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Literatur - 04. Februar 2010 - Thomas Glahn

Marcus Leifeld, Carl Dietmar: Alaaf und Heil Hitler

Karneval im Dritten Reich

224 Seiten mit 63 Abb.
Herbig, € 24,95
ISBN 978-3-7766-2630-8



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Was wäre Köln ohne Karneval, Freiburg ohne Fasnet, München ohne Fasching? In der fünften Jahreszeit stehen seit alters die Hierarchien Kopf, das Volk übernimmt die Herrschaft und Politik und Politiker werden dem Spott preisgegeben. Anders im Dritten Reich. Die Nationalsozialisten erkannten die einheitsstiftende Funktion des Karnevals und machten sich sein politisches Potenzial zunutze: In der Bütt wurden antisemitische Witze gerissen, Juden in Liedern und auf Mottowagen verhöhnt, Politiker des Auslands verspottet. Widerstand gegen die ideologische Vereinnahmung des Volksfestes gab es kaum.

Die Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld beleuchten ein dunkles Kapitel der Zeitgeschichte, in der die vielfältige und regional unterschiedliche Volkskultur reichsweit gleichgeschaltet und ideologisch instrumentalisiert wurde.

Bedingungsloser Optimismus, Heimatverbundenheit, kollektives Erleben im gemeinsamen Singen und Schunkeln – der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, die schwäbisch-alemannische Fasnet und der Münchener Fasching boten den Nationalsozialisten eine ideale Plattform, ihre politischen Ziele und ihre Ideologie innerhalb der angestrebten „Volksgemeinschaft“ zu propagieren.

Mit Zuckerbrot und Peitsche brachten sie die Karnevalisten dazu, das Brauchtumsfest zu einem wichtigen Tourismus- und Wirtschaftsfaktor auszubauen. Sitzungen und Umzüge wurden nach den Vorstellungen der Machthaber zu prunkvollen Großveranstaltungen umgeformt. Den Menschen sollte der Wiederaufstieg Deutschlands nach schwierigen Jahren der Weimarer Republik vor Augen geführt und den ausländischen Gästen ein friedfertiges und fröhliches Volk präsentiert werden.

Im Zuge der Gleichschaltung des Karnevals wurden all diejenigen, die aus der Sicht der Nationalsozialisten nicht zur Volksgemeinschaft gehörten, unerbittlich ausgegrenzt. Ganz besonders galt dies für jüdische Mitbürger, die zudem in Liedtexten und auf Motivwagen der Züge vielfach diffamiert wurden. Unangepasste Karnevalisten – Büttenredner sowie andere Künstler – setzte man massiv unter Druck. Regimekritische Narren wurden verhaftet, einige gar zum Tode verurteilt.

Die Autoren Carl Dietmar und Marcus Leifeld zeichnen ein differenziertes Bild des Karnevals in der NS-Zeit, beleuchten Formen der Anpassung wie Unangepasstheit und zeigen, wie sehr sich die Karnevalsgemeinschaft instrumentalisieren ließ.



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