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Literatur - Julia-Rebecca Riedel

Künstler, Unternehmer, Stifter

Bunt und facettenreich: die Autobiografie des Bonner Bauunternehmers und Kunstmäzens Carl Richard Montag.


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Das Ende fehle noch, so Carl Richard Montag in seiner charmant anekdotenreichen Autobiographie Was bleibt. Er beschreibt sich als naiven Träumer und arglosen Weltverbesserer. Das Nachdenken über die existenziellen Fragen des Lebens, über Brüche und Glücksgriffe lässt ihn von einem reichen, erfüllten Leben sprechen: Ja, es war ein gutes Leben. Was ich getan habe, mag mir mal mehr, mal weniger gut gelungen sein, aber ich kann mit gutem Gewissen sagen: Ich bin immer mit Leib und Seele ans Werk gegangen.

Der inzwischen 82-jährige Bonner Bauunternehmer und Kunstmäzen wird 1929 mitten in die Weltwirtschaftskrise hinein im sauerländischen Freienohl geboren. Der Sohn des Malermeisters Carl Montag entdeckt früh seine Leidenschaft für Staffelei und Pinsel. Vom Sauerland sagt er, die Farben der Landschaft haben ihn besonders beeindruckt.

Der junge Montag ist ein besonderer Junge, das spürt der Leser sofort, seine Erinnerungen sind abenteuerlich. Die Träumereien mit dem Pinsel oder Kohlestift in der Hand schaffen ihm Freiräume. Zwar muss er in die Hitler-Jugend eintreten, entgeht jedoch dem Schicksal, als Kanonenfutter der letzten Kriegstage verheizt zu werden. Im Alter von 13 Jahren er ein Stipendium für die Bildhauerklasse der Hochschule für bildende Künste in Berlin.

1942 erreicht mit Montag aber auch der Bombenkrieg die Hauptstadt. Berlin präsentiert sich nicht als geeigneter Ort für einen jugendlichen Künstler, so kehrt Montag nach Freienohl zurück. In den letzten Kriegstagen droht ihm die Einberufung, sein Vater versteckt ihn im Wald bei einem Freund. Desertieren nennt man das, darauf steht die Todesstrafe. Montag hat Glück, wie so oft in seinem Leben, er wird nicht verraten.

Nach dem Krieg, 1946, will er als freischaffender Künstler arbeiten. Die Galeristin, Kriegerwitwe und Mutter dreier Kinder, Elisabeth Hano, ermutigt ihn dazu. Montag verliebt sich, 17-jährig, in die fast doppelt so alte Elisabeth. Sie wird bis zu ihrem Tod 1989 nicht mehr von seiner Seite weichen.

Das Künstlerleben währt nicht lange. Als sein Vater schwer erkrankt, sieht sich Montag gezwungen, der Malerei den Rücken zu kehren und den Malerbetrieb seines Vaters zu übernehmen. Binnen weniger Jahre baut er den väterlichen Betrieb zu einem einträglichen Bauunternehmen aus. Rückschläge, wie Insolvenz, schrecken ihn nicht.

Montag ist überzeugt, seine Glaubwürdigkeit, Integrität und sein Gespür für knappe Kalkulationen brachten seinem Unternehmen den ersehnten Erfolg. Er realisiert private und öffentliche Bauprojekte. Bekannt macht ihn die Errichtung von Arbeitsämtern, die ab Mitte der 70er Jahre in vielen deutschen Großstädten gebaut werden. Sein letztes imposantes Bauprojekt ist der T-Mobile-Campus in Bonn. Montags architektonischer Anspruch: Ein Bauprojekt ist dann gelungen, wenn es den Bedürfnissen und Ansprüchen seiner Bewohner oder Nutzer gerecht wird.

Den Tod seiner Frau Elisabeth 1989 sieht Montag als Zäsur, die den Bauunternehmer zum Stifter macht. Die Montag Stiftungen sehen ihre Aktivitäten als Beiträge zur beständigen Entwicklung der Gesellschaft. Sie werden geleitet vom Gedanken des Handelns in sozialer Verantwortung. Dabei steht für Montag der junge Mensch im Fokus, denn, die Gesellschaft braucht Persönlichkeiten, die eigenständig denken und Sinn für die Gemeinschaft haben.

Die Montag Stiftungen agieren von drei Standorten aus: Zentraler Sitz der Montag Stiftungsgruppe ist der Bonner Stiftungscampus. In mehreren Gebäuden, von der Adenauerallee bis zum Rhein, entwickeln und koordinieren die drei operativen Stiftungen ihre Aktivitäten und Projekte. In der Kölner Stiftungsdependance finden vor allem Seminare statt. Das Tagungs- und Veranstaltungshaus der Stiftungsgruppe befindet sich in Günne am Möhnesee, dem langjährigen Familiendomizil der Familie Montag.

Auf Grund seines besonderen Engagements für die Allgemeinheit wird Carl Richard Montag 2009 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Heute lebt er mit seiner zweiten Ehefrau Hella Montag-Michalik in Bonn und in Menaggio am Comer See.

Auf Drängen seiner engsten Mitarbeiter der Montag-Stiftungsgruppe hat Montag nun sein bewegtes Leben einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Was bleibt erschien in diesem Herbst und erzählt ein Leben in Bildern. Montag versteht es, seinen Leser geradezu in sein Leben hineinzuziehen. Mit 82 ist Montag noch einmal zum Künstler geworden und hat sein Leben gezeichnet: bunt und facettenreich.

Carl Richard Montag: Was bleibt, 332 Seiten, zahlr. Abb., Hardcover, Müller + Busmann, 24,80 Euro.


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