Logo Kultur-in-Bonn.de
Anzeige
Kulturarbeit - K. Schmoller

Kölner Stahlträger fürs Festspielhaus?

Große Suchaktion in der Bonner U-Bahn. Streit um das geplante Konzerthaus eskaliert. Nur per Bahn erreichbar? Kritik an Masur-Äußerung.


Anzeige



Der Skandal um entwendete Stahlträger beim Bau der Kölner U-Bahn führt nun auch nach Bonn. Mit einer groß angelegten Suchaktion in der Bonner U-Bahn vergangene Nacht haben die Ermittlungsbehörden auf Hinweise reagiert, wonach ein Großteil der ursprünglich für Köln vorgesehenen Bauteile in Nebenstollen zwischen den Stationen "Hauptbahnhof" und "Juridicum" gelagert sein soll.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher der Bonner Stadtverwaltung, es handele sich um "mehr als nur einen vagen Verdacht". Es sei denkbar, dass ein Großteil der in Köln entwendeten Stahlträger für das geplante Festspielhaus Beethoven "auf Vorrat" abgezweigt worden sei. Ermittlungen in der Domstadt hatten ergeben, dass rund 86 Prozent der laut Planung vorgesehenen Verstärkungen nicht verbaut worden waren.

Spekulationen, wonach das Festspielhaus vollkommen unterirdisch gebaut werde, wollte die Stadtverwaltung mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Eine solche Lösung mache aber die Einrichtung einer weiteren Haltestelle notwendig. Schließlich sei das Festspielhaus dann nur per U-Bahn erreichbar und es verbiete sich, einfach auf eine vorhandene Haltestelle "draufzusatteln".


"Kein Salzburg am Rhein"

Aus historischer Sicht mache eine reine U-Bahn-Anbindung durchaus Sinn, so der Verwaltungsfachmann. Schließlich würde Bonn mit Festspielhaus mittelfristig "kein Salzburg am Rhein", wie mancher Befürworter hofft. Salzburg sei de facto ein Freilichtmuseum für Mozart. In der Bundesstadt hingegen gäbe es gerade mal zwei Orte, die für Beethovens Biografie entscheidend gewesen seien: sein Geburtshaus, wo er das Licht der Welt erblickte, und der örtliche Bahnhof, wo er sich kurz darauf verabschiedet habe. So gesehen sei ein Festspielhaus in südlicher Richtung vom Hauptbahnhof gelegen eine schlüssige Lösung.

Derweil ist der Streit um das Festspielhaus in eine neue Phase getreten. Unterstützung für den Bau kam gestern ausgerechnet vom Bundesverband der Erzieherinnen und Erzieher, Sektion Bonn. Dort hieß es, man unterstütze das Projekt vorbehaltlos und wolle dafür auch gerne selbst aktiv werden.

Angedacht seien weitere Einschränkungen beim Fachpersonal, mehr weiche Plastikspielzeuge und das Projekt "Mehr Kind je Platz": Neueste Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kinder in Kindergärten mit deutlich weniger Raum auskämen als gedacht. So sei eine Auslastung von einem viertel Quadratmeter je Kind völlig ausreichend. "Rein rechnerisch ergibt sich daraus ein Schlüssel von vier Kindern je Quadratmeter", erklärte Verbandssprecherin Vera Peitsch.

Zudem sei man in Diskussion mit dem Verein der Bade- und Saunameister Bonn/Rhein-Sieg e. V., um auch diese Beschäftigungsgruppe für das Festspielhaus zu gewinnen. Aus dessen Reihen waren zuletzt, angesichts der drohenden Schließung von Bonner Bädern, Unmutsäußerungen laut geworden. Es zeichne sich jedoch eine gemeinsame positive Haltung zugunsten des Konzerthauses ab, so Peitsch.


"Verbale Trittbrettfahrerei" inakzeptabel

Für weiteren Wirbel hat indes eine Äußerung von Meisterdirigent Kurt Masur gesorgt. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Beethoven-Haus hatte gegenüber dem General-Anzeiger erklärt, "die Menschen in Bonn - jung und alt - werden ein Leben in Glanz und Schönheit bekommen", wenn das Festspielhaus gebaut werde.

Die CDU-Fraktion im Bonner Rat hat darauf mit Empörung reagiert. Allein die Wortwahl des Maestros sei verräterisch: Nur Altbundeskanzler Helmut Kohl stehe es zu, perspektivisch und visionär sich in einer derartigen Form zu äußern. Masurs Einlassung erinnere "fatal" an Kohls Wort von den blühenden Landschaften in der ehemaligen DDR, so ein Ratsmitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte. Diese "verbale Trittbrettfahrerei" sei nicht akzeptabel.

Auch die übrigen Ratsfraktionen gaben sich verstimmt. "Beethoven war auch einer von uns", hieß es dazu aus Reihen der SPD. In der FDP ist die Verwunderung groß: "Beim Festspielhaus und speziell bei den Beethoven-Freunden handelt es sich um reine Partikularinteressen", erklärte ein Sprecher.

Die Grünen forderten Masur auf, nach der Beethovenhalle endlich auch einmal die Deckenhöhe in Bonner Kitas zu inspizieren. Und der Bürgerbund sprach sich für ein Bürgervotum zur Haltestelle "Festspielhaus Beethoven-Süd" aus.



Diesen Artikel bookmarken:  
twitter.com  facebook.com  Mister Wong  LinkaARENA  StudiVZ.de  MySpace.com  Technorati  oneview  del.icio.us  google.com  YahooMyWeb  live.com  digg.com  MyLink.de  Webnews  YiggIt  Folkd  stumbleupon.com  Reddit  

Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige

Tagestipps Donnerstag, 17.05.12

Alle Termine einer Veranstaltungsreihe:
Kalenderübersicht >>      Ticketshop >>
Anzeige

Nachrichten

Musik - 16.05.12
300 Stimmen für „Luther in Worms“
Luther_in_Worms_kib.jpg
Mit dem großen spätromantischen Oratorium von Ludwig Meinardus wird die Musikwoche zur Feier der Lutherdekade in der Kreuzkirche feierlich eröffnet. Ein Projekt zum Mitsingen für Sängerinnen und Sänger zwischen 15 und 60 Jahren.

Ausstellung - 16.05.12
Wolle für Beton
Haekel-Vostell_kib.jpg
Anwohnerinnen aus dem Musikerviertel stricken und häkeln einen Überzug – für ein Kunstwerk vor dem LVR-Landesmuseum.

Literatur - 15.05.12
Liebesgrüße aus Deutschland
Wladimir_Kaminer_kib.jpg
Ein Russe in Berlin und hierzulande: Kultautor Wladimir Kaminer liest am Sonntag im Pantheon aus seinem neuen Buch.

Musik - 15.05.12
Öffentliche Proben für Chorfest
BonnerVokalensemble2011-kib_01.jpg
Das Bonner Vokalensemble stellt sein Wettbewerbsprogramm für das Deutsche Chorfest 2012 in zwei öffentlichen Generalproben vor.

Musik - 15.05.12
Masurenko für Kashkashian
KIB_IMG_8870_333_07.jpg
Umbesetzung beim letzten Konzert im Kammermusiksaal: Tatjana Masurenko springt für Kim Kashkashian ein.

Anzeige

Magazin

Themen, Kritiken & Berichte
Kritik: Kino
Der Fischer und seine Frau
„Lachsfischen im Jemen“ hat eine hübsche Grundidee, lässt allerdings einiges von ihrem komischen Potenzial liegen. Regisseur Lasse Hallström lenkt die Geschichte lieber ins sichere Fahrwasser einer romantic comedy. Die gute Besetzung hilft über Schwachstellen hinweg.

Thema: Musik, Kulturarbeit
Festival-Zuschauer mit eigenem Aschenbecher
RHEINKULTUR_2011-kib_01.jpg
Ob Gartenparty oder Musikfestival: Mit dem neuen Wettbewerb Green Spots sucht der Bonner Verein Sounds for Nature Foundation Videoclips zum Thema umweltfreundliches Feiern.

Kritik: Kino
Dick und Doof
In „21 Jump Street“ erleben zwei verdeckt ermittelnde Jung-Cops die Schulzeit noch einmal und stolpern durch die Fettnäpfchen der nächsten Teenager-Generation. High-School-Komödie mit stark schwankender Gag-Qualität.

Kritik: Kino
Kierkegaard und Maradona
„Superclassico“ spielt kurz in Kopenhagen und lange in Buenos Aires. Mit Fußball hat die dänische Komödie nur am Rande zu tun. Ehe-, Scheidungs- und Selbstfindungsprobleme bilden die Folie für eine recht amüsante Geschichte.

Kritik: Kino
Action in Windeln
Robert Rodriguez hat sich mit schrägen Action-Thrillern von „El Mariachi“ bis „Planet Terror“ einen Namen gemacht. Die Zielgruppe seines neuen Films „Spy Kids 4D“ sind indes Kinder und Familien.

Anzeige
Anzeige