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Ausstellung - Christiane Wiegand

Spiegelbilder und Gegensätze

Das Arp Museum zeigt erneut Werke aus der Sammlung Rau. In der aktuellen Ausstellung steht die Person des Sammlers im Mittelpunkt.


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Jan Siberechts, Das Kabinett eines Kunstliebhabers,
1661-1672 © Sammlung Rau für UNICEF
(Foto: Horst Bernhard)

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Gerrit Dou, Die Köchin, 1660-1665
© Sammlung Rau für UNICEF
(Foto: Horst Bernhard)

"Ich habe den Eindruck, dass ich in meinem Leben nicht sehr viele große Männer getroffen habe, aber dies ist sicher einer", sagte der UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov einst über den passionierten Kunstsammler und Kinderarzt Gustav Rau und man ist geneigt, ihm recht zu geben. 1922 als Sohn einer Industriellenfamilie in Stuttgart geboren, gab er die Sicherheit des Familienbetriebs auf, um als Kinderarzt in Afrika tätig zu werden. Neben der Arbeit in dem von ihm errichteten Krankenhaus im Ostkongo reiste Rau zu Kunstauktionen in der ganzen Welt. Am Ende seines Lebens hatte er so eine beeindruckende Sammlung von mehr als 800 Werken aus den verschiedensten Epochen zusammengetragen. Um die Fortsetzung seines Lebenswerk auch nach seinem Tod zu garantieren, vermachte er die umfangreiche und wertvolle Sammlung dem Kinderhilfswerk UNICEF. Während zahlreiche Werke nach und nach zugunsten des Hilfswerks verkauft werden sollen, stellt UNICEF die Hauptwerke der Sammlung Rau dem Rolandsecker Arp Museum als langfristige Leihgabe zur Verfügung.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Kunstkammer Rau“ zeigt das Museum in eigens dafür eingerichteten Räumlichkeiten ausgewählte Werke der Sammlung. Nach Meisterwerken der italienischen Kunst aus fünf Jahrhunderten steht in der aktuellen Ausstellung nun die Person des Sammlers Gustav Rau im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Das Auge des Sammlers“ erforscht sie abseits eines kunsthistorischen Ansatzes die Beziehungen und Wechselwirkungen der gezeigten Werke.

Im Zentrum der Ausstellung befindet sich ein Gemälde des niederländischen Malers Jan Silberechts mit dem Titel „Das Kabinett eines Kunstliebhabers“. Es zeigt einen Kunstsammler und seine Frau inmitten ihrer Sammlung aus Gemälden und Skulpturen. Dieses zentrale Gemälde wird in der „Kunstkammer Rau“ lebendig. Spiegelbildhaft findet der Betrachter in den um das Werk Siberechts herum angeordneten Gemälden die Motive aus dem „Kabinett des Kunstliebhabers“ wieder. Da sind die ländliche Szene und mehrere Stillleben genauso wie das Porträt und die Schiffe mit ihren windgeblähten Segeln. Sogar ein gerahmtes Stück Wildledertapete ist zu sehen, dessen Muster der Tapete auf Silberechts Gemälde zum Verwechseln ähnlich sieht. Mit diesem Mikrokosmos der holländischen Malerei des 17. Jahrhunder wird die Sammlung Rau hier eindrucksvoll in die Tradition der großen historischen Kunstkabinette gestellt.

Ergänzt wird der zentrale Raum durch einen Sekretär aus Raus Privatbesitz, der die körperliche Anwesenheit des Sammlers suggeriert, sowie durch eine Skulptur des Rolandsecker „Hausherrn“ Hans Arp. Deutlich greifbar wird hier das, was laut Kurator Klaus Gallwitz ein zentrales Anliegen der aktuellen Ausstellung darstellt: Kunst existiert niemals in Isolation; es sind vielmehr die Beziehungen der Werke untereinander, ihre Ähnlichkeiten und Kontraste, die sie lebendig werden lassen.

In den weiteren Räumen sind die Werke ebenfalls in thematischen Gruppen angeordnet. So trifft beispielsweise die Opulenz reich gedeckter Tafeln auf die Armut der einfachen Bevölkerung, wie sie beispielsweise Gerrit Dou in seinem Gemälde „Die Köchin“ zeigt. Der Bezug zur Biographie des Sammlers ist auch hier unübersehbar: Gustav Rau kannte die illustre Welt der wohlhabenden Kunstsammler genauso wie die Armut der Kinder in Afrika, mit der er tagtäglich in Berührung kam.

In ihrer Gesamtheit überzeugt die Ausstellung vor allem durch ihren interessanten Ansatz und ihren Kontrastreichtum. Durch den Verzicht auf eine strikt kunsthistorische Anordnung treten die gezeigten Werke in einen Dialog miteinander und erzeugen so eine Spannung, die man in dieser Intensität nur selten findet. Der Besucher erlebt die Kunstwerke nicht durch die Augen des Museumsdirektors oder Kunsthistorikers, sondern im wahrsten Sinne des Wortes durch das „Auge des Sammlers“.

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