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Kulturarbeit - Kommentar: Klaus Torsy
Absage mit Ansage
Das Aus der Rheinkultur kommt für viele überraschend. Dabei war es absehbar – und Bonn verliert ein weiteres kulturelles Aushängeschild.
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Ohne Vorankündigung haben die Organisatoren der Rheinkultur das Ende des Festivals verkündet. Nun ist die Aufregung groß im Stadthaus: OB Nimptsch und Kulturdezernent Schumacher inszenieren sich als Fans, alldieweil sie schon mal das Festival besucht haben, und beeilen sich zu beruhigen, denn die jährliche Zuwendung von 80.000 Euro sei sicher. Die Politik hat gleich Erschöpfung im Team nach der zermürbenden Retter-Kampagne ausgemacht (Bärbel Richter, SPD) oder ruft nach dem nächsten runden Tisch (Jürgen Repschläger, Die Linke).
Also ist eigentlich doch alles in Butter: Geld ist da – nun einfach mal durchschnaufen, miteinander reden und dann wieder ran an die Arbeit. Wäre doch so schade, wenn ausgerechnet die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr nicht stattfände.
Wird sie aber nicht. Das Rheinkultur-Team hat unmissverständlich klar gemacht, dass es so nicht weitergeht: ohne nachhaltige Perspektive, ewig den gleichen Widerständen ausgesetzt, wenn es um Auflagen bei der Durchführung geht, ignoriert, wenn Zusammenarbeit angesagt wäre, etwa bei Baumaßnahmen in der Rheinaue, ewig in der Defensive, während die Stadt nach außen hin mit dem Festival wirbt.
Ein Grund war sicher die finanzielle Klemme, der sich das Festival jedes Jahr aufs Neue ausgesetzt sah, die gleichwohl immer wieder gelöst wurde. Noch wichtiger aber war das Gefühl mangelnder Wertschätzung, mangelnden Rückhalts bei den Entscheidern in Verwaltung und Politik. Verstärkt durch den Blick darauf, wie manch anderes kulturelles Großereignis von der Stadt geradezu hofiert wird.
Damit sind wir an dem Punkt, warum das Aus der Rheinkultur einen immensen Verlust für Bonn darstellt. Man kann von der Veranstaltung halten, was man will: Sie war ein Aushängeschild Bonner Kultur, gewachsen in dreißig Jahren, bekannt weit über NRW hinaus, mit einem einzigartig offenen Konzept. Sie war eine Marke.
Ihr Ende ist zugleich ein alarmierendes Symptom, denn die Kultur hat in Bonn zunehmend schlechte Karten. Angesichts der katastrophalen Haushaltslage versteift man sich auf Beethoven und lässt den Rest mehr oder weniger links liegen. In der Hoffnung, durch das Beethovenfest, seinerseits aufgemotzt durch ein Festspielhaus, irgendwann nach dem Feierjahr 2020 wieder flüssig zu sein.
Doch bis dahin sind die aktuellen Strukturen und Köpfe der hiesigen Kultur Vergangenheit. Ob Bonner Sommer, die Konzerte auf dem Museumsplatz, Klaus Weise als Generalintendant des Schauspiels, nun die Rheinkultur, von den vielen kleineren Kulturstätten ganz zu schweigen – die Entscheider in Bonn lassen allmählich die Lichter der Kultur ausgehen.
Eines hat die Rheinkultur gestern auch klar gemacht: Das Organisationsteam um Holger Jan Schmidt und Sabine Funk steht nun keineswegs vor dem Nichts. Sie haben andere berufliche Standbeine, denn von der Rheinkultur konnte man – entgegen manchem Vorurteil – noch nie seine Existenz bestreiten. Für die Arbeit dort gab es allenfalls ein Butterbrot, reichlich Schulterklopfen von Künstlern und Fans, sie war im Kern ehrenamtlich, getragen von einer Idee.
Womit auch feststeht: Einfach so wird die Rheinkultur für die, die sich jetzt überrascht geben, nicht mehr zu haben sein.
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