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Kino - Michael Hermann

Zeit zum Innehalten

In Alexander Paynes Drama „Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)“ muss ein gegen sein Rollenklischee besetzter George Clooney familiäre Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen.


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Nein, „The Descendants“ ist kein Surf-Film mit George Clooney als Beach-Beau. (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Matt King (George Clooney) mit Töchtern Alexandra (Shailene Woodley) und “Scottie” (Amara Miller). (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Ein unangenehmer Besuch bei den Schwiegereltern: Matt (George Clooney) mit Tochter Alexandra (Shailene Woodley) und Elizabeths Vater Scott (Robert Foster) und Mutter Alice (Barbara L. Southern). (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Matt (George Clooney) und seine Töchter (Shailene Woodley, Amara Miller) genießen einen außergewöhnlichen Anblick. (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Alexandra (Shailene Woodley) und Freund Sid (Nick Krause) sind gespannt, wie es weitergeht. (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Matt (George Clooney) hat den Nebenbuhler aufgespürt und beobachtet nun dessen Haus. (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

Cousin Hugh (Beau Bridges) und Matt (George Clooney) verhandeln über ein Stück Land. (Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox)

George Clooney als gehörnter Ehemann – das ist mal etwas anderes. Und in einer ungewöhnlichen Konstellation: Anwalt Matt King (Clooney) erfährt von Ehefrau Elizabeths (Patricia Haistie) Untreue erst, nachdem sie infolge eines Sportunfalls in ein Koma gefallen ist, aus dem sie nicht wieder erwachen wird. Und Elizabeth hatte eine Patientenverfügung unterschrieben, die die Angehörigen für einen solchen Fall zum Abschalten der Geräte zwingt.

Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants) ist ein Film über das Innehalten, Sich-in-Frage-Stellen, Abschiednehmen und Weitermachen-Müssen. Am Anfang steht Matts Erkenntnis, dass sein Eheleben schon geraume Zeit vor dem Unfall nicht mehr intakt gewesen sein kann. Was Kai (Mary Birdsong) und Mark (Rob Huebel), ihren beiden besten Freunden, natürlich längst klar war. Und auch seiner ältesten Tochter Alexandra (Shailene Woodley), die ihm nun nach dem Unfall offenbart, dass sie Elizabeth seinerzeit mit einem Mann in dessen Haus verschwinden sah, weswegen ihr Verhältnis zu ihrer Mutter von diesem Zeitpunkt an völlig zerrüttet war. Im Angesicht des unvermeidlichen Ablebens von Elizabeth gilt es für Matt nun, das Verhältnis zu seinen beiden Töchtern wieder ins Lot zu bringen und jede Menge andere Angelegenheiten zu klären. Zum Beispiel, den unbekannten Liebhaber (Matthew Lillard) aufzuspüren und mit den Tatsachen zu konfrontieren.


Woche der Entscheidungen

Das Geschehen spielt sich auf zwei hawaiianischen Inseln ab. Dieser  für Filme abseits von Kriegsdramen eher ungewöhnliche Schauplatz beeinflusst Aussehen und Wirkung der Geschichte. Die Bilder scheinen – in Verbindung mit dem zweiten Handlungsstrang des Plots – manchmal wie aus einem Werbefilm für alternatives und  nachhaltiges Reisen entnommen. Denn parallel zur Regelung der Familienangelegenheiten muss Anwalt Matt sich mit einer ganzen Schar seiner Cousins über die weitere Verwendung eines Stücks Land verständigen, das unter die Kategorie „unberührtes Paradies“ fällt und von ihm als Treuhänder verwaltet wird. So gerät die Reise zur Nachbarinsel zu einer Woche der Entscheidungen, die Matt dazu zwingt, sein eigenes Selbstverständnis zu überdenken und in mehrfacher Hinsicht Verantwortung (neu) zu übernehmen.

Wie schon in Sideways und About Schmidt nimmt sich Regisseur und Drehbuch-Koautor Alexander Payne Zeit für seine Geschichte(n). Das Tempo ist eher gemächlich, gehetzt wird hier nicht – mit Ausnahme einer Szene, in der Matt zum Haus von Kai und Mark sprintet, nachdem er gerade von Tochter Alexandra erfahren hat, dass es diesen Nebenbuhler gibt, und nun von den beiden wissen will, um wen es sich handelt.


Viel Zeit für Geschichte und Figuren

Payne verweilt länger, als andere es tun würden, auf Bildern und Szenen, was zum offensichtlich entspannt-unaufgeregten Lebensstil auf den Inseln zu passen scheint. Und analog zu Sideways setzt der Regisseur auch hier wieder ausgiebig auf den Einsatz von Musik. Dem Tempo und Rhythmus von The Descendants entsprechend unterlegen gepflegte laid-back-Gitarrenklänge die Bilder, allerdings ohne auf typische Hawaiigitarren-Art die Saiten zum Singen zu bringen.

Dieser Regiestil ist Geschmackssache. Wie bei Paynes vorangegangenen Werken bleibt auch nach The Descendants der Eindruck haften, keinen schlechten Film mit einer durchaus tragfähigen, so nicht schon x-mal erzählten Geschichte gesehen zu haben, die von einem kompetenten Schauspielerensemble – aus dem auch Beau Bridges, Robert Foster, Judy Greer, Nick Krause und Amara Miller erwähnt werden sollten – umgesetzt wurde. Die sich allerdings auch immer wieder in die Länge zieht und der das gewisse Etwas abgeht. Etwas, das einen wirklich herausragenden Film vom guten Durchschnitt unterscheidet und in der Erinnerung verankert. Unter dem Strich steht so eine Empfehlung mit einigen Einschränkungen.


Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants) - Regie: Alexander Payne, mit: George Clooney, Judy Greer, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster u. a., USA 2011, 115 Min., FSK 12 J., Kinostart: 26. Januar 2012.


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