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Kulturarbeit, Theater - Klaus Torsy
"Ein klassischer Schildbürgerstreich"
Nach Einschätzung der privaten und freien Theater würden die geplanten Einsparungen bei der Kulturförderung Bonn wirtschaftlich dauerhaft schädigen. Bürger sollen ab 18. Januar gegen die Kürzungen stimmen.
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Führende Vertreter der privaten und freien Theater Bonns haben sich erneut gegen die Kürzungspläne bei der städtischen Kulturförderung gewandt. Vor allem dem von Seiten der Verwaltung und Politik vorgebrachten Argument mangelnder Wirtschaftlichkeit treten sie entgegen.
"Ein klassischer Schildbürgerstreich" – so lautet das Urteil von Frank Heuel, Rainald Endrass und Rafaële Giovanola (Theater im Ballsaal), Jürgen Becker (Brotfabrik), Horst Johanning (Contra-Kreis-Theater), Gisela Pflugradt-Marteau (Euro Theater Central), Moritz Seibert (Junges Theater Bonn), Walter Ullrich (Kleines Theater), Tina Jücker und Claus Overkamp (Theater Marabu), Rainer Pause und Martina Steiner (Pantheon), Andreas Etienne (Springmaus) und Elisabeth Einecke-Klövekorn (Theatergemeinde Bonn) zu den Einsparplänen. Die Effekte für den städtischen Haushalt wären "allenfalls symbolisch".
In einer aktuellen Pressemitteilung stellen sie fest, dass die neun von der Stadt institutionell geförderten Theater 2010 mit rund 2.000 Vorstellungen mehr als 320.000 Besucher aller Generationen und sozialen Schichten erreicht haben. Angesichts von etwas mehr als einer Million Euro aus Steuergeldern seitens der Stadt entspreche dies durchschnittlich etwa drei Euro pro Zuschauerplatz beziehungsweise jährlich pro Einwohner – also nur knapp 1,7 Prozent der von der Stadtverwaltung angegebenen Kulturausgaben von 178 Euro pro Kopf.
Die seit Frühjahr 2010 kursierende Streichliste helfe daher nicht beim Defizitabbau. Schlimmer noch: "Die Einsparungen würden Bonn sogar wirtschaftlich dauerhaft schädigen, denn die privaten und freien Theater rentieren sich für die Stadt", so die Theatermacher.
Hingegen erwirtschafteten die Theater durch Eigeneinnahmen und Zuschüsse aus Drittmitteln insgesamt mindestens das Dreifache der investierten städtischen Mittel. Zudem beschäftigten sie inklusive Gästen insgesamt über 1.000 Künstler pro Jahr, Techniker und sonstige Mitarbeiter, die wiederum in Bonn Geld für ihren Lebensunterhalt ausgeben, Mieten, Steuern und Sozialabgaben zahlen.
Nicht zuletzt auch Geschäfte und die Gastronomie profitierten von den Theaterbesuchern. "Durchschnittlich fließt dadurch jeder investierte Euro mindestens doppelt in die städtischen Kassen zurück", so die Rechnung der Theater. Die Kreativwirtschaft, bundesweit ein Wachstumszweig, sei damit für Bonn, das auf Internationalität, Innovation und Wissenschaft setze, unverzichtbar.
Dass Künstler dauerhaft in der Bundesstadt arbeiten und produzieren könnten, sei auch für eine nachhaltige kulturelle Bildungsarbeit unerlässlich. Die Theater arbeiteten das ganze Jahr über vor Ort – im Gegensatz zu "teuren kulturellen 'Events', die nur zu bestimmten Zeiten nur einen kleinen Teil der lokalen Bevölkerung" erreichten.
Mit Blick auf die Bürgerbefragung zur Haushaltskonsolidierung, die am 18. Januar startet, rufen die Theatervertreter die Bonner auf, "gegen einen Kahlschlag in der Bonner Theaterlandschaft zu stimmen." Zuschusskürzungen bei den privaten und freien Theatern würden "die wirtschaftliche Lage der Stadt nicht verbessern sondern verschlechtern".
Im Frühjahr 2010 hatte der damalige Kulturdezernent Ludwig Krapf eine Streichliste bei der Kulturförderung der freien Szene vorgestellt. Eine endgültige Entscheidung hierüber wurde bislang nicht getroffen. Angesichts der vorgesehenen beachtlichen Mittelkürzungen für die kleinen Theater sehen sich viele von ihnen nicht nur in ihren Planungen, sondern in ihrer Existenz gefährdet.
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