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Kulturarbeit - Kommentar: Thomas Glahn

Der Festspielhaus-Soli

Auch nach der Rede von OB Nimptsch vermisst man konkrete Aussagen zum Festspielhaus. Dabei liegt die Lösung, den Bau des millionenschweren Konzerthauses endlich anzugehen, auf der Hand.


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Ob es taktisch und also politisch geschickt war, sei dahingestellt: eine Rede indirekt anzukündigen – durch das beliebte Durchsickernlassen in den Medien – und dann außer einem grundsätzlichen Bekenntnis keine konkreten Aussagen zu wagen.

Jedenfalls vermissen seit dem Auftritt von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch beim Beethovenfest nicht wenige Interessierte klare Aussagen zum Bau des Festspielhauses: zum Standort (Beethovenhalle, Oper, Rheinaue), zur architektonischen Lösung (die Beethovenhalle integrierend, anstelle des Opernhauses, als Neubau).

Vor allem aber zur finanziellen Lösung: Welche Sponsoren wollen von den inzwischen veranschlagten rund 100 Millionen Euro für einen Neubau wie viel aufbringen? Wie sollen die Stiftungsgelder seitens des Bundes über den Jahreswechsel hinaus sichergestellt werden? Und wie viel müsste die Stadtkasse zu den Betriebskosten beisteuern?

Jürgen Nimptsch hat den Weg auf die ihm eigene Weise skizziert. Statt „Festspielhaus Beethoven“ heißt das Projekt nun „Neue Beethovenhalle“. Seinen Satz zu Standort und Architektur ersparen wir uns an dieser Stelle – auch Schreibraum ist kostbar. Man kann ihn an anderer Stelle nachlesen.

Lediglich seine Ankündigung, die Verwaltung werde im Oktober alle für die Diskussion notwendigen Fakten auf den Tisch legen, richtet den Blick nach vorne. Ach ja: Und die Bürgerschaft soll letztendlich entscheiden. Wenn sie’s kann.

Dabei ist die Sachlage vergleichsweise überschaubar: Die Stadt hat kein Geld, auch wenn der OB das Finanzdesaster WCCB auf einem guten Weg wähnt. Von den drei Sponsoren ist mit der Deutschen Post nur einer übrig. Und dies wohl kaum wegen Taktierens seitens der Stadt, wie die Befürworter des Festspielhauses glauben machen wollen. Inzwischen war nämlich Finanzkrise, die DAX-Unternehmen agieren global und die Konzerthaus-Situation Bonns ist nachrangig gegenüber den Erwartungen der eigenen Aktionäre.

Wo also soll das Geld herkommen, zumal sich die zig Millionen wohl kaum mit der Sammelbüchse bei Musikfreunden auftreiben lassen? Womöglich von den Bonnern selbst, schließlich ist es später einmal ihr Festspielhaus, von dem sie ja dann auch so unglaublich profitieren werden. Wie die Ostdeutschen von ihren blühenden Landschaften.

Nur: In Zeiten, in denen städtische Bäder nicht saniert oder gar geschlossen werden, Schulbuslinien infrage gestellt sind oder die Beiträge für Ganztagsschulen in der Bundesstadt groteske Höhen erreichen, verbietet sich ein solcher Ansatz.

Um eines klarzustellen: Niemand ist ernsthaft gegen ein prächtiges Konzerthaus, das dem Andenken Beethovens gerecht wird. Wir wünschen es allen Musikfreunden ebenso, wie wir allen Theaterfreunden die variabelste Oper, allen Kabarett-Fans die urigste Bühne oder allen Straßenmusikanten die schönste Fußgängerzone wünschen.

Allerdings müssen die Prioritäten richtig, sprich sozial verträglich gesetzt werden. In einem Festspielhaus kann niemand baden, mit einer noch so gut ausgestatteten Bühne kann man schwerlich zur Schule fahren.

Welcher Weg führt also aus diesem Dilemma zum Festspielhaus? Vielleicht ganz einfach ein Festspielhaus-Soli: Entsprechend seinem berühmten Bruder vom Aufbau Ost wird künftig von den Einkünften aller Bonner Bürger ein bestimmter Prozentsatz für das neue Konzerthaus abgeführt. Jenseits der Stadtgrenzen ist überdies ein freiwilliger Beitritt zum Verfahren möglich.

Dann wäre zwar auch keine Ruhe beim ewigen Geschachere um meinen Kindergartenplatz und deine Müllabfuhrgebühr. Aber die Verwaltung und mit ihr alle Befürworter hätten endlich Planungssicherheit: für einen prachtvollen Bau, mit dem sich Beethovens runder Geburtstag 2020 würdig feiern ließe. Denn die Welt schaut und wartet auf, ähm, Bonn.


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