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Kabarett - Melanie Maier
"Wir glauben Alles und wissen gar Nichts!"
So sprach Serdar Somuncu am Sonntagabend zum Volk im Pantheon. Ein zwiespältiges Erlebnis.
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Die ständig wiederkehrende Hitlerimitation ("Wollt ihr den totalen Fick?") des selbsternannten Hasspredigers war nur ein kleiner Teil der Darbietung des türkischstämmigen Deutschen, der sich für "deutscher als die Deutschen" und einen "größeren Nazi als die Nazis" hält. Obwohl Serdar Somuncu vorgab, den Titel seines Bühnenprogrammes - "Hassprediger - Ein demagogischer Blindtest" nicht erfüllen zu wollen, hat er es doch getan. Zumindest in der ersten Hälfte seines Programms.
Abwechselnd bewegt er sich hier zwischen hohem zu flachem Niveau, in der Wort- wie in der Themenwahl. Diese orientiert sich an Bekanntheitsgrad und Aktualität. So zog Serdar über den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche ("Nein, waren wir überrascht!"), die vorgeschlagene Traumatherapie Guttenbergs für heimkehrende Afghanistan-Soldaten ("Die beste Therapie wäre: Frieden!") oder den Selbstmord Robert Enkes ("Steht es jetzt 1:0 für die Bahn?") her.
Um ihm zu folgen, war Vorwissen gefragt. Nicht jedoch, wenn Herr Somuncu über Alltägliches wie Studi-"KZ" und Facebook-Nichtigkeiten lästerte: "Thomas hat eine Kackwurst geschissen. Möchtest du den Geruch mit ihm teilen?".
Schon allein an diesem (vergleichsweise harmlosen) Satz wird klar, dass der Comedian oftmals verbale Schläge unterhalb der Gürtellinie verteilte. Wahlweise ordinär oder vulgär, brachte er das Publikum vor Ekel zum Stöhnen. Und schoss damit übers Ziel hinaus. In dieser Hinsicht gab es auch keinen Bruch bei Lautstärke, Mimik und Gestik.
Soweit der sozial- und systemkritische erste Teil des Abends. In der zweiten Hälfte seiner Darbietung breitete Somuncu seine "Lebensgeschichte" aus. Anspruch hatte das Programm nun keinen mehr.
Immer wieder fluchend, macht der Kabarettist nun vor keinem Tabu mehr Halt. Sein oberstes Ziel: Den Zuschauer schocken, den er für von der ihn umgebenden Medienwelt abgestumpft und uninformiert hält.
Dies führt zu ständiger Bezugnahme etwa auf das Thema Kindesmissbrauch. Und hier sollte man sich einmal fragen, wie schockierend es ist, dass die Mehrzahl im Saal über so etwas lacht. In dieser Hinsicht bezeichnet sich Somuncu "nur ein minimales Abbild der Medienrealität". Damit hat er traurigerweise vielleicht sogar Recht.
Den Abend hatte Serdar Somuncu mit einem Rap über die "Hure Bonn" begonnen, ein Vorgeschmack auf die Show. Die Provokation, getarnt als Beleidigung, ist sein bevorzugtes Mittel, das er in gefühlten 75 Prozent seiner Darbietung einsetzt. Auch das Publikum verschont er dabei nicht: Sein Trinkwasser spritzt er in die Menge, und eine Frau mit einem etwas außergewöhnlichen Lachen schreit er schließlich sogar an: "Halt endlich die Fresse!!!". Nur lustig für die, die nicht betroffen sind.
Manchen ging dieser Stil eindeutig zu weit. Einige Gäste kehrten nach der Pause nicht wieder zurück. Bei anderen wiederum hat Herr Somuncu eindeutig den Lachnerv getroffen. Der Mehrzahl des Publikums gefiel die Mischung aus Derbheit und Ernsthaftigkeit. Er ist und bleibt Geschmackssache, jemand, der Streit provozieren will.
Sympathisch macht Serdar Somuncu, dass er sich von seiner ironischen, satirischen, zynischen und mitunter bösen Kritik nicht selbst ausschließt - kein Volk und keine Religion verschont er. Nichts und niemand ist vor ihm sicher.
Wer herauszufinden möchte, zu welchem Teil des zwiegespaltenen Publikums er sich zählt, hat dazu noch bis Ende des Jahres Zeit. So lange ist der "Hassprediger" mit seinem Programm auf den Kabarettbühnen Deutschlands unterwegs.
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