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Kulturarbeit - Wolfgang Guting
"Förderung freier und alternativer Kulturprojekte heißt Verlässlichkeit"
Kommunalwahl (II): Interview mit Benedikt Hauser, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt Bonn zur künftigen Kulturpolitik.
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Die Kommunalwahl steht vor der Tür. Was haben die im Bonner Rat vertretenen Parteien und Gruppen in der lokalen Kulturpolitik vor? Was tun sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn und wie ist ihre Stellung zum Festspielhaus?
Kultur-in-Bonn.de hat dazu fünf Fragen formuliert und die Politiker um Stellungnahme gebeten. In den nächsten Wochen veröffentlichen wir jeweils donnerstags hier die Antworten. Diese Woche antwortet Benedikt Hauser, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt Bonn.
Kultur-in-Bonn.de: Was sind die konkreten Schwerpunkte der lokalen Kulturpolitik Ihrer Partei?
Benedikt Hauser: Wir sind ja in Bonn auf einem ganz hohen Niveau gestartet, als Bundesstadt, als Bundeshauptstadt, mit einer entsprechend großen Anzahl an Kulturinstitutionen, überdurchschnittlich viel für die Größe von 300.00 Einwohnern. Insofern ist der Schwerpunkt der Politik der, diese Struktur möglichst zu erhalten und nach Formen zu suchen, eine solche Struktur auch dauerhaft für die Bonnerinnen und Bonner und die Leute in der Umgebung aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, dass man sich immer wieder neue Wege ausdenken muß, wie man hier Effizienz im positiven Sinn schaffen kann, d. h. also, nicht Abbau von Institutionen, sondern, wie kann die Zusammenarbeit verstärkt werden, wie kann die Auslastungszahl z. B. im Theater höher gesetzt werden, wie können die Kulturinstitutionen an der Museumsmeile erfolgreicher arbeiten, um mehr Besucher zu erlangen, was zur Finanzierung beiträgt aber natürlich auch zum Erfolg der Institution. Das ist ein Schwerpunkt. Der andere Schwerpunkt ist, dass wir eine ganz vielfältige freie Kulturszene hier in Bonn haben. Diese vielfältige freie Kulturszene sollte und muss gefördert werden. Das bedeutet für uns, dass wir vor allen Dingen Verlässlichkeit als Partner für diese freie Kulturszene schaffen wollen dadurch, dass wir langfristige Verträge mit ihnen abschließen, die dafür sorgen, dass sie sich darauf verlassen können, der Zuschuss in Höhe X, der kommt auch in den nächsten Jahren, ich kann mein Programm darauf aufbauen.
Kultur-in-Bonn.de: Was tun Sie zur Stärkung des Kulturstandortes Bonn?
Benedikt Hauser: Wie eben schon ausgeführt, geht es im Wesentlichen darum, diesen Standort zu erhalten. Man wird sich Gedanken darüber machen müssen, ob es auch Zusammenarbeitsformen mit anderen Standorten gibt. Wir haben viel diskutiert, z. B. darüber, ob wir mit Köln in vielen Bereichen zusammen arbeiten können, fürchten aber, das wird sich eher an ein paar technischen Fragen, wie vielleicht eine gemeinsame Werkstatt von den Oper- und Schauspielbetrieben oder Ähnlichem orientieren, aber weniger an den künstlerischen Fragen, an den Fragen der Veranstaltungen. Da sind die Kölner leider nicht bereit, die Bonner als gleichberechtigten Partner zu akzeptieren. Aber es gibt natürlich schon Möglichkeiten. Wenn ich an den Bereich der Bibliotheken, der Büchereien, der Musikschulen denke, gibt es mit Sicherheit Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Region, um Dinge dann auch sicherstellen zu können, Austausch von Buchbeständen oder Ähnliches, um auf diese Weise ein hohes Niveau zu sichern, ohne eben die Ausgaben weiter nach oben treiben zu müssen. Klar ist, dass das Haus der Bildung, das wir errichten und einrichten wollen, natürlich den Kulturstandort stärken wird. Auf lange Sicht stellen wir uns ja vor, dass dort nicht nur Bücherei und Volkshochschule zusammen finden, sondern nach Möglichkeit auch weitere Institutionen sich einfinden können. Und schließlich und endlich wäre ein konzentrierter Musikschulstandort, möglicherweise in der Nähe des Festspielhauses, als eine Art Campus der Musik, eine weitere Schwerpunktbildung, die den Kulturstandort Bonn weiterbringen würde.
Kultur-in-Bonn.de: Was muss Ihrer Meinung nach konkret zur Förderung freier und alternativer Kulturprojekte vorgenommen werden?
Benedikt Hauser: Die Förderung freier und alternativer Kulturprojekte heißt Verlässlichkeit, dauerhafte Verträge abschließen zu können, sodass Institutionen wie das kleine Theater in Bad Godesberg bis hin zu Pantheon und anderen genau wissen, wie sie die nächsten vier oder fünf Jahre planen können. Deren Programme müssen z. T. ja auch sehr langfristig vorausgeplant werden, wie bei der Oper ja auch, so dass man also da auch von deren Seite aus die Erwartung haben kann, ich weiß, dass der Zuschuss auf mehrere Jahre festgeschrieben ist und kommt. Der andere Punkt ist hier, die Vernetzung durch die Stadt Bonn zu fördern. Die Möglichkeiten des Rückgriffs auf Institutionen, auf die Infrastruktur der Stadt zu ermöglichen. Es muss sich ja nicht jeder eine Bühne anschaffen, es muss sich ja nicht jeder einen Fundus an Kostümen anschaffen. Vielleicht gibt es da auch viele Möglichkeiten, wo man in der Zusammenarbeit besser und effektiver gemeinsam Kultur gestalten kann.
Kultur-in-Bonn.de: Wie ist Ihre Stellung zum Festspielhaus?
Benedikt Hauser: Das Festspielhaus ist eine große Chance für Bonn. Es ist eine Chance für die Beethovenstadt. Es ist als Ergänzung und als Weiterentwicklung der Kulturszene in Bonn zu sehen und nicht in einer Konkurrenzsituation. Das ist ganz wichtig, weil ich es nicht als sinnvoll erachte zu sagen, wir holen uns ein Festspielhaus und dafür schließen wir andere Institutionen, sondern die müssen dann auch erhalten bleiben. Das bedeutet aber, dass neben der Diskussion über die Gebäude eben auch ganz intensiv diskutiert wird: wie ist das Programm, was wird da gestaltet, und wie kann dieses Programm mit dem übrigen Kulturbetrieb in Bonn in einen Zusammenhang gebracht werden? Und zwar nicht nur mit der Oper und dem Orchester, das ist ja naheliegend, sondern eben auch mit den übrigen Kulturbetrieben in Bonn, damit das Festspielhaus eine sinnvolle Ergänzung, vielleicht architektonisch die Krönung, aber vielleicht auch programmatisch die Krönung einer Kulturszene in Bonn werden kann, aber eben nicht die Konkurrenz. Wichtig ist aber, dass wir hier keine ungedeckten Schecks als Stadt Bonn unterschreiben, nach dem Motto, wir finanzieren das auf jeden Fall, was da an Programm kommt, sondern wir müssen erst mal wissen: was wird kommen, wer beteiligt sich, wie wird diese Stiftung aufgestellt, wie soll das finanziert werden? Dann kann die Stadt Bonn entscheiden, welchen Beitrag sie leistet. Für mich bedeutet das: der Beitrag orientiert sich daran, was die Stadt Bonn an anderer Stelle durch diese Institution sparen kann. Klar ist, der Betrieb des Festspielhauses soll im Wesentlichen aus einem Stiftungskapital finanziert werden. Da wird der Bund sich daran beteiligen, am Programm will sich das Land beteiligen. Die Sparkasse Köln/Bonn will fünf Millionen, der Rhein/Sieg-Kreis dankenswerterweise drei Millionen in diese Stiftung einbringen. Dann wird es vermutlich darum gehen, dass auch die Stadt Bonn einen Stiftungsbeitrag leistet. Unser Stiftungsbeitrag wird sich aber meiner Meinung nach an dem Geld begrenzen müssen, was man dadurch spart, dass man die Beethovenhalle nicht weiter betreibt. Wir müssen erstens die Betreiberkosten der Beethovenhalle berechnen, das sind bestimmt ein bis zwei Millionen Defizit im Jahr, die diese Institution für sich macht, und wir müssen berechnen, wie viel Kosten wir eigentlich hätten, um die Beethovenhalle zu einem vernünftigen Aufführungsort für Orchester, für Konzerte zu machen. Diese Summe, die man da einspart, das ist eine Summe, die man mit in eine Festspielhaus-Institution, mit in eine Stiftung eingeben kann. Aber auf jeden Fall kann es nicht bedeuten, Festspielhaus ja, dafür Oper schließen.
Kultur-in-Bonn.de: Welche kulturelle Veranstaltung haben sie zuletzt in Bonn besucht.
Benedikt Hauser: Letzte kulturelle Veranstaltungen, die ich in Bonn besucht habe, waren die beiden Ausstellungen in der Bundeskunsthalle, Winterthur und Modigliani.
Das Interview führte Wolfgang Guting.
Lesen Sie nächste Woche das Interview mit Jürgen Repschläger, parteiloser Kandidat auf der Liste der Partei "Die Linke" für den Bonner Stadtrat.
Diskutieren Sie mit: Bonner Kulturpolitiker im Interview
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