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Sonstiges - Klaus Torsy
"Exportschlager" Weihnachtsfest
Warum feiern die Christen Weihnachten? Das Fest entstand erst mehr als 300 Jahre nach der Geburt Jesu. Ein Theologe der Universität Bonn hat nun neue Erkenntnisse zu dieser alten Frage vorgelegt.
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Warum das Weihnachtsfest erst so spät aufkam, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Im frühen Christentum war es allerdings nicht üblich, dass man Geburtstage feierte, galten sie doch als Beginn des sündigen Erdenlebens. Und selbst wenn man die Geburt Jesu hätte feiern wollen: Wann hätte man das tun sollen? "Wir wissen bis heute nicht genau, wann Jesus zur Welt kam", erklärt Professor Dr. Wolfram Kinzig.
Sogar zum Geburtsjahr gebe es widersprüchliche Informationen, sagt der Bonner Kirchenhistoriker: "Laut Lukasevangelium ist Jesus zur Zeit Herodes' des Großen geboren. Damals sei Quirinius Statthalter in Syrien gewesen. Herodes starb aber nachweislich im Jahr 4 vor Christus, und Quirinius trat sein Amt erst 6 nach Christus an. Es klafft also eine Lücke von zehn Jahren!"
Ohnehin kennen andere Großreligionen kein ähnliches Fest: Das Judentum begeht weder die Geburt Moses noch den Tag, als Abraham das Licht der Welt erblickte. Viele Muslime feiern zwar die Geburt des Propheten, doch ist dieser Brauch hoch umstritten. Und auch die Christen begannen erstaunlicherweise erst um die Mitte des vierten Jahrhunderts, der Menschwerdung Gottes mit einem Fest zu gedenken.
"Zum Einen standen dahinter sicher politische Gründe", erläutert Kinzig. "Das Weihnachtsfest dürfte in Rom während der Herrschaft Konstantins des Großen entstanden sein. Von dort 'exportierte' man es später in alle Welt, um den Einfluss des römischen Bischofs auszudehnen."
Andererseits sei Weihnachten aber auch Teil des Versuchs, den Inhalt des Glaubensbekenntnisses im Kirchenjahr durch wichtige Feste abzubilden. Nicht von ungefähr hätten sich Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten in ihrer heutigen Form etwa parallel zum Weihnachtsfest entwickelt.
Und warum wird Weihnachten gerade am 25.12. gefeiert? Das dürfte unter anderem mit dem Sonnenkult zusammenhängen, der im Römischen Reich im dritten Jahrhundert nach Christus zum Staatskult aufstieg. Damals begann man auch, die Wintersonnenwende in Rom mit einem großen Fest zu feiern und zwar am 25.12. Heute fällt die Wintersonnenwende übrigens auf den 21. oder 22.12.; die Datumsverschiebung ist auf Kalenderungenauigkeiten zurück zu führen.
Schon vor gut 100 Jahren hatte der Bonner Philologe Hermann Usener daher die These aufgestellt, die Kirche habe das Weihnachtsfest bewusst auf diesen Termin gelegt, um das heidnische Fest zu verdrängen.
"Ob es wirklich so war, ist bis heute umstritten", so Professor Kinzig. "Klar ist aber, dass sich seit dem vierten Jahrhundert die Sonnensymbolik auch in christlichen Quellen wiederfindet: Die Kirchenväter verglichen die Geburt Jesu in ihren Weihnachtspredigten beispielsweise mit der Geburt der neuen, wieder zunehmenden Sonne. Ein Zusammenhang mit den heidnischen Feiern zur Wintersonnenwende scheint also zumindest sehr plausibel."
Dem Weihnachtsfest und anderen Themen widmet sich vom 2. bis 5. Januar eine Konferenz der Patristischen Arbeitsgemeinschaft (Patristik = Kirchenväterkunde) an der Universität Bonn. Professor Kinzig hat zu der Veranstaltung unter dem Thema "Liturgie und Ritual in der Alten Kirche" eingeladen. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus den USA, Australien, Großbritannien und Dänemark, darunter zahlreiche Rednerinnen und Redner anderer Konfessionen.
Die Patristische Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss evangelischer Kirchenhistoriker aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Ihre Mitglieder erforschen die Geschichte des Christentums der ersten fünf Jahrhunderte. Und vielleicht fördert das Treffen in Bonn neue Erkenntnisse über den Ursprung des Weihnachtsfestes zutage.
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