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Medien, Sonstiges - Christiane Wiegand

Zwischen Pandora und Caprica

Bei der 19. FedCon stehen vor allem die Stargäste aus den unterschiedlichsten Science Fiction-Serien im Mittelpunkt. Die Kreativität der Fans ist jedoch die eigentliche Attraktion des Wochenendes.


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Dem Klingonen-Wachtrupp am Eingang entgeht nichts. Mit grimmiger Miene beäugt er die ankommenden Mitglieder der Enterprise-Besatzung, die Soldaten der imperialen Sturmtruppen und die diversen Stargate-Kommandos. Zugegeben, beim Anblick der wandelnden blauen Telefonzelle dürfte auch der erfahrenste Klingonenkrieger zweimal hingeschaut haben und auch die blauhäutigen Abgesandten der Na'vi vom fernen Planeten Pandora werden mit äußerst kritischen Blicken bedacht. Schließlich sind sie Neulinge und was von dem schamanistischen Volk mit den großen spitzen Ohren zu erwarten ist, weiß noch niemand.


Nein, wir befinden uns nicht auf einem intergalaktischen Gipfeltreffen, sondern im Bonner Maritim Hotel, wo mit der Federation Convention das größte Science Fiction-Fantreffen im europäischen Raum stattfindet. Ursprünglich auf die Star Trek-Serien beschränkt, hat sich die FedCon über die Jahre zum alljährlichen Mekka für die Anhänger der verschiedensten SciFi-Filme und -serien entwickelt. Am vergangenen Wochenende fand die Veranstaltung bereits zum neunzehnten Mal statt, die Planungen für das große Jubiläum im kommenden Jahr laufen schon auf Hochtouren, denn wie jeder alte Con-Hase weiß: FedCon-Besucher sind Wiederholungstäter und nach der Con ist vor der Con! Und so nutzten viele der Anwesenden die Möglichkeit, sich bereits für das nächste Jahr anzumelden. Dann wird die Convention erstmals im Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen zu Gast sein.


Im Mittelpunkt der FedCon standen auch in diesem Jahr die zahlreichen Stargäste. Neben Darstellern aus dem Star Trek Universum wie Michael Dorn oder Terry Farrell und Darstellern aus den Stargate-Serien, war in diesem Jahr die Besatzung des „Battlestar Galactica“ mit zahlreichen Schauspielern wie Luciana Carro oder Aaron Douglas vertreten. Viele der anwesenden Darsteller verdienen inzwischen mit dem Besuch von Veranstaltungen wie der FedCon ihren Lebensunterhalt, auf die Frage nach ihren neuesten Schauspielprojekten konnten nur die wenigsten von ihnen eine definitive Antwort geben.


Dass sich der Ruhm ihrer „Stars“ auf einen vergleichbar kleinen Kreis beschränkt, schien allerdings kaum einen Besucher der FedCon zu stören. Warum auch? Schließlich ging es an diesem Wochenende auch darum, sich selbst zu feiern, Gleichgesinnte zu treffen und für ein paar Tage ganz Fan zu sein. Dabei hatten es in diesem Jahr bedauerlicherweise nur wenige Fan-Aktivitäten ins offizielle Programm geschafft. Zwar wurde das ein oder andere Event kurzfristig durch Aushänge angekündigt, die Orientierung dürfte jedoch gerade Neulingen schwer gefallen sein. Hier vertrauten die Organisatoren ein wenig zu sehr darauf, dass der Großteil ihrer Klientel zum wiederholten Mal zur FedCon anreiste und gestalteten die Veranstaltung wenig einsteigerfreundlich.


Doch auch wenn man sich zwischen den zahlreichen, nur spärlich ausgezeichneten Räumen des Maritim ein wenig verloren fühlte, gab es auf der Federation Convention 2010 eine Menge zu sehen. Während die Stargäste auf der Bühne mal mehr, mal weniger enthusiastisch immer wiederkehrende Fragen beantworteten, waren vor allem die Fans selbst in ihren teils immens aufwändigen Kostümen die eigentliche Attraktion des Wochenendes. Beim Kostümwettbewerb auf der großen Bühne gaben sich farbenfrohe Außerirdische, militärisch-disziplinierte Sternentruppen, die „Men in Black“, Königin Amidala und Plüsch-Yoda die Klinke in die Hand und auf dem Hotelvorplatz versammelten sich eine weltrekordverdächtige Masse kostümierter Star Trek Fans.


Auch mit zahlreichen Fanfilm-Projekte traten SciFi-Anhänger aus Deutschland und dem Ausland in Bonn den Beweis ihrer Kreativität an. Während der Stargate-Fanfilm „Combination“ mit seiner leicht befremdlichen Story, einer Kombination aus Elementen aus allen zehn Staffeln der Serie „Stargate: SG-1“, trotz überzeugender Effekte den Eindruck eines Amateurfilms nicht ganz abschütteln konnte, beeindruckte das Team um Regisseur und Schauspieler James Cawley mit einer rundum stimmigen Fortsetzung der Stark Trek-Originalserie.


Mit „Star Trek: New Voyages – Phase II“ gelingt es Cawleys internationalem Team, nahtlos an die Qualität des Originals anzuschließen. Um so beeindruckender, da alle Kosten für das ambitionierte Projekt von den Fans selbst getragen werden und sie aus Gründen des Urheberrechts mit ihrer Arbeit kein Geld verdienen dürfen. Alle bisherigen Episoden sind kostenfrei zum Download auf http://www.startreknewvoyages.com verfügbar. Auf der FedCon präsentierte Kirk-Darsteller Cawley zwei neue Folgen der Serie, in der schon Star Trek-Legenden wie Walter Koenig in Gastauftritten zu sehen waren.


Auch das deutsche Projekt „Nydenion“, das sich über mehr als zehn Jahre von einem Fanfilm zu einem eigenständigen Science Fiction Film „made in Germany“ entwickelt hat, machte mit einem spannungsgeladenen Trailer neugierig auf mehr. Für den Film ist inzwischen ein Verleih gefunden worden und er wird Ende des Jahres in Gänze zu erleben sein.


Es bleibt zu hoffen, dass im Jubiläumsjahr 2011 wieder mehr Veranstaltungen von Fans für Fans Eingang in das offizielle Programm der FedCon finden und eine Alternative zu Autogrammstunde und Schauspieler-Panels bieten werden. Dass SciFi-Fans einiges auf die Beine stellen können, haben sie bereits in diesem Jahr bewiesen.


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