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Ausstellung - Anina Valle Thiele

Eine Hommage an Modigliani

Die Bundeskunsthalle zeigt bis Ende August eine Ausstellung zum Werk von Amadeo Modigliani.


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Junge Frau mit braunem Haar (Elvira). (Foto: Die Galerie, Frankfurt a. Main/KAH)

Schüler mit Buch (1905). (Foto: Privatsammlung/KAH)

Porträt Max Jacob (1916). (Foto: Kunstsammlung NRW/KAH)

Liegender Akt (Céline Howard) 1918. (Foto: Privatsammlung Genf/KAH)

Karyatide 1911/12. (Foto: Kunstsammlung NRW/KAH)

Er sei „der letzte große prometheische Held gewesen“, so Alberto Giacometti, ein Zeitgenosse Modiglianis. – „Ein komplizierter Charakter. Ein Schwein und eine Perle“, lautet das Urteil der Schriftstellerin Beatrice Hastings, einer seiner Lebensgefährtinnen.

Kontrovers sind die Urteile zu seiner Persönlichkeit. Eine Auswahl von Kommentaren seiner Zeitgenossen begleitet die Bonner Ausstellung. Unbestritten hingegen ist, dass Amadeo Modigliani zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne und des 20. Jahrhunderts zählt. Seine Frauenporträts und „Karyatiden“ sind durch ihre charakteristischen in die Länge gezogenen Gesichter, ihre langen Hälse und die mandelförmigen, oft leeren Augen längst als Ikonen im kollektiven Gedächtnis verankert.

Der 1884 im italienischen Livorno in eine bürgerliche jüdische Familie hineingeborene Amedeo Modigliani war Maler, Zeichner und Bildhauer. Sein Gesamtwerk umfasst vor allem Gemälde (ca. 420) und Zeichnungen (ca. 1000). Von 1909 bis 1913 widmete er sich außerdem der Bildhauerei und hinterließ rund 25 Skulpturen.

Nach einem Kunststudium in Italien zog es ihn 1906 nach Paris, dem damaligen Zentrum der künstlerischen Avantgarde, wo er zunächst ein einfaches Atelier am Montmartre bezog. Dort knüpfte er rasch Kontakte zu zeitgenössischen Malern wie Max Jacob und Pablo Picasso. Während seiner Pariser Jahre in Montmartre und Montparnasse hat ihn die Künstlerszene stark geprägt: „Unser Modigliani – oder ‚Modi’, wie er allgemein genannt wurde – war ein charakteristischer und gleichzeitig hochbegabter Vertreter der Boheme vom Montmartre; wahrscheinlich sogar der letzte echte Bohemien“, so der Maler Ludwig Meidner. Stets trug er ein Exemplar von Lautréamonts „Les Chants de Maldoror“ in seiner Tasche – eines der Schlüsselwerke der französischen Surrealisten und wohl einer der radikalsten Romane der abendländischen Literatur.

Ein starker Einfluss auf sein Schaffen ging zunächst von den fein kubistisch geprägten Werken Cézannes aus, aber auch das vorkubistische Werk Picassos aus der Rosa Periode scheint sein frühes Werk beeinflusst zu haben. Manche seiner Werke erinnern in ihrem Minimalismus an Matisse, andere wie seine Skulpturen in ihrer Exotik gar an Gauguin. Eine eindeutige Zuordnung seines Werkes zum „Kubismus“ oder „Fauvismus“ ist jedoch unmöglich, vereint es doch expressionistische, kubistische und symbolistische Elemente, greift aber auch Formen aus der zu seiner Zeit populären afrikanischen Skulptur auf.

Bereits beim Betreten der Ausstellung wird klar, dass hier ein Mythos gezeigt werden soll. In sanften Sepiatönen schaut einem ein verwegen dreinblickender Beau provozierend entgegen. Im ersten Raum stößt man auf eine Fotocollage, die unterschiedliche Stationen seines Lebens zeigt, sowie auf eine Seitenwand mit biographischen Angaben. Sein Leben entsprach geradezu dem Klischee eines Avantgarde-Künstlers seiner Zeit, gekennzeichnet von Krankheiten, Zweifeln und Rauschzuständen. Und es endete, wie das eines großen Künstlers – mit einem frühen tragischen Tod und dem Selbstmord seiner Verlobten.

Ruhm sollte ihm erst posthum beschieden sein. So hatte der Bildhauer Jacob Epstein unmittelbar nach Modiglianis Tod eilig aus Paris an Modiglianis Händler nach London telegraphiert und in weiser Voraussicht, dass der Wert seiner Bilder nach seinem Tode rapide ansteigen würde, die Anweisung gegeben, den Verkauf zu stoppen.

Modiglianis wichtigste Sujets waren Porträts und Akte. In der chronologisch gehaltenen Ausstellung in der Bundeskunsthalle sind insgesamt 40 Gemälde, 70 Zeichnungen und einige Skulpturen zusammengestellt, die die unterschiedlichen Etappen seiner nur knapp zehnjährigen Schaffenszeit (1909-1919) zeigen – ein im Großen und Ganzen aussagekräftiges Spiegelbild seines Werkes.

Ein Raum zeigt Porträts seiner Zeitgenossen, darunter das von Pablo Picassos und das von Diego Riveras. Ein weiterer Raum zeigt seine Lebensgefährtinnen, darunter maßgeblich Porträts und Gemälde von Beatrice Hastings und Jeanne Hébuterne.

Blickfang und damit zentrale Anziehungspunkte der Ausstellung sind jedoch vor allem seine Öl-Akte aus der Zeit von 1916 bis 1917. Sie sind meist gesondert und großzügig gehängt, wie etwa „Der liegende Akt“ und wirken damit umso eindrucksvoller. Diese weiblichen Akte, die durch ihre sanften ockerfarbenen Töne und weich gezeichneten Rundungen in der heutigen Zeit vor allem eine hohe Ästhetik ausstrahlen, sorgten seinerzeit bei der einzigen Einzelausstellung zu Lebzeiten in Paris Ende 1917 in der Galerie Berthe Weill für Furore – wurden öffentlich als skandalös empfunden und mussten sogar auf polizeiliche Anordnung hin abgehangen werden.

Es sei „eine Berg- und Talfahrt gewesen diese Ausstellung zu organisieren“, äußerte Susanne Kleine, Projektleiterin der Modigliani-Schau. Intendant Robert Fleck und Christoph Vitali, Kurator der Ausstellung, wiesen in der Pressekonferenz auf die schwierige Leihgabesituation hin. Modiglianis Arbeiten seien weltweit verstreut und vieles befände sich in Privatbesitz. Eine Handvoll bekannter Gemälde, wie das Porträt von Jacques Lipchiz oder das bereits 1908 an Edvard Munch orientierte Bild „Die Jüdin“, fehlen denn auch.

Auch die Frage nach Original oder Fälschung ist bei Modigliani ein immerwährendes Thema. Spätestens 1922, als der amerikanische Millionär Albert C. Barnes sechzehn ‚Modiglianis’ kaufte, setzte dazu eine rege Fälschungstätigkeit ein. Die Zahl der Fälschungen ist unbekannt, Zu- und Abschreibungen bleiben somit bis heute unklar. Ein Beitrag des im Dumont Verlag erschienenen Ausstellungskatalogs befasst sich detailliert mit der Modigliani-Fälschungsgeschichte.

Seinen letzten Werken könnte man noch immer eine ruhelose Suche nach eigenen Formen anmerken. Dabei sind seine Werke ab 1914 bis zu seinem frühen Tod zugleich die eigenständigsten, hatte er doch längst seinen eigenen Stil gefunden und fast puristisch fortentwickelt.

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