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Musik, Kulturarbeit - Christiane Wiegand

Triumph der Virtuosität

Beim Abschlusskonzert des Deutschen Musikwettbewerbs 2010 beweisen die jungen Preisträger, dass sie die Konkurrenz zurecht hinter sich gelassen haben. Die Preisverleihung hingegen ist wenig professionell und unnötig in die Länge gezogen.


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Preisträger Alexej Gerassimez mit dem Präsidenten
des Deutschen Musikrats, Prof. Martin Maria Krüger

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Preisträger des DMW 2010 mit dem
Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch

Preisverleihungen bei Klassikwettbewerben sind ein Thema für sich. Wie den Eindruck eines kommerziellen Events vermeiden ohne in die Falle der Langeweile zu tappen? Wie auf dem schmalen Grat zwischen Anspruch und Unterhaltung balancieren ohne dabei allzu überholt-elitär zu wirken oder aber auf das Niveau einer Fernsehcastingshow abzurutschen? Wie die zahlreichen Sponsoren berücksichtigen, sie alle zu Wort kommen lassen, ohne die Veranstaltung unnötig in die Länge zu ziehen? Ein schwieriges Unterfangen voller Probleme, die leider auch die Organisatoren der Preisverleihung des diesjährigen Deutschen Musikwettbewerbs nicht zufriedenstellend zu lösen vermochten.


Es wurde viel geredet an diesem Abend, der eigentlich im Zeichen der Musik hätte stehen sollen. Der Präsident des Deutschen Musikrats, der Bonner Oberbürgermeister und die Stifter zahlreicher Sonderpreise, sie alle hatten viel zu sagen, jedoch wenig wirklich Neues mitzuteilen. Dass Musik als Fach in der Grundschule nicht abgeschafft werden sollte, dass die Stadt Bonn den musikalischen Nachwuchs fördern und auch weiterhin Kulturstandort sein möchte, das hat man alles schon gehört. Juryvorsitzender Prof. Wolfgang Gönnenwein setze gar zu einer teils unverständlich-konfusen Abhandlung über die Musik als menschliche Schlüsselqualifikation und ihre Notwendigkeit für die „Ökologie des Geistes und der Seele“ an. Aber wo blieb da die tatsächliche Musik? Wo blieben die Preisträger, die sich in zahlreichen Vorausscheidungen gegen ihre Mitstreiter durchgesetzt hatten und eigentlich im Mittelpunkt der Veranstaltung hätten stehen sollen?


Zugegeben, eröffnen durfte den Abend vor dem kollektiven Redeschwall die diesjährige Stipendiatin Anna-Victoria Baltrusch an der lange vernachlässigten und daher nicht ganz einwandfrei funktionierenden Orgel der Beethovenhalle. Ihr stellenweise ein wenig stolpernd und verkrampft wirkendes Spiel bei der Darbietung von Johann Sebastian Bachs Praeludium und Fuge in g-moll dürfte der mangelhaften Pflege des Instruments geschuldet gewesen sein. Wo das störrische Instrument einwandfrei funktionierte, ließ die junge Musikerin ein beträchtliches Talent im Umgang mit der - häufig als „Königin der Instrumente“ bezeichneten - Orgel erkennen.


Während der formelle Teil des Abends die Nerven der Zuschauer unnötig strapazierte, vermochte der musikalische Teil fast uneingeschränkt zu begeistern. Preisträger Alexej Gerassimez bewies mit Rolf Wallins Konzert für Solo Percussion und Orchester aus dem Jahr 2006, dass er die Konkurrenz beim Deutschen Musikwettbewerb 2010 zurecht dominiert hat. Sein Spiel alternierte zwischen Solos von atemberaubender Virtuosität und sphärisch anmutenden Klangteppichen und stellte unter Beweis, dass die Schlaginstrumente in ihrer solistischen Tauglichkeit traditionsreicheren Soloinstrumenten inzwischen in nichts mehr nachstehen. Das Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Mihkel Kütson konnte zeigen, dass es nicht nur in der Musik von Mozart und Beethoven, sondern auch in modernen und modernsten Kompositionen durchaus zuhause ist.


Norbert Anger am Violoncello präsentierte zum Abschluss der Veranstaltung eine differenzierte, facettenreiche Interpretation von Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur. In den halsbrecherisch-schnellen Passagen des ersten Satzes bewies er eindrucksvolle Sicherheit und totale Beherrschung seines Instruments, während er im moderato die emotionale Tiefe des Werkes auf berührende Art und Weise auslotete. Ein versöhnlicher Abschluss eines stellenweise doch recht anstrengenden Abends.


Es bleibt zu hoffen, dass die Organisatoren dieses und anderer Wettbewerbe in Zukunft der Musik selbst ein wenig mehr Aussagekraft zutrauen, den Künstlern, die sie mit Veranstaltungen wie dem Deutschen Musikwettbewerb fördern wollen, ein wenig mehr Raum einräumen. Denn ihre Kunst bedarf nicht vieler Worte, um zu überzeugen. Die Musik spricht für sich selbst.


Das Abschlusskonzert wurde von WDR 3 aufgezeichnet und ist am 19. April um 20:03 Uhr im Deutschlandradio Kultur und am 16. Mai um 21:05 Uhr als Konzertdokument der Woche im Deutschlandfunk zu hören.


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