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Theater, Kinder - Christiane Wiegand
Zeit ist Geld, also spare!
Das Junge Theater Bonn spielt Michael Endes „Momo“: eine fantasievolle Inszenierung mit einigen unnötigen Längen.
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Signore Fusi hat ein Problem. Sein Guthaben ist aufgebraucht und alles, was ihm bleibt, sind eine Menge Nullen unter dem Strich. Null Jahre. Null Tage. Null Minuten. Zeit etwas zu unternehmen, meint der Herr in grau, der sich als Abgesandter der Zeitsparkasse zu erkennen gibt. Zeit zu sparen. Denn zugegeben, Friseur Fusi hat es mit seiner Zeit in der Vergangenheit nicht so genau genommen. Ein Besuch bei der Liebsten hier, ein Gläschen Wein dort und nicht zu vergessen, die allabendliche Bettlektüre. Verlorene Zeit!
Doch was bleibt übrig von einem Menschen, der all die kleinen zeitverschwenderischen Freuden aus seinem Leben streicht? Was bleibt ohne die Besuche bei den Freunden und der Liebsten und ohne die Lektüre am Abend? Nichts als eine graue Hülle, ökonomisch-effizient, doch herz- und leblos. So leichenfahl, so gesichtslos-anonym wie die grauen Herren von der Zeitsparkasse.
Was macht einen Menschen aus? Was macht ihn menschlich, was unterscheidet ihn von einer bloßen Marionette? Diese Fragen stehen im Zentrum von Michael Endes Kinderbuchklassiker „Momo“, den das Junge Theater Bonn nun in einer Bearbeitung von Moritz Seibert auf die Bühne gebracht hat. Nah am Original erzählt das Stück eine zeitlose Geschichte über die Macht der Freundschaft und den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen und ist damit aktueller denn je, in einer Zeit, in der der Mensch vor allem an seiner Effizienz gemessen wird.
Regisseur Andreas Lachnit und sein Ensemble aus erwachsenen Schauspielern und jungen Laiendarstellern erwecken die Geschichte mit viel Fantasie und jeder Menge kreativen Einfällen zum Leben. So gehören ein spielerisches Abenteuer auf hoher See, Momos Unterhaltungen mit der Schildkröte Kassiopeia und schließlich der Besuch des Mädchens in seinem eigenen Herzen, dem Ort, an dem alle Zeit ihren Anfang nimmt, zu den fesselndsten und auch visuell ansprechendsten Momenten der Inszenierung.
Mit einer Länge von rund zwei Stunden ist die Produktion jedoch gerade für ein junges Publikum deutlich zu lang ausgefallen. Besonders zu Anfang des Stückes wirken einige Szenen übertrieben in die Länge gezogen. Radikalere Kürzungen hätten dem Stoff zu deutlich mehr innerer Spannung und Geschlossenheit verholfen, denn was beim Lesen fesselt, macht sich nicht zwangsläufig gut auf der Theaterbühne. So fällt beispielsweise die Vorstellung der einzelnen Dorfbewohner unnötig ausgiebig aus und der ein oder andere witzige Einfall wirkt in der Wiederholung redundant und überstrapaziert.
Während die Kinderdarsteller durch eine hinreißende Natürlichkeit begeistern, verfallen ihre erwachsenen Kollegen allzu oft in den übermäßig plakativen Gestus, der vor allem im Kindertheater auch heute noch viel zu oft anzutreffen ist. Hier wünscht man sich ein wenig mehr Mut zu leisen Tönen und ein wenig mehr Vertrauen in die Fähigkeit des jungen Publikums, Handlungen und Emotionen auch ohne darstellerische Übertreibung und Überspitzung begreifen zu können.
Angesichts der ungekünstelten Leichtigkeit, mit der die Jungen und Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren, allen voran die 11-jährige Justine Anthony in der Titelrolle, ihre Charaktere verkörpern, mag man kaum glauben, dass einige von ihnen noch nie zuvor auf einer Bühne gestanden haben. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die erwachsenen "Profis" hier etwas von den Kindern zu lernen haben, nicht umgekehrt.
„Momo“ ist eine über weite Strecken gelungene Bühnenadaption mit kleinen Schönheitsfehlern, die sich jedoch ohne größere Probleme ausmerzen lassen dürften, sodass einer langen und erfolgreichen Laufzeit nichts mehr im Wege steht. Die Produktion ist ab heute im Jungen Theater Bonn in Beuel zu sehen.
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