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Kino - Michael Hermann
Prost Mahlzeit – Lasst euch den Müll schmecken
“Taste the Waste” ist eine aufschlussreiche Dokumentation über den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln. Produzenten wie Konsumenten dürfen sich an die eigene Nase fassen.
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Fressen und gefressen werden gilt als Naturgesetz – weggeschmissen ohne gefressen zu werden scheint bei gut der Hälfte aller weltweit produzierten Lebensmittel die Regel zu sein. Taste the Waste ruft beim geneigten Betrachter ungefähr alle fünf Minuten ungläubiges Kopfschütteln hervor. Was Regisseur Valentin Thurn bei seinen Recherchen in Europa, Afrika, Asien und den USA über den verschwenderischen Umgang mit Nahrungsmitteln zusammengetragen hat, schlägt der Abfalltonne den Boden aus.
Zu vieles wandert bereits vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums in den Müll, anderes gelangt erst gar nicht in den Handel und wird prophylaktisch aussortiert, weil Verbraucher nur bestimmte Farben, Formen und Größen (wie etwa bei Tomaten und Kartoffeln) akzeptieren. Produzenten und Konsumenten sind gleichermaßen aufgefordert, dieser ruinösen Ressourcenverschwendung ein Ende zu setzen
Mülltaucher haben mehr Spaß beim Kochen
Doch zeigen Thurns Interviews mit Landwirten, Lebensmittelproduzenten, Ernährungswissenschaftlern, Behörden und zwei „Mülltauchern“ eine Reihe von viel versprechenden Ansätzen, wie der Vergeudung ein Ende zu machen ist und der Einstieg in eine echte Kreislaufwirtschaft gelingen könnte. Wussten Sie zum Beispiel schon, dass hartes, nicht mehr essbares Brot in klein gehäckselter Form und gemischt mit Holzpellets erstklassiges Heizmaterial ergibt? Ein Bäcker aus Hilden nutzt dies konsequent, um mit dem Altbrot seine Backöfen zu heizen.
Weiterhin ist unter anderem eine Kooperative im US-Staat Arizona zu sehen, die regionale Produkte feilbietet und ihre Kunden dazu bringt, wieder mehr frisches Gemüse zu essen. Eine New Yorkerin hat ein Fabrikdach zum Nutzgarten umfunktioniert und erklärt regelmäßig Interessenten bei Führungen, wie der Anbau hoch oben mit Blick auf Manhattan funktioniert. Und hierzulande steigt die Zahl der Anlagen, in denen Biomüll zur Stromerzeugung genutzt wird.
Wer besonders abenteuerlustig ist, kann sich ja an den Erfahrungen der beiden „Mülltaucher“ orientieren, die in den Mülltonnen von Wohnhäusern und Betrieben auf die Suche nach verborgenen Nahrungsschätzen gehen. Einkaufen müssen sie nach eigenen Angaben nur alle 14 Tage, und wenn die aus dem Abfall geretteten Lebensmittel den Speiseplan bestimmen, hat das auch einen hübschen Nebeneffekt: „Es fördert die Kreativität beim Kochen!“
Taste the Waste - Regie und Drehbuch: Valentin Thurn, Deutschland 2011, 90 Min., FSK: ohne Altersbeschränkung, Altersempfehlung: ab 13 Jahren, Kinostart: 8. September.
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