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Kino - Michael Hermann

Retro-Comic

Das Duell zwischen Rötger Feldmanns Alter Ego Werner und Wirt Holgi geht mit „Werner Eiskalt“ in eine neue Runde.


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Der Beginn einer lebenslangen Rivalität. (Bilder: Constantin Film)

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Die wichtigsten Elemente der Werner-Welt.

Seit 30 Jahren kreist das zeichnerische Oeuvre von Rötger Feldmann alias Brösel um ein Horex-Motorrad und einen roten Porsche, die von knollennasigen Comicfiguren mit Riesenbeißern gesteuert werden. Mit Werner Eiskalt geht das Duell zwischen Feldmanns Alter Ego Werner und Wirt Holgi nun zum Jubiläum in eine neue Runde.

„Saufen, Rauchen, Frauen! Das ist heute total out!“, belehrt Brösels gerissener, geschäftstüchtiger Verleger Seidel (angemessen schmierig dargestellt von Richard Sammel) seinen Meisterzeichner. Persönlich fände er die Entwürfe zum neuen Werner-Abenteuer zwar grandios, aber verkaufen könne man das nicht mehr, denn die Kids wollten ja nur noch Manga.

Tief deprimiert schleicht Brösel von dannen und beschließt, es seiner Schöpfung Werner gleichzutun und erst mal Urlaub auf Korsika zu machen. Nach einem missglückten „Flachköpper“ am Strand wird er für tot erklärt und im Leichenschauhaus auf Eis gelegt, woraufhin in der Heimat auf einmal wieder ein neues Werner-Fieber ausbricht und seine Rockerfreunde sich nach Korsika aufmachen, um die vermeintliche Leiche nach Hause zu bringen. Derweil Verleger Seidl sich die Hände reibt …

Werner Eiskalt ist eine Mischung aus Real- und klassischem Zeichentrickfilm, für deren Animationsteil Feldmann/Brösel selbst verantwortlich zeichnet, während in den Spielszenen Routinier Gernot Roll Regie (und die Kamera) führte. Die nunmehr fünfte „Werner“-Verfilmung legt furios los, mit einem animierten Kinderwagen-Duell der ewigen Rivalen Werner und Holgi.

Seine stärksten Szenen hat der Film im bereits erwähnten Realfilm-Dialog zwischen Verleger und Zeichner und Brösels anschließendem gezeichneten Alptraum. Eine durchaus witzige Bilderstrecke, in der sich alle Werner vertrauten Figuren, Maschinen und Umgebungen auflösen und in Manga-Monster verwandeln. Selbst in seiner Stammkneipe ist er vor grinsenden, schlitzäugigen Ungeheuern mit norddeutschem Akzent nicht mehr sicher.


Same Procedure: Bölkstoff & Motoren

Nach diesem ansprechenden Auftakt verliert Werner Eiskalt jedoch zusehends an Tempo und Witz. In der zweiten Hälfte bilden vor allem Motoren, Bölkstoff und die trotteligen Polizisten aus Knöllerup die Basis für Kalauer und Slapstick, was dem Film nicht gut bekommt. Es dominieren langatmige Rückblenden auf Stationen aus Werners Leben, in denen die Gags immer häufiger um das kreisen, was den Öffnungen von Menschen und Maschinen so entweicht, ob fest, flüssig oder gasförmig. Nur noch selten streift der Film die anfangs überzeugende (selbst-)ironische Meta-Ebene.

Offensichtlich haben die Macher von Werner Eiskalt versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen beziehungsweise zwei Zielgruppen anzusprechen: Einerseits galt es ein jüngeres, an zeitgenössische Humor-Formen gewöhntes Publikum zu gewinnen, andererseits sollten die treuen alten Fans bei der Stange gehalten werden. Letzteren meinte man wohl nicht allzu viel Schräges zumuten zu können, so dass der Film schlussendlich in den gewohnten Bahnen des Werner-Kosmos mit seinen mehr oder weniger derben Sprüchen und Bildern landet. Damit verspielt er die anfänglichen Sympathien. Mehr Mut zum Risiko hätte dem Film gut angestanden.

Werner - Eiskalt, Regie u. Kamera: Gernot Roll, FSK ab 0 Jahren, Kinostart: 23. Juni 2011.


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