Logo Kultur-in-Bonn.de
Anzeige
Sonstiges - Julia-Rebecca Riedel

Eros und Phoibe

Zum 500. Todestag des Renaissancekünstlers Sandro Botticelli, des Schöpfers der "Geburt der Venus".


Anzeige



Alessandro di Mariano di Vanni Filipepi, alias Sandro Botticelli, ist der wohl bekannteste Maler der italienischen Frührenaissance. Um 1445 in Florenz geboren, Liebling der Medici, bleibt er der Stadt bis zu seinem Tod eng verbunden. Seine Bilder, die sich mit mythologischen und religiösen Themen beschäftigen, sind stilprägend für die italiensche Malerei des 15. Jahrhunderts. Seit der Vertreibung der Medici 1494 durch Girolamo Savonarola (1452-1498) aus Florenz gilt Sandro Botticellis Kunst als nicht mehr zeitgemäß. Das öffentliche Interesse richtet sich nunmehr auf Künstler wie Michelangelo (1475-1564) und Leonardo da Vinci (1452-1519). Heute vor 500 Jahren, am 17. Mai 1510, wird Sandro Botticelli in der Hauskirche der Familie des Entdeckers Amerigo Vespucci, der Allerheiligenkirche (Ognissanti), in Florenz beigesetzt.

Sandro Botticelli, zunächst zum Goldschmied ausgebildet, lernte bei Fra Filippo Lippi (1406-1469) in einer der berühmtesten Schulen der italienischen Renaissance das Kunst-Handwerk. Beeinflusst durch die vom Adel protegierten Gedanken des Humanismus und später angeregt durch den Dominikaner-Bußprediger und Medici-Gegner Girolamo Savonarola, schuf Botticelli ein unvergleichliches Ouevre.

Um 1470 entstand mit Rückkehr der Judith das frühste Werk, das prägend für den Stil Botticellis genannt werden darf. Die Rückkehr der Judith weist bereits jene Energie und Dynamik der Linien auf, die ab 1475 sein Werk dominieren und den Betrachter atem- und sprachlos werden lassen. Judith kennt jenen verführerischen Reiz der Verbindung von Schrecken und Schönheit, der sich dann später in Die Geburt der Venus und Der Frühling  wiederfindet.

Botticelli avancierte zu einem der bewundertsten und verehrtesten Maler seiner Zeit: Ab 1470 unterhält er eine eigene Werkstatt, die Familie der Medici begünstigt ihn. Sein Werk umfasst religiöse Bilder wie Die Anbetung der heiligen drei Könige, Porträts wie das der Simonetta Vespucci und mythologisch-allegorische Bildgegenstände wie Die Geburt der Venus – inspiriert durch die Schönheit Simonetta Vespuccis – und Der Frühling.

1478 erhält Botticelli einen für seine Zeit ungewöhnlichen Auftrag: Er soll für die Stadtregierung die hingerichteten Anführer der Pazzi-Verschwörung malen, denen Giuliano de Medici zum Opfer gefallen war. Durch die Ermordung Lorenzo de Medici und Giuliano de Medici sollte die Herrscherfamilie entmachtet und Francessco Pazzi und Girolamo Riario, beide Günstlinge Papst Sixtus des IV., ersetzt werden. Das Attentat schlägt jedoch fehl. Es folgen kirchliche Aufträge, unter anderem ein Fresco des Heiligen Augustinus in der Allerheiligenkirche. Von Papst Sixtus IV. nach Rom berufen, malt er in der Sixtinischen Kapelle zwischen 1481-1489 unter anderem Fresken aus dem Leben Moses, die – aller Religiosität zum Trotz – die typische Diesseitsbetontheit und Sinnesfröhlichkeit der Renaissance zum Ausdruck bringen. In dieser Zeit entstehen auch Werke, wie die Madonna del Magnificat. Seine Hauptauftraggeber sind von nun an der Vatikan und die Familie der Medici.


"Die Geburt der Venus"

1485/86 arbeitet er an La nascita die Venere – Die Geburt der Venus, die gemeinsam mit dem 1487 entstandenen Frühling das Kernstück seiner Arbeit bildet. Die Geburt der Venus ist DAS Werk der florentinischen Frührenaissance, ebenso kontrovers diskutiert wie rezipiert. Die Venus Anadyomene – Venus, die dem Meer entstieg, so von Botticelli selbst – nach einem von Lukian im 2. Jahrhundert beschriebenen Vorbild – betitelt, wird seit dem 19. Jahrhundert schlicht Die Geburt der Venus genannt und orientiert sich an einem Homer zugeschriebenen Hymnus auf Aphrodite. Sie ist heute ebenso wie La Primavera – Der Frühling in den Uffizien in Florenz zu sehen.

Botticelli lässt eine offene, eine sich ihrer Scham bewusste Venus, in der Schale einer Jakobsmuschel stehend, vom Westwind Zephyr an das Ufer Cyperns treiben. Zephyr trägt in seinen Armen die Nymphe Chloris, die sich – nach ovidschem Vorbild – in Folge der Umarmung durch Zephyr in Flora, die Göttin der Frühlingsblüte, verwandelt. Flora spricht kaskadenartig Rosen, die Venus ans Ufer in die Arme einer der Horen geleiten, die sogleich bereit ist, die Schamhafte in einen, sie den erregten Blicken entziehenden Umhang zu hüllen.

Der französische Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman beschreibt in Venus öffnen. Nacktheit, Traum, Grausamkeit Botticellis Venus intim und geheimnisvoll. Sie ist nicht einfach nur heidnische Göttin, sondern vor allem Sinnbild von Wahrheit und Offenbarung göttlicher Schönheit. Sie vereint die Ideen der Renaissance wie auch der Humanitas in sich. Sie ist zum Einen venus coelestis – himmlisch – und zum Anderen venus naturalis – irdisch.  Botticelli prägt mit seiner Venus, ebenso wie mit seinem Frühling, das Ideal des disegno interno, die im Geist vollzogene Gestaltfindung des Neuplatonismus.

Den Ansatz der sich im Geist vollziehenden Gestaltfindung, der Harmonie des Göttlichen, prägt der Neuplatoniker des Renaissance-Humanismus Marsilio Ficino (1433-1499) vor allem durch die Rezeption der platonischen Ideenlehre. Schönheit erzeugt demnach der Geist, indem er sich vom sinnlich Wahrnehmbaren inspirieren lässt, sich der umfassenden Idee bewusst wird, um sich daraufhin der Seele zuzuwenden. Die Aufgabe des Schönen ist es, die Seele zu Gott hinzuleiten. Vom Künstler erwartet Marsilio Ficino die niedere Natur durch den Rückgriff auf die Idee zu vervollkommnen beziehungsweise schlicht ein Werk, das bezaubert.

1

2

>>


Diesen Artikel bookmarken:  
twitter.com  facebook.com  Mister Wong  LinkaARENA  StudiVZ.de  MySpace.com  Technorati  oneview  del.icio.us  google.com  YahooMyWeb  live.com  digg.com  MyLink.de  Webnews  YiggIt  Folkd  stumbleupon.com  Reddit  

Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige

Tagestipps Donnerstag, 09.02.12

Alle Termine einer Veranstaltungsreihe:
Kalenderübersicht >>      Ticketshop >>
Anzeige

Nachrichten

Musik - 08.02.12
"bonn hoeren" ein Ort im "Land der Ideen"
Erwin_Stache_04.jpg
Die künstlerische Auseinandersetzung mit Klang im städtischen Alltag wird ausgezeichnet. Projekt der Stadtklangkünstler in Bonn.

Theater - 07.02.12
Offenes Werkstattgespräch zum Londoner Erdbeben
KIB_IMG_8618_241_22.jpg
Nach der letzten Aufführung des Stücks zur Klimadebatte am Freitag ist Chefdramaturgin Stephanie Gräve im Gespräch mit Johannes Sabel und Axel von Dobbeler.

Ausstellung, Sonstiges - 06.02.12
Karneval ins Museum
Viele Museen in der Bundesstadt haben auch an Karneval geöffnet. Eine Übersicht der Öffnungszeiten von Ausstellungshäusern und Bonner Bädern.

Musik, Sonstiges - 03.02.12
Orchestercampus ist eine der besten Ideen
Logo_mit_Wortmarke-kib_17.jpg
Das Projekt von Deutscher Welle und Beethovenfest Bonn gehört zu den Preisträgern im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ 2011. Internationale Jugendorchester sind beispielhaft für Kulturaustausch und die Förderung hochtalentierter Musiker.

Anzeige

Magazin

Themen, Kritiken & Berichte
Kritik: Kino
Der Besessene
Wäre „positiv verrückt“ nicht eine durch inflationären Gebrauch im Sportsprech verbrannte Phrase, könnte man sie auf den Baseball-Manager und sportlichen Revolutionär anwenden, den Brad Pitt in „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ spielt.

Kritik: Kino
Vampire Weekend
Kate Beckinsale geht als lacklederne Actionheldin in „Underworld: Awakening“ erneut auf Werwolfjagd. Eher etwas für Fans der Underworld-Streifen.

Thema: Sonstiges
Karneval auf der Straße
Bereits am 5. Februar beginnt der Bonner Straßenkarneval. Neuer Zugweg in Kessenich und Beuel. Eine Übersicht der Züge im Stadtgebiet.

Kritik: Literatur
Rückkehr nach 1Q84
Murakami-Buch3-cover-kib.jpg
Haruki Murakami entführt seine Leser noch einmal in die Parallelwelt 1Q84 und lässt die Hauptfiguren Aomame und Tengo zueinander finden.

Kritik: Kino
Zeit zum Innehalten
In Alexander Paynes Drama „Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)“ muss ein gegen sein Rollenklischee besetzter George Clooney familiäre Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen.

Anzeige
Anzeige