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Kino - Michael Hermann

Spielberg (self-)reloaded

Mysteriöses geschieht in einer ländlichen US-Kleinstadt. Eine Gruppe von Jugendlichen nimmt sich der Sache an. Sci-Fi-Klassiker wie „E.T.“ standen Pate bei J. J. Abrams vorzüglichem „Super 8“-Film.


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„Super 8“ taucht in Steven
Spielbergs Sci-Fi-Kosmos ein –
spannend und witzig. (Bild:
Paramount)

Super 8 weckt mit seinen erstklassigen Referenzen gute Erinnerungen: Neben E.T. – der Außerirdische, Unheimliche Begegnung der dritten Art (beide von Steven Spielberg inszeniert) und den Goonies finden sich auch Alien-Spurenelemente in J.J. Abrams Film wieder. Davon abgesehen fungierte Spielberg höchstpersönlich als Produzent und konnte sich so quasi selbst beklauen. Denn die Mixtur, die Abrams als Drehbuchautor und Regisseur hier angerührt hat, ist schon ziemlich Spielberg-like – aber sie stimmt. Ein Film, wie ihn der Meister Ende der 70er / Anfang der 80er selbst ganz ähnlich inszeniert hätte, freilich angereichert um moderne Spezialeffekte.

Die entlang von gängigen Sci-Fi-, Thriller- und Mystery-Mustern erzählte Geschichte spielt im Jahr 1979 in einer fiktiven Kleinstadt namens Lillian in Ohio. Eine Gruppe von sechs Jugendlichen um die 13 Jahre dreht mit einer Super-8-Kamera einen Streifen, der Genres wie Krimi, Melodram und vor allem Zombiefilm verwurstet.

Ihr dicklicher Regisseur Charles will möglichst protzige „Schauwerte“ („production values“), also drehen sie eines späten Abends an einer stillgelegten Bahnstation ein paar Szenen und warten darauf, dass ein vorbeirasender Zug für „Schauwerte“ sorgt. Die liefert er tatsächlich, denn er entgleist, nachdem sich ihm ein Auto auf den Schienen entgegengestellt hat – in der Tat eine imposante Action-Szene.


„Smart Kids“ und Erwachsene mit langer Leitung

Inmitten eines infernalischen Trümmerfelds finden die Kinder in dem Auto ihren schwer verletzten Biologielehrer Dr. Woodward. Der wusste offenbar um ein düsteres Geheimnis des Zuges und schickt sie mit vorgehaltenem Revolver fort, als Militär anrückt. Vorher schärft er ihnen ein, mit niemandem über das zu sprechen, was sie gesehen haben. Dazu gehören unter anderem seltsam geformte, würfelähnliche Gegenstände – und später zeigt sich auf dem erhaltenen Filmmaterial der umgestürzten Super-8-Kamera auch noch schemenhaft ein unheimliches Etwas, das aus dem zerstörten Zug entweicht.

In der Folgezeit geschieht in und um Lilian immer mehr Mysteriöses. Dinge, Menschen und Tiere verschwinden, Paranoia greift um sich („Das waren die Sowjets!“). Also müssen die Kinder ran und Detektiv spielen. Die Erwachsenen sind, wie meist in solchen Filmen, zunächst ziemlich begriffsstutzig.

Parallel zur Film- und Detektivarbeit entwickelt sich die langsame Annäherung zwischen dem weiblichen „Star“ Alice Dainard und „Maskenbildner“ Joe Lamb. Deren Väter sind verfeindet wegen des noch nicht lange zurück liegenden Unfalltodes von Joes Mutter, an dem Vater Dainard nach Ansicht von Vater Lamb die Schuld trägt, weshalb sie ihrem jeweiligen Nachwuchs den Umgang miteinander verbieten wollen (auch das eine klassische Konstellation).


Effekte im Dienst der Story – bestes „Old School“-Kino

Im Spiel und Umgangston der Jugendlichen spiegelt sich oft auf vergnügliche Weise das Verhalten von Erwachsenen und wird ein ironischer Seitenblick auf das Filmemachen geworfen. Etwa, wenn Regisseur Charles gesteht, dass er Alice keineswegs nur aus künstlerischen Gründen am „Set“ haben wollte und nun eifersüchtig die Liaison zwischen ihr und seinem Maskenbildner und Nebendarsteller Joe ertragen muss.

Auch wird die oftmals sinnentleerte Sprache von Action-Filmen in einer Szene gründlich durch den Kakao gezogen. Die vorzüglichen jugendlichen Darsteller, allen voran die hochbegabten Elle Fanning (Alice) und Joel Courtney (Joe), tragen ihren Teil dazu bei, aus Super 8 einen packenden und unterhaltsamen Film zu machen.

So funktioniert das, Michael Bay (Transformers): Katastrophen, Ballereien und Alles-in-Schutt-und-Asche-legen nehmen Zuschauer nur mit, wenn sie Sympathien für die Hauptfiguren entwickeln können. Dann ist Regie-Handwerk mit dosierten Effekten aus der digitalen Hexenküche allemal in der Lage, Spannung zu erzeugen und 3D-Overkill locker zu übertrumpfen. Zumal die Gestalt des unheimlichen Monsters in guter alter Alien-1-Tradition erst peu à peu enthüllt wird und es in erster Linie seinen Heimflug buchen will (Anspielung auf E.T.), weil es von den Erdlingen – insbesondere vom Militär, das mit ihm Experimente veranstaltete – gründlich die Nase voll hat.

Der witzige Super-8-Zombiefilm der Kinder wurde übrigens auch fertig gestellt und wird dem Publikum nicht vorenthalten. Wer das Kino vor dem Abspann verlässt, verpasst etwas.


Super 8, Regie: J. J. Abrams, USA 2011, 112 Min., Kinostart: 4. August 2011, in Bonn im Kinopolis.


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