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Kino - Michael Hermann

No Country for Old Cars

Pixar schickt seine vermenschlichten Blechkarren erneut auf die Reise. Eine rasante Mischung aus James Bond und Öko-Thriller in 3D-Animation, bei der indes der Witz zu kurz gekommen ist.


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Lightning McQueen, mit schärfstem Rivalen am Hinterrad.

Der Alleskönner: Superagent Finn McMissile.

Rostbeuele Hook versucht "Bondine" Holley Shiftwell abzuschleppen. (Bilder: Walt Disney Studios)

Cars 2 legt los wie die Feuerwehr. In einer an die James-Bond-Filme angelehnten Eröffnungssequenz nimmt es das Superagenten-Auto Finn McMissile gleich mit einer ganzen Armada von bösen alten Benzinschleudern auf, die unter dem Kommando von Professor Z (Zündapp) stehen, und demonstriert seine Fähigkeiten und Fertigkeiten – beziehungsweise die der Pixar-Trickspezialisten.

Die bösen Blechkarren verfügen über bislang unerschlossene Öl-Reserven und wollen ihre Profite hochtreiben, indem sie einen neuen umweltfreundlichen Biosprit namens Allinol mit gezielten Manipulationen in Verruf bringen. Unterdessen rüstet sich Lightning McQueen, das schnellste Rennauto der Welt, die vom Allinol-Erfinder Miles Axlerod initiierte World-Grand-Prix-Rennserie mit ebendiesem Öko-Kraftstoff zu gewinnen – und seinen italienischen Herausforderer Franceso Bernoulli auf Distanz halten, der noch dazu seiner Freundin Sally Carrera Avancen macht. Ihm zur Seite steht sein gutmütiger, verbeulter und scheinbar etwas vertrottelter Kumpel Hook vom Abschleppdienst.

Die beiden Handlungsstränge kreuzen sich beim ersten Rennen, wo Hook von Finn McMissile und „Bondine“ Holley Shiftwell irrtümlich für einen amerikanischen Superagenten gehalten wird und fortan gemeinsam mit ihnen versucht, den Benzinschurken auf die Schliche zu kommen. Da Hook ein echtes Landei ist und außerhalb seines Heimatorts „Radiator Springs“ in jedes Fettnäpfchen tritt beziehungsweise fährt, hätte dies in Verbindung mit dem Element der Verwechslungskomödie durchaus Raum für Situationskomik eröffnet.


Tiefer gelegter Witz

Doch fehlt dem Film jener typische Pixar-Charme und -Witz, der etwa Findet Nemo und die drei Toy Stories auszeichnet. Die Verwechslungsgags um Hook verpuffen bald, andere auf Komikerzeugung angelegte Figuren zünden nicht so recht. Da nützt es auch nichts, in das Franceso Bernoulli-Auto alles hineinzustecken, was an Klischees zu italienischen Rennwagen und Italienern im Allgemeinen zur Verfügung stand. Möglich, dass die Figur im Original mehr Witz entfaltet, wo ihr John Turturro die Stimme leiht. Bösewicht Professor Z / Zündapp wird übrigens sowohl in der Originalversion als auch in der deutschen Synchro-Fassung von Thomas Kretschmann gesprochen – Gert Fröbes Goldfinger lässt grüßen. 

Darüber hinaus entwickeln sich auch Story und „Moral“ von Cars 2 ziemlich schematisch und betulich. So müssen natürlich die Freunde Lightning und Hook zwischenzeitlich in einen Konflikt geraten, an dessen Ende die Versöhnung steht (und als Musik-Unterlegung nur noch Franz Beckenbauers „Gute Freunde“ gefehlt hätte). Das restliche Figurenpersonal wirkt ebenfalls schablonenhaft, das abschließende Lob auf das Landleben geradezu kitschig.

Was dem Film an Originalität und Spaßfaktor abgeht, macht er durch Tempo und Spannung, verblüffende Tricks und rasante Verfolgungsjagden wieder wett. Hinzu kommen auf der Habenseite imposante computeranimierte Szenerien der Schauplätze und Rennkurse, die unter anderem London (inklusive „Big Bentley“), Tokio und Monaco abbilden. Unter dem Strich bestätigt Cars 2, bei dem Mastermind John Lasseter nach längerer Zeit mal wieder selbst Regie geführt hat, Pixars Ruf als Qualitätsmarke für Animationsfilme.


Cars 2, USA 2011, Regie: John Lasseter, Kinostart: 28. Juli 2011.


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