Schutz der umliegenden Häuser zu beschränken," schreibt Neugebauer.

Die Ereignisse in Bonn an jenem Tag schildert auch die Professorengattin Marie Kahle: "Von der Rheinbrücke sahen wir die schöne alte Synagoge in Flammen stehen. Nichts wurde gerettet. Feuerwehrleute standen herum und verhinderten das Übergreifen des Feuers auf die (übrigen) Häuser. Kein Tropfen Wasser wurde auf das Feuer verspritzt. Soldaten in ihren grauen Uniformen bewachten die Straßen. Niemand durfte näher herangehen. Die Leute standen da und starrten in die Flammen - schweigend, furchtsam."

Marie Kahle und ihre ganze Familie mussten Anfang 1939 emigrieren, weil sie der jüdischen Ladenbesitzerin Emilie Goldstein nach der "Reichskristallnacht" beim Aufräumen geholfen hatte.

Mit Gedenkveranstaltungen am Sonntag, 9. November, und Montag, 10. November, wollen die Stadt Bonn und die Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus an die Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung in Bonn erinnern. Leitgedanke ist der Appell von Elie Wiesel: "Erinnere dich und halte das Gedenken lebendig."

Am 9. November startet in Beuel um 17.30 Uhr ein Schweigegang vor dem Rathaus. Er führt zum ehemaligen Beueler Synagogenplatz, Siegfried-Leopold-Straße/Friedrich-Friesen-Straße. Anschließend, gegen 18.30 Uhr, gibt es eine Veranstaltung im jungen theater bonn. Die Aktionen in Beuel wird koordiniert von der Beueler Initiative gegen Fremdenhass in Zusammenarbeit mit den jungen theater bonn.

In Bad Godesberg findet ebenfalls am Sonntag ab 18 Uhr eine Andacht bei der Gedenktafel für die dort zerstörte Synagoge mit Pfarrer Günter Schmitz-Valadier von der Evangelischen Kirchengemeinde Wachtberg statt. Anschließend geht es zu den Stolpersteinen, im Pflaster eingelassene Gedenktafeln für von den Nazis verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger, im Villenviertel.

Am Montag, 10. November, ist in Bonn um 18 Uhr ist eine musikalisch untermalte Lesung mit den beiden Bonner Schauspielern Anke Zillich und Bernd Braun in der Werkstattbühne der Oper Bonn vorgesehen. Sie steht unter dem Leitsatz "Ein Jude kann nicht Reichsbürger sein" und bezieht sich auf die Verordnung zum Reichsbürgergesetz von September 1935.

Zilich und Braun lesen aus privaten Texten, die die Folgen der Entrechtung für den Alltag der Juden erahnen lassen. Die Sopranistin Anna Virovlansky übernimmt den musikalischen Part. Anschließend geht es gemeinsam zum Synagogen-Mahnmal am Erzbergerufer.

Um 19.30 Uhr erinnern dort Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Margaret Traub, an die Ereignisse und die Opfer. Mathias Höhn begleitet die Gedenkstunde auf der Klarinette, Kantor Vadym Shvykiy singt das Gebet.

Die Gedenkstunde wird von der Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus veranstaltet in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, dem Theater und der Bonner Synagogengemeinde.



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