Logo Kultur-in-Bonn.de
Anzeige
Kino - Michael Hermann

Mr. Freeze taut auf

Die Menschwerdung eines ebenso eiskalten wie abgebrühten Verkaufsfahrers für Tiefkühlkost. Gute Schauspieler tragen die Komödie „Arschkalt“ über dramaturgische Schwächen hinweg.


Anzeige



Arschkalt-kib.jpg

Müssen sich beim Tiefkühlkost-Verkaufen irgendwie
zusammenraufen: Berg (Herbert Knaup) und Moerer (Johannes
Allmayer). (Bild: NFP)

Rainer Berg (Herbert Knaup) ist Verkaufsfahrer für Tiefkühlkost. Ein zynischer Griesgram, der nach dem Verlust des elterlichen (Tiefkühl-)Familienbetriebs nur noch seine Ruhe und seine Verkaufsprämien haben will.

Da passt es ihm überhaupt nicht in den Kram, dass ihm von der neuen Chefin Lieke van der Stock (Elke Winkens) mit Tobias Moerer (Johannes Allmayer) ein junger, leicht tollpatschiger  Spaßterrorist ins Auto gesetzt wird, den er nun anlernen soll. Die nervende Quasselstrippe glaubt an die Weisheit von Teebeutel-Sprüchen und versucht den erfahrenen Kollegen mit Uralt-Witzen aufzuheitern („Was tun, Fisch? Du hast die Wahl, Fisch“). Wie von der Chefin angeordnet, möchte Moerer ins Metier eingewiesen werden, beißt aber bei Berg zunächst auf Granit: „Hier ist das Lenkrad, da ist die Straße. Das ist deine Einweisung.“

Die schroffe Ablehnung ist nicht von Dauer. Den Konventionen des Buddy-Movie-Genres entsprechend kommt es zu einer allmählichen Auflockerung und Annäherung, während der beide lernen, vom anderen etwas anzunehmen. Und auch zwischen der scheinbar kühlen, erfolgsfixierten Chefin und Eisberg Berg spinnt sich etwas an; privates und berufliches Ungemach schweißen zusammen. Als Bergs im Seniorenwohnheim lebender Vater (Peter Franke) gerne noch einmal in seiner alten Fabrik seinen Geburtstag feiern möchte, müssen Berg Junior, Lieke und Moerer sich etwas einfallen lassen, um die Illusion aufrecht zu erhalten. Denn den Konkurs hat Sohnemann ihm verschwiegen.


Trockener bis bissiger Humor

Als Komödie mit gelegentlichen tragischen Einschlägen überzeugt André Erkaus Arschkalt besonders in der ersten Hälfte, die vom trockenen bis bärbeißig-schwarzen Humor der verkrachten Existenz Berg und ihrer überzeugenden Verkörperung durch Herbert Knaup getragen wird.

Auch die Idee, die sich verändernden Seelenzustände des Tiefkühlexperten anhand der verschiedenen Stadien gefrorener und auftauender Nahrung in kurzen, von Berg vorgetragenen Off-Kommentaren zu spiegeln, funktioniert – in gewisser Weise bilden sie das Gegenstück zu Moerers Teesprüchen. Beispiel: „Nicht die Kälte des Eiswürfels geht in den Wodka über, sondern die Wärme des Wodkas in den Eiswürfel.“

Seine Schwächen hat der Film von dem Punkt an, wo die Gegensätze sich aufzulösen beginnen und die Geschichte auf ein mehr oder weniger erwartbares Finale zusteuert. Ähnlich wie Bill Murrays Wettermann, der eine gar zu gründliche Gutmenschwerdung am Murmeltier-Tag vollzieht, kommt Bergs Wandlung etwas zu schnell daher und wirkt nicht ganz schlüssig. Zu selten blitzt noch etwas vom bissigen Humor und Dialogwitz der ersten Stunde auf.

Aufgefangen werden die Schwachpunkte in der Entwicklung des Plots und der Motivation der Figuren jedoch von den Darstellern. Herbert Knaup, Elke Winkens, Johannes Allmayer und Peter Franke ziehen den Zuschauer in die Geschichte hinein und vermitteln ihm das Gefühl, dass es sich bei ihren Figuren um Exemplare aus dem „richtigen Leben“ handeln könnte.


Arschkalt, Deutschland 2011, Regie und Drehbuch: André Erkau, Kinostart: 21. Juli.


Diesen Artikel bookmarken:  
twitter.com  facebook.com  Mister Wong  LinkaARENA  StudiVZ.de  MySpace.com  Technorati  oneview  del.icio.us  google.com  YahooMyWeb  live.com  digg.com  MyLink.de  Webnews  YiggIt  Folkd  stumbleupon.com  Reddit  

Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige

Tagestipps Donnerstag, 17.05.12

Alle Termine einer Veranstaltungsreihe:
Kalenderübersicht >>      Ticketshop >>
Anzeige

Nachrichten

Musik - 16.05.12
300 Stimmen für „Luther in Worms“
Luther_in_Worms_kib.jpg
Mit dem großen spätromantischen Oratorium von Ludwig Meinardus wird die Musikwoche zur Feier der Lutherdekade in der Kreuzkirche feierlich eröffnet. Ein Projekt zum Mitsingen für Sängerinnen und Sänger zwischen 15 und 60 Jahren.

Ausstellung - 16.05.12
Wolle für Beton
Haekel-Vostell_kib.jpg
Anwohnerinnen aus dem Musikerviertel stricken und häkeln einen Überzug – für ein Kunstwerk vor dem LVR-Landesmuseum.

Literatur - 15.05.12
Liebesgrüße aus Deutschland
Wladimir_Kaminer_kib.jpg
Ein Russe in Berlin und hierzulande: Kultautor Wladimir Kaminer liest am Sonntag im Pantheon aus seinem neuen Buch.

Musik - 15.05.12
Öffentliche Proben für Chorfest
BonnerVokalensemble2011-kib_01.jpg
Das Bonner Vokalensemble stellt sein Wettbewerbsprogramm für das Deutsche Chorfest 2012 in zwei öffentlichen Generalproben vor.

Musik - 15.05.12
Masurenko für Kashkashian
KIB_IMG_8870_333_07.jpg
Umbesetzung beim letzten Konzert im Kammermusiksaal: Tatjana Masurenko springt für Kim Kashkashian ein.

Anzeige

Magazin

Themen, Kritiken & Berichte
Kritik: Kino
Der Fischer und seine Frau
„Lachsfischen im Jemen“ hat eine hübsche Grundidee, lässt allerdings einiges von ihrem komischen Potenzial liegen. Regisseur Lasse Hallström lenkt die Geschichte lieber ins sichere Fahrwasser einer romantic comedy. Die gute Besetzung hilft über Schwachstellen hinweg.

Thema: Musik, Kulturarbeit
Festival-Zuschauer mit eigenem Aschenbecher
RHEINKULTUR_2011-kib_01.jpg
Ob Gartenparty oder Musikfestival: Mit dem neuen Wettbewerb Green Spots sucht der Bonner Verein Sounds for Nature Foundation Videoclips zum Thema umweltfreundliches Feiern.

Kritik: Kino
Dick und Doof
In „21 Jump Street“ erleben zwei verdeckt ermittelnde Jung-Cops die Schulzeit noch einmal und stolpern durch die Fettnäpfchen der nächsten Teenager-Generation. High-School-Komödie mit stark schwankender Gag-Qualität.

Kritik: Kino
Kierkegaard und Maradona
„Superclassico“ spielt kurz in Kopenhagen und lange in Buenos Aires. Mit Fußball hat die dänische Komödie nur am Rande zu tun. Ehe-, Scheidungs- und Selbstfindungsprobleme bilden die Folie für eine recht amüsante Geschichte.

Kritik: Kino
Action in Windeln
Robert Rodriguez hat sich mit schrägen Action-Thrillern von „El Mariachi“ bis „Planet Terror“ einen Namen gemacht. Die Zielgruppe seines neuen Films „Spy Kids 4D“ sind indes Kinder und Familien.

Anzeige
Anzeige