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Ausstellung - Julia-Rebecca Riedel

Des Entdeckers Entdeckungen

Ein Wegbereiter der europäischen Moderne: Käpt´n Cook in der Bundeskunsthalle.


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Nathaniel Dance: James Cook (1776) (Bild: National Maritime Museum, Greenwich, London)

William Hodges: Resolution and Adventure in Matavai Bay, Tahiti (1776). (Bild: National Maritime Museum, Greenwich, London)

Maske mit Menschenhaar, Nordamerika, Nootka Sound (18. Jh.). (Bild: Naturale Università di Firenze)

Sydney Parkinson: Porträt eines Maori, Neuseeland (um 1769). (Bild: The British Library, London)

Johann Zoffany: Der Tod des Caption Cooks am 14. Februar 1779 (um 1789). (Bild: National Maritime Museum, Greenwich, London)

James Cook (1728-1779) widerlegte die Idee vom mythischen Südkontinent. Der britische Entdecker brachte mit seinen Expeditionsreisen das Weltbild des Abendlandes gehörig durcheinander. Gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftlerteam gelang es ihm, die neue Welt - Neuseeland, Australien und die Inselwelt der Südsee – zu kartographieren und nicht nur das: Durch ihn wurde das Unbekannte des pazifischen Ozeans entmythifiziert, nicht jedoch uninteressant. Mit seinen Entdeckungen ebnete er den Abenteurern der aufgeklärten Welt den Weg.

Paruhi Simpson hebt ein neuseeländisches Muschelhorn (putatara) an die Lippen, ein wohlklingender langgezogener Ton erklingt, dann Gesang; einnehmend. Das Muschelhorn, der Einsegnungsgesang der Maori, begleitet durch die Ausstellung und gibt den Exponaten Ausstrahlung, erweckt sie zum Leben. Furcht einflößend wirken die hawaiianischen Federgötter (ki`i hulu manu – Bilder der gefiederten Vögel) und die Masken und Kriegsgegenstände aus Nordamerika und Sibirien. Die fremden Klänge vermitteln das Gefühl, die Masken blickten den Besucher direkt an.

Nach Cooks gewaltsamem Tod auf der Insel Hawaii verstreuen sich die Artefakte seiner drei Expeditionsreisen Ende des 18. Jahrhunderts auf natur- und völkerkundliche Sammlungen ganz Europas. Über 500 Exponate, die heute in der Südsee in dieser besonderen, ursprünglichen Qualität nicht mehr zu finden sind – Federschmuck, Skulpturen, Masken, Kriegs- und Alltagswerkzeug –, konnten in Bonn zusammengetragen werden.

Die Ausstellung gibt zyklisch – typisch polynesisch – angeordnet nicht nur die Möglichkeit zum Nachreisen der Cook-Expeditionen, sondern ermöglicht auch den Rückblick auf die bisherigen Entdeckungen und das Neuentdecken der bisher gefundenen Artefakte. Damit vermittelt sie einen Eindruck dessen, was der Entdecker entdeckte und was die Entdeckten zu entdecken preisgaben. Es ist, als stünde der Besucher selbst vor diesen Entdeckungen. Zum ersten Mal seit 230 Jahren begegnen sich die Exponate wieder und treten in einen Dialog der Dinge ein.

Am Beginn der, so Bundeskunsthallen-Intendant Robert Fleck, bewusst offen gestalteten Ausstellung hat der Besucher verschiedene Möglichkeiten: Er kann sich für eine der drei Reiserouten entscheiden, dem Wasserweg in die neue Welt folgen und die ozeanische Kultur des 18. Jahrhunderts nachempfinden. Der pazifische Raum wird innerhalb der Ausstellung zur geographischen Erfahrung. Der Besucher kann – wie James Cook – von Insel zu Insel reisen und so die ungeheure Leistung des Entdeckers nachvollziehen. Besonders eindrucksvoll bei dieser Entdeckungstour durch die Ausstellung sind die Zeichnungen der Flora und Fauna John Webbers und Georg Forsters wie auch das nautische Material.

Wenngleich die typische Südseeästhetik fehlt und alles etwas aufklärerisch-steril wirken mag - daran ändert auch das bezaubernde Lächeln ihrer königlichen Hoheit Prinzessin Dalote Pilolevu Tuita von Tonga nichts - hat die Ausstellung einen nicht zu unterschätzenden pädagogischen Impetus, der durch das Rahmenprogramm deutlich wird. So gibt es einen Raum zum Reisen und Entdecken sowie zahlreiche Vorträge und Workshops von Hula Hula bis Kannibalismus.

Die Ausstellung rund um James Cook und die Entdeckung der Südsee verbindet ethnologische Interessen mit denen der Seefahrtsgeschichte, der Kunstgeschichte sowie der Philosophie. Das Prinzip der Toleranz hatte bei den Entdeckungsreisen Cooks eine nicht unerhebliche Relevanz und ermöglicht bis heute einen ganz besonders unverstellten Blick auf das Fremde: „Das Verständnis vom Menschen als einem Wesen, das von Natur aus mit Vernunft ausgestattet ist, war ein zutiefst anthropologisches, da es von der grundsätzlichen Gleichheit der Menschen ausging. Diese Auffassung spricht aus den Beschreibungen kultureller Begegnungen auf den Cookschen reisen, insbesondere aus Georg Forsters Aufzeichnungen, der Cook auf der zweiten Reise begleitete.“

James Cook ist nicht nur in die Südsee aufgebrochen, sondern mit ihm ist die europäische Moderne angebrochen. Ihm und den ihn begleitenden Naturforschern, Seefahrern, Zeichnern etc. verdanken wir unter anderem das erste zuverlässige Kartenwerk und früheste zuverlässige geologische Studien der pazifischen Umwelt.

James Cook und die Entdeckung der Südsee – 28. August 2009 bis 28. Februar 2010, Bundeskunsthalle Bonn.

Weitere Stationen der Ausstellung: Museum für Völkerkunde, Wien (10. Mai bis 13. September 2010), Historisches Museum Bern (7. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011).



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