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Ausstellung - Christiane Wiegand

Zwischen Atelier und Bühne

Das August Macke Haus zeigt Werke des Malers und Bühnenbildners Egon Wilden.


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Unwetter am Rhein, o. J., Aquarell, 17 x 27 cm

Komposition mit Rechtecken und Parabel- und Spitzbogenformen, ca. 1923/24, Aquarell, 16,5 x 11,5 cm

Wassermühle, ca. 1930, Aquarell, 40 x 34 cm

Der 1894 in Düsseldorf geborene Künstler Egon Wilden gehört zu den vergessenen Talenten der zweiten Generation des Rheinischen Expressionismus. Obwohl es ihm aus finanziellen Gründen unmöglich war, als freier Künstler zu arbeiten, hinterließ er bei seinem frühen Tod im Jahr 1931 ein umfangreiches Werk, welches lange in Privatbesitz verblieb. Durch eine Schenkung an das Kunstmuseum Ahlen war es Kunsthistorikern jüngst erstmals möglich, ein umfassendes Werkverzeichnis zu erstellen und die Werke Wildens in einer großen Retrospektive der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nun zeigt das Bonner August Macke Haus mit rund 100 Werke aus der Ahlener Ausstellung sowohl das freikünstlerische als auch das bühnenbildnerische Werk Egon Wildens.

Unter dem Titel „Zwischen Atelier und Bühne“ präsentiert die Bonner Ausstellung Wilden als beträchtliches Talent auf der Suche nach seiner künstlerischen Identität. Die meist kleinformatigen Werke lassen eine breite Palette an Einflüssen und Themen erkennen, die sich mit unterschiedlichen Stationen im Leben Wildens in Bezug setzen lassen. So wandte er sich beispielsweise nach seiner Rückkehr als Soldat aus dem ersten Weltkrieg der Figurenmalerei mit überwiegend religiöser Thematik zu, um die traumatischen Erlebnisse des Krieges künstlerisch zu verarbeiten. Aus dieser Zeit stammen allegorische Werke mit Titeln wie „Qual“ und „Erlösung“, die in den dargestellten hageren, unnatürlich in die Länge gezogenen Körpern den Einfluss des Manierismus erkennen lassen. Ebenfalls aus dieser Phase seines künstlerischen Schaffens stammt das wohl beeindruckendste Exponat der Ausstellung: das Holzmodell einer Kapelle, deren Glasfenster Egon Wilden mit religiösen Motiven im expressionistischen Stil gestaltete. Der gekreuzigte Christus erscheint hier als manieristischer Schmerzensmann in lichtdurchfluteten Farben.

Neben der Porträt- und Figurenmalerei bildet die Landschaftsmalerei einen weiteren Schwerpunkt im Werk Egon Wildens. Mal in düsteren, mal in strahlenden Farben beschäftigte sich der Maler vor allem mit dem Waldesinneren mit seinen fast architektonisch wirkenden Baumsäulen. Auffällig ist auch hier die Vielfalt der stilistischen Einflüsse bei gleich bleibendem Motiv. So wirken einige der starkfarbigen Werke beinahe pointillistisch, während andere die Grenzen zwischen Gegenständlickeit und Abstraktion erforschen.

Aus Wildens Zeit als Bühnenbildner im Dienste des reußischen Fürsten in Gera stammen seine einzigen ausschließlich abstrakten Arbeiten, die in ihrem Spiel mit Farben und geometrischen Figuren an Kandinsky erinnern. Auch wenn Egon Wilden die abstrakte Malerei nach seiner Rückkehr aus Gera nicht weiter verfolgte, zeigt diese kleine Werkgruppe ihn als experimentierfreudigen Künstler, dessen Stil keineswegs gefestigt war.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der bühnenbildnerischen Arbeit Egon Wildens. Insgesamt existieren circa 800 Entwürfe zu rund 200 Inszenierungen aus den Bereichen Musik- und Sprechtheater. Die Entwürfe, die stellenweise starke Einflüsse des Art Déco aufweisen, bedienen sich aufgrund finanzieller Einschränkungen immer wiederkehrender Elemente und Formen, sogenannter Module, die in unterschiedlicher Anordnung in mehreren Inszenierungen Verwendung fanden. Bedauerlicherweise ist es dem Besucher nur in einem einzigen Fall möglich, den Entwurf mit seiner Umsetzung, einem Foto der tatsächlichen Inszenierung, zu vergleichen. Dennoch lassen bereits die Entwürfe erkennen, warum Egon Wilden schon zu Lebzeiten als innovativer Bühnenbildner anerkannt und gefragt war, ein Ruhm, der ihm als freier Künstler verwehrt blieb.

Wie ein roter Faden ziehen sich großformatige Porträts von Familienmitgliedern Wildens durch die gesamte Ausstellung. Diese, im Stil der Neuen Sachlichkeit gehaltenen, Werke gehören zu den wenigen Ölgemälden Wildens und bilden stilistisch wie auch thematisch einen Kontrast zu den kleinformatigen, oft auf Reisen entstandenen Aquarellen und Pastellwerken. Trotz des kleineren, unspektakuläreren Formats bleiben es jedoch letztere Werke, die in Erinnerung bleiben, als eindrucksvolle Illustration einer Künstlerpersönlichkeit auf der Suche.

Mit der aktuellen Ausstellung ist dem August Macke Haus in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Ahlen eine Entdeckung gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass sie den Anfang einer Neuevaluation des Werkes Egon Wildens markieren wird, des Werkes eines beeindruckend wandelbaren Künstlers, der zu Unrecht der Vergessenheit anheim gefallen ist.

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