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Ausstellung - Jana Ronzhes

Die Schönheitsköniginnen vom Rhein

Das Rheinische Landesmuseum zeigt in einer einzigartigen Ausstellung die schönsten Madonnenstatuen der rheinischen Kunst um 1400.


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Das Plakat zur Ausstellungsplakat
im Rheinischen Landesmuseum.
(Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)

(Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)

(Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR)

„Schöne Madonnen am Rhein“ heißt die Ausstellung, zu der die Idee vor ungefähr fünf Jahren bei einem Gespräch zwischen Museumsdirektorin Dr. Gabriele Uelsberg, Professor Robert Suckale und Lothar Altringer entstand. Die Ausstellungsmacher wollen „nicht viele, aber wirklich gute und faszinierende Madonnen“ zur Schau stellen, so Ausstellungsleiter Altringer.

Die Ausstellung führt den Besucher durch die spannende Welt der rheinischen Madonnenkunst, die leider nicht allzu bekannt ist und gerade deswegen so geheimnisvoll wirkt und eine große Faszination auf den Besucher ausübt. Rund 65 Figuren repräsentieren etwa 100 Jahre Kunstgeschichte des Rheinlandes, die nicht selten der Öffentlichkeit verborgen geblieben ist.

Im Mittelpunkt des ersten Ausstellungssaals steht eine Madonna aus Nussbaum, die um 1360/70 geschaffen wurde und das Rheinland 1932 bei einer Versteigerung verlassen hat. Die Falten ihres Gewandes zielen auf das Jesuskind, was seine Auserwähltheit unterstreicht. Ihre farbige Fassung jedoch ist nicht das Original, denn ursprünglich war sie vergoldet. Dabei dienten die Sakralfarbe und das Luxusmetall, mit der diese Maria geschmückt wurde dem ästhetischen Wohlgefallen der Menschen. Nicht selten wurden die Marienfiguren mit Edelsteinen verziert, die oft viel mehr wert waren, als die Figur selbst.

Für die Leihgeber der Madonnen, die aus aller Welt stammen, war es wichtig, die Madonnen nicht isoliert, sondern in einer gewissen Verbindung präsentiert zu sehen. Und die Verbindung ist nicht nur die beeindruckende Schönheit der Statuen. „Unser Wunsch war es, die Kerngruppe der rheinischen Madonnen des schönen Stils zu versammeln und so eine Versammlung von Highlights zu schaffen“, so Altringer. Und dies, so gibt der Ausstellungsleiter gerne zu, wäre nie ohne den ungeheuren Einsatz seitens des Kurators Suckale und seiner Frau Dr. Gude Suckale-Redlefsen zustande gekommen.

Die am weitesten gereiste Madonna, die den Besucher lockt, stammt aus dem Metropolitan Museum New York. Auch aus Zürich und Madrid sind einige Damen angereist, aber auch Neuentdeckungen aus Klöstern und Kirchen von Würzburg bis Köln werden präsentiert.

Schöne Madonnen sind Madonnenfiguren des „weichen Stils“, die dem Beginn des 15. Jahrhunderts zugeordnet werden. Charakteristisch für die schönen Madonnen ist ein edles Antlitz von höfischer Eleganz und eine hohe Stirn. Auch auf das Gewand wird besonderer Wert gelegt: Es ist mit einem graziösen Faltenwurf gestaltet. Ein weiteres Merkmal der neuen Kunstform ist die Natürlichkeit der Darstellung und die besondere Hinwendung der Mutter-Kind-Beziehung zwischen Maria und Jesus. Dabei wurde erstmals versucht, die Figuren realistisch darzustellen.

Dass Skulpturenausstellungen immer ein großes Risiko bedeuten, war dem Kurator Suckale klar, doch er war sich ebenfalls der Einzigartigkeit der Ausstellung bewusst. Diese Ausstellung soll die Eigenheit der rheinländischen Kunst um 1400 hervorheben, denn in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gab es eine rheinische Gegenbewegung zur böhmischen Kunst. So verließen die rheinischen Bildhauer die traditionelle Darstellungsweise und bemühten sich ein neues Schönheitsideal zu erschaffen.

Bei den Vorarbeiten zur Ausstellung, erklärt Dr. Suckale-Redlefsen, galt es, den aktuellen Bestand zu prüfen und zu schauen, was überhaupt noch erhalten ist. Pest und die politischen Unterdrückungen führten dazu, dass Menschen ein innigeres Verhältnis zu der Muttergottes hatten. Außerdem fanden die Menschen, als die alte Eva, die Frau Adams, durch den Sündefall ihre Schönheit verloren hatte, in Maria ihre neue Eva. Und nachdem sie im Konzil von Ephesus im Jahre 431 zur Gottesgebärenden erklärt wurde, stieg ihr Ansehen in der Christenheit noch mehr – manchmal wurde sie sogar mehr verehrt als ihr Sohn. Maria ist Gottes Geschöpf und zugleich Gottes Mutter, das macht sie für die Menschen besonders anbetungswürdig.

So wurden private Figuren für den Hausgebrauch geschaffen; größere, um sie neben der Haustür anzubringen, oder Figuren zur Verehrung in Gotteshäusern gemacht. Leider jedoch sind die wenigsten Figuren in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Meistens blieben der Nachwelt nur Reste von der originalen Madonnenstatue, die mit der Zeit immer wieder nachgebessert wurde.

Das Gegenbild der schönen Madonna ist die Pieta, die Schmerzzerrissene. Diese Figuren stellen oft die Muttergottes mit ihrem sterbenden oder schon verstorbenen Sohn, meist auf ihrem Schoß ruhend, dar. Auch diese Madonnen sowie einige aus der „böhmischen Ecke“ und Madonnenfiguren, die nach 1400 entstanden sind, zeigt die außergewöhnliche Ausstellung des Landesmuseums.

„Da die Schönheitsköniginnen sich nicht vertragen, stehen die Figuren immer weiter auseinander“, erklärt Professor Suckale, „aber jede einzelne von ihnen erwartet vom Besucher ausreichend betrachtet und bewundert zu werden.“ Denn jedes Einzelwerk beleuchtet gleichzeitig ein eigenes Thema, mit dem sich der Betrachter auseinandersetzen sollte. Aber wer betrachtet schon rheinische Schönheiten nicht gerne länger?

Schöne Madonnen am Rhein – bis 15. April 2010, Rheinisches Landesmuseum Bonn.


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