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Kino - Michael Hermann
Lehrkörper der speziellen Art
Cameron Diaz entwickelt als rauchende, saufende und fluchende Lehrerin in der schrägen Komödie „Bad Teacher“ ihre eigenen pädagogischen Vorstellungen.
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Die Prämisse von Bad Teacher ist dünnes Eis: Die nicht gerade unattraktive Cameron Diaz spielt Hauptfigur Elizabeth, eine just von ihrem reichen Liebhaber verlassene Frau, welche nun Geld für eine teure Brustvergrößerung auftreiben will, weil sie glaubt, nur mit üppiger Oberweite den nächsten Milionario ködern zu können.
Da Elizabeth so gut wie pleite ist, heuert sie in einer Schule als Lehrerin für Achtklässler an. Um Lehrpläne schert sich die kiffende und saufende Schlampe zunächst kein bisschen und zeigt ihren Schülern stattdessen im Unterricht didaktisch wertvolle Filme wie Dangerous Minds und Scream (die ja immerhin in und um Schulen herum spielen).
Mit ihrem Pädagogengehalt lässt sich allerdings keine schnelle Brust-OP finanzieren, also müssen anderweitige, ergänzende Beschaffungsmethoden her. Wie etwa die alljährliche Autowaschaktion der Schule in Hot Pants und bauchfreier Bluse zu bestreiten. Oder Prüfungsfragen beim zuständigen Beamten des Schulamtes mithilfe von Sex, Alkohol und K.-o.-Tropfen zu besorgen, weil der erfolgreichste Lehrer eines Jahrgangs eine zusätzliche Prämie erhält.
Schräger Humor mit Fremdschäm-Momenten
Bad Teacher ist eine in ihren besten Momenten witzige, schräg überdrehte Komödie, deren Charaktere allesamt wirken, als ob sie nicht ganz von dieser Welt wären. Comichaft grell und überzeichnet wie eine Karikatur ist zum Beispiel Elizabeths Gegenspielerin Amy Eichhorn (Lucy Punch), deren Minenspiel sich deutlich am tierischen Namensgeber der Figur orientiert. Davon abgesehen spricht sie (zumindest in der bei der Pressevorführung gezeigten OmU) gerne in Reimen und Alliterationen, ist exzentrisch bis psychopathisch. Wenn Amy es darauf anlegt lustig zu sein, etwa um Schüler zum Lachen zu bringen, gelingen Lucy Punch Szenen mit recht hohem Fremdschäm-Faktor. Der steigt noch einmal, wenn Justin Timberlake als Lehrerkollege Scott ein (laut Abspann tatsächlich von ihm verfasstes) Liebeslied für Frau Eichhorn zum Besten gibt, mit allerlei klebrigem Süßholz, das sich auf „simpatico“ reimt.
Derweil wirkt Sportlehrer Russell (Jason Segel), der ein Auge auf Elizabeth geworfen hat, noch am meisten geerdet. Er darf in einigen Szenen das aufgesetzte Gehabe und Geschwätz von Figuren wie Amy und Scott effektiv unterlaufen. Und Elizabeth ist unter dem Strich auch nicht völlig „bad“: Sie hilft beim Schulausflug einem verhaltensgestörten Schüler nach dessen peinlicher Selbstoffenbarung mit einem Trick, wieder Anerkennung bei seinen Mitschüler/inne/n und mehr Selbstbewusstsein zu finden.
Bei allem schrägen Humor und teils deftiger explicit language inklusive Genital- und Safersex-Witzen spielt Bad Teacher sein Potenzial nicht mit letzter Konsequenz aus. Der eine oder andere Schlenker mehr Richtung Farce oder Trash hätte nicht geschadet. Auch hält sich die Schlussauflösung im Rahmen des Erwartbaren, ohne allerdings einen unangenehm süßlichen Nachgeschmack zu hinterlassen.
Man hat von Hollywood gerade im komödiantischen Fach schon oft sterile Mainstream-Kost geboten bekommen. Davon hebt sich eine kleine, leicht bis mittel schmutzige und über weite Strecken unterhaltsame Komödie wie Bad Teacher ein gutes Stück ab.
Bad Teacher, Regie: Jake Kasdan, mit: Cameron Diaz, Justin Timberlake, Jason Segel, Lucy Punch, John Michael Higgigns, FSK ab 12 Jahren, Kinostart: 23. Juni 2011.
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