Anzeige
Theater - Christiane Wiegand
Realität und Fiktion
Die Bonn University Shakespeare Company bringt Alan Ayckbourns Mediensatire „Man of the Moment“ auf die Bühne der Beueler Brotfabrik.
Anzeige
Moderatorin Jill Rillington ist sich sicher: in jedem Menschen schlummert irgendwo ein dunkles Geheimnis. Man muss nur lange und genau genug danach suchen. Im Aufspüren der dunklen Flecken im scheinbar vorbildlichsten Lebenslauf, im Aufdecken der nagenden, tief sitzenden Unzufriedenheit mit der eigenen Existenz ist Jill Expertin... dachte sie.
Auftritt Douglas Beechey, Jills Nemesis, seit Jahren verheiratet mit seiner Traumfrau, zufrieden mit seinem Job, seinem Haus, seinem Leben, die Personifikation der Ausgeglichenheit, frei von jeglicher Missgunst. Vor Jahren hat er Bankräuber Vic Parks zur Strecke gebracht, doch das interessiert heute kaum noch jemanden, am wenigsten Douglas selbst. Und neidisch auf den ehemaligen Kriminellen, der in der Zwischenzeit Karriere und viel Geld gemacht hat, ist er auch nicht. Unerhört! Langweilig! Zu langweilig fürs Fernsehen, denn mittelständische Zufriedenheit verkauft sich nicht...
Nachdem die Bonn University Shakespeare Company mit ihrer letzten Produktion, William Shakespeares „Antony and Cleopatra“, inszenatorisch bereits eine Tendenz zur modernen Medienwelt gezeigt hatte, ist sie mit Alan Ayckbourns Mediensatire „Man of the Moment“ nun vollständig im Medienzeitalter angekommen. Gespickt mit jeder Menge bissigem Humor nimmt Ayckbourns Stück vor allem die Sensationsgier des Reality-TV aufs Korn. Ein dankbares Thema, dass dem BUSC-Ensemble fast noch ein wenig besser zu liegen scheint, als die Jahrhunderte alten Verse des englischen Dichterfürsten.
Die Produktion lebt vor allem von der enormen Spielfreude ihrer Darsteller. Die Regie gibt sich gewohnt zurückhaltend, das Bühnenbild ist effizient, aber unaufdringlich. Die BUSC macht Theater vor allem für die Darsteller, ohne überflüssigen Schnickschnack, ohne den Stoff durch komplizierte Interpretationen überzustrapazieren. „Man of the Moment“ ist geradeheraus und unterhaltsam, mit gerade genug Ernsthaftigkeit, um nicht trivial zu wirken.
Darstellerisch vermögen neben alten BUSC-Hasen vor allem die zahlreichen frischen Gesichter zu überzeugen. Susanne Niang hat in ihrer ersten Produktion als Company-Mitglied direkt eine tragende Rolle ergattert und liefert als Trudy Parks ein berührendes Portrait einer aufopferungsvollen Ehefrau im Schatten ihres umjubelten, aber undankbaren Gatten. Dass sie als Tänzerin bereits zuvor Bühnenerfahrung sammeln konnte, merkt man ihrer beeindruckenden Interpretation an.
Emanuele Novelli spielt den ehemaligen Bankräuber Vic Parks mit dem Charme und Akzent eines italienischen Mafiosi und einer omnipräsenten, unterschwelligen Bedrohlichkeit. Hinter der schillernden, lächelnden Fassade seiner scheinbaren Läuterung lauert hier noch immer der gewalttätige, skrupellose Kriminelle. Auch wenn das Charakterkonzept teilweise eher der Nationalität des Darstellers als der Logik der Vorlage geschuldet zu sein scheint, überzeugt Novelli durch eine intensive und facettenreiche Darstellung.
Während Anna Nisch als ehrgeizige Moderatorin Jill Rillington in ihrer Darstellung teils ein wenig zu übertrieben wirkt, gelingt Alexander Munzig als Douglas Beechey ein beeindruckendes Portrait eines Antihelden, hinter dessen geradezu enervierender Freundlichkeit und Indifferenz sich tatsächlich deutlich mehr verbirgt, als man zunächst vermutet.
Mit „Man of the Moment“ gelingt es der Bonn University Shakespeare Company, das hohe Niveau zu halten, auf dem sie sich mit vergangenen Produktionen etabliert hat. Zwar weist die Inszenierung zu Beginn des zweiten Teils einige wenige Längen auf, die überraschende Schlusspointe – die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird – bildet jedoch den würdigen Abschluss eines Theaterabends, der mit zum Besten gehört, was zur Zeit im Bereich Laientheater zu erleben ist.
„Man of the Moment“ ist noch am 8. und 9. Juli in der Beueler Brotfabrik zu sehen.
Diesen Artikel bookmarken:
Artikel per eMail weiterempfehlen
Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige
Anzeige
Musik - 08.02.12
"bonn hoeren" ein Ort im "Land der Ideen"
Theater - 07.02.12
Offenes Werkstattgespräch zum Londoner Erdbeben
Ausstellung, Sonstiges - 06.02.12
Karneval ins MuseumViele Museen in der Bundesstadt haben auch an Karneval geöffnet. Eine Übersicht der Öffnungszeiten von Ausstellungshäusern und Bonner Bädern.
Musik, Sonstiges - 03.02.12
Orchestercampus ist eine der besten Ideen
Anzeige
Kritik: Kino
Der BesesseneWäre „positiv verrückt“ nicht eine durch inflationären Gebrauch im Sportsprech verbrannte Phrase, könnte man sie auf den Baseball-Manager und sportlichen Revolutionär anwenden, den Brad Pitt in „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ spielt.
Kritik: Kino
Vampire WeekendKate Beckinsale geht als lacklederne Actionheldin in „Underworld: Awakening“ erneut auf Werwolfjagd. Eher etwas für Fans der Underworld-Streifen.
Thema: Sonstiges
Karneval auf der StraßeBereits am 5. Februar beginnt der Bonner Straßenkarneval. Neuer Zugweg in Kessenich und Beuel. Eine Übersicht der Züge im Stadtgebiet.
Kritik: Literatur
Rückkehr nach 1Q84
Kritik: Kino
Zeit zum InnehaltenIn Alexander Paynes Drama „Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)“ muss ein gegen sein Rollenklischee besetzter George Clooney familiäre Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen.
Anzeige
Häufige Schlagworte:
Beethoven
Bibliothek
Buch
Festival
Film
Jugend
Köln
Konzert
Landesmuseum
Museum
Musikschule
Nimptsch
NRW
Oper
Pantheon
Preis
Theater
Universität
Wettbewerb
Workshop
Anzeige


Kultur-in-Bonn.de auf Facebook
Kultur-in-Bonn.de auf Twitter
Kultur-in-Bonn.de als RSS-Feed
