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Musik, Literatur - Klaus Torsy
Das Ringen um die Fassung letzter Hand
Die Diabelli-Variationen sind als Faksimile erschienen. Das Zeugnis von Beethovens strenger Selbstkritik steht damit Fachleuten und Laien zur Verfügung.
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Beethovens Originalhandschrift umfasst 86 beschriebene Seiten. Sie enthält im Anschluss an das vorgeschaltete Blatt mit dem vorgegebenen Diabelli-Thema den vollständigen Zyklus von 33 Variationen einschließlich einiger Einlageblätter. Diese Handschrift diente als mittelbare Stichvorlage für die 1823 im Verlag Cappi und Diabelli in Wien erschienene Originalausgabe und wird im 1. Teilband der Faksimile-Ausgabe wiedergegeben.
Der 2. Teilband enthält die Wiedergabe eines Exemplars der Originalausgabe, das Beethoven eigenhändig mit einer Widmung für den fürstlich Lobkowitzischen Kassabeamten Wenzel Kaspar von Damm versehen hat. Damit stehen zwei authentische Quellen für einen direkten Vergleich zur Verfügung.
Außerdem enthält die Ausgabe zwei ausführliche Kommentare: Der amerikanische Musikwissenschaftler William Kinderman betrachtet das Autograph im werkgenetischen Kontext von mehr als einem Dutzend Skizzen- und Entwurfshandschriften. Die Struktur des Autographs, seine besonderen Schreibmerkmale und einige textkritische Probleme werden von Michael Ladenburger und Bernhard Appel erläutert.
Die Originalhandschrift der Diabelli-Variationen erlaubt einen tiefen Blick in Beethovens Werkstatt. Sie zeigt sehr anschaulich, wie der Komponist gearbeitet hat, wie er in mehreren Arbeitsschritten, etwa durch Ergänzungen, Streichungen, Überklebungen, Einlegeblätter, um die Fassung letzter Hand gerungen hat, die seiner strengen Selbstkritik standhielt.
Zwischen Disziplin und Spontaneität
Seine Handschrift schwankt zwischen Disziplin, die dem Wunsch geschuldet ist, eine gut lesbare Reinschrift zu erstellen, und großer Spontaneität und Expressivität. Der Schreibduktus verrät viel über Beethovens musikalische Intentionen. Das Manuskript ist somit auch ein Spiegelbild von Beethovens komplexer Persönlichkeit.
Die Handschrift war von Anbeginn an höchst begehrt. Der Initiator des Variationenzyklus’, Anton Diabelli, wollte das Autograph unbedingt besitzen und schützte vor, es als Verleger des Werks als Eigentumsnachweis zu benötigen. Tatsächlich gelang es ihm, die Handschrift in seinen Besitz zu bringen. Später wanderte sie zu zwei prominenten Autographen-Sammlern: Heinrich Steger in Wien und Louis Koch in Frankfurt am Main.
Danach war das Manuskript lange Jahre in unzugänglichem Privatbesitz, bevor es Ende 2009 in die Sammlung des Beethoven-Hauses in Bonn kam. Namhafte Künstler, zahlreiche öffentliche und private Förderer sowie Stiftungen, Banken und Unternehmen hatten in einer Gemeinschaftsaktion diesen spektakulären Ankauf möglich gemacht.
Anschließend bemühte sich das Beethoven-Haus, die Neuerwerbung möglichst bald der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Handschrift der Diabelli-Variationen wurde digitalisiert und ist bereits im digitalen Archiv des Hauses online einsehbar.
Die Faksimile-Ausgabe soll fortan dazu beitragen, dass sich Musiker, Wissenschaftler, Musikliebhaber und bibliophile Sammler auf individuelle Weise diese faszinierende Werkstatt-Handschrift aneignen können.
Details zur Ausgabe:
Ludwig van Beethoven, 33 Veränderungen C-Dur über einen Walzer von Anton Diabelli für Klavier op. 120
Teil 1 Faksimile des Autographs
Teil 2 Faksimile der Originalausgabe (Widmungsexemplar) und Kommentare auf deutsch und englisch, hg. von Bernhard R. Appel und Michael Ladenburger, Bonn 2010
(= Veröffentlichungen des Beethoven-Hauses Bonn, Reihe III Ausgewählte Handschriften in Faksimile-Ausgaben, Band 19) - limitierte Auflage
Geleitwort von Kurt Masur, Kommentare von William Kinderman, Michael Ladenburger und Bernhard R. Appel
92 Seiten, farbiges Faksimile, 72 Seiten Reprint, mit Notenbeispielen und Kommentaren; im Schuber
Format: 34,5 cm x 24 cm (quer); Einband: Broschur, Fadenheftung
ISBN 978-3-88188-119-7
Preis: 148,- Euro, Carus-Verlag
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